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Interessanterweise dreht sich der Markt gerade wieder und wir sehen spannende Opportunitäten: Wir haben bereits drei Investments in den ersten zwei Monaten des neuen Fonds getätigt, weitere sind in der Pipeline. Interesse und Bedarf kommen also zurück.
Angesichts des Medienrummels rund um die „Effenberg-Bank“ oder die Volksbank Düsseldorf Neuss: Hat Ihnen da niemand „Bau bloß keinen Mist“ mit auf den Weg gegeben?
Fleig: (lacht) Gar nicht! Die Gruppe hat 670 rechtlich selbstständige Institute. Und die Medienmechanik ist so, dass man eben nicht auf die guckt, wo es läuft. Ich verstehe das und kritisiere es auch nicht. Zugleich bin ich persönlich erstaunt, dass nicht viel mehr Banken – und nicht nur im genossenschaftlichen Sektor – in Technologie und neue Geschäftsmodelle investieren. Wir denken bei unseren Fonds in Chancen, ohne die Risiken dabei zu vernachlässigen oder gar außer Acht zu lassen.
Ihr neuer Fonds richtet sich nicht nur an andere Volksbanken aus dem genossenschaftlichen Verbund. An wen denn konkret?
Fleig: Unser Sweet Spot sind mittelständische Banken und Versicherungsgesellschaften, die sich für beides interessieren: Rendite und strategische Mehrwerte. Wir sind für sie quasi ein „Window on Technology“. Viele wollen keine eigene VC-Einheit aufbauen, aber trotzdem verstehen, was sich da draußen tut. Und das ist dringend notwendig: Selbst Innovationsmanager großer Banken kennen meist reife Start-ups nicht. Neulich fragte ich in einer Runde, wer Qonto kennt – eine Banking-Plattform für KMUs, zuletzt mit über vier Milliarden Euro bewertet. Qonto kannten nur die, die bei uns investiert waren.
Es geht bei Ihrem VC-Fonds also gar nicht allein um die Rendite?
Fleig: Genau. Nicht nur. Es geht auch um diesen strategischen Mehrwert. Schon die Insights, die wir mit unseren Investoren teilen, sind Geld wert, welches sonst an das ein oder andere Beratungsunternehmen fließen würde. Bei uns bekommen sie Wissen, Technologiezugang und Netzwerk nebenbei frei Haus. Wenn unsere Investoren mit Portfolio-Unternehmen ins Gespräch kommen, entwickeln sich oft konkrete Kooperationen.
Zudem berichten wir mit unseren Investoren regelmäßig, welche Trends und Entwicklungen wir am Markt sehen: Zuletzt haben wir beispielsweise unseren Research zu AI-Unternehmen im Kundensupport präsentiert und relevante Start-ups präsentiert. Das ist unseren Investoren extrem wichtig. Wir schaffen mit jedem Fonds ein kleines Ökosystem.
Mit Verlaub: Zwischen einer klassischen Geno-Bank und einem agilen Fintech-Startup dürften Welten liegen. Ist ein Investment in Ihren Fonds nicht nur ein teurer Blick in die hippe Finanzwelt von Gen-Z-Großstädtern?
Fleig: Da liegen Sie völlig falsch! Nehmen Sie Backbone, ein Schweizer Unternehmen für Immobilienvisualisierung. Banken mit eigenen Maklerunternehmen geben dorthin einen Auftrag und haben 24 Stunden später professionelle Bilder inklusive Drohnenaufnahmen: schneller, günstiger, besser. Oder Planradar für Baumängel-Management – das wird konkret genutzt. Empion für HR-Recruiting verwenden bereits gut zehn Volksbanken. Und als wir Atlas Metrics – ein Unternehmen für das ESG-Reporting – im Beirat vorgestellt haben, da waren wir noch gar nicht investiert, und bereits eine Woche später liefen operative Gespräche zwischen unserem Investor und dem Start-up. Jetzt wird Atlas Metrics in Kooperation mit der DG Nexolutions an über 200 Volksbanken vertrieben. Da steckt also einige Musik drin.
Die so entstandenen Partnerschaften unterstützen Banken und Versicherungen bei Ihrer Digitalisierungsstrategie. Gleichzeitig gewinnen unsere Portfoliounternehmen durch diese Partnerschaften attraktive Kunden und einen starken Vertrauenszuwachs bei anderen potenziellen Kunden. Wir schaffen also strategische Mehrwerte für beide Seiten.
Woran erkennen Sie ein gutes Fintech mit Potenzial? Nennen Sie bitte mal ein Beispiel.
Fleig: Nehmen wir Orus aus Paris. Die haben erkannt: Gewerbekunden und Freelancer haben keine Lust, für eine simple Versicherung mehrmals zum Makler zu rennen. Also bauen sie Versicherungsprodukte mit komplett digitaler Antragsstrecke. Oder Banxware mit Embedded Lending – da hat sogar eine Volksbank die Kreditlinie gegeben.
Was uns überzeugt: nachgewiesener Product-Market-Fit, starke Unit Economics und visionäre Gründerteams. Zudem ist uns ein effizienter Kapitaleinsatz wichtig: In der aktuellen Marktlage erwarten wir zum Beispiel 24 Monate Runway nach einer Finanzierungsrunde.
Die Fintech-Krise dürfte auch an Ihrem Portfolio nicht spurlos vorübergegangen sein. Wie viele Investments sind pleite gegangen?
Fleig: Natürlich gibt es Ausfälle, das gehört zum VC-Geschäft. Aber unsere Quote ist deutlich besser als der Marktdurchschnitt. Wichtig ist: Viele unserer Portfoliofirmen haben 2022 rechtzeitig die Burn-Rate reduziert und sind jetzt robust aufgestellt. Es bleibt genug Zeit, auch schwierige Phasen zu überstehen.
Für uns als VC-Investoren ist es zudem viel entscheidender sogenannte Fund Returner im Portfolio zu haben, also Unternehmen, die beim Exit einmal das gesamte Fondsvolumen zurückspielen können. Da sehen wir uns gut aufgestellt.
Wir konzentrieren uns häufig viel zu sehr auf die Dinge die schief gehen und noch mal: Ich bin eigentlich erstaunt über die Ruhe auf manchen Vorstandsetagen.
Wie meinen Sie das?
Fleig: In Start-ups und Technologie zu investieren, das ist heute kein Nice-to-have mehr, sondern überlebenswichtig. Jede Bank sollte eigentlich mehr in diesem Bereich machen oder Wege der Partizipation suchen. Wer sich die Quoten für Forschung und Entwicklung anschaut, versteht das sofort. Die Gefahr ist nicht die, dass mal ein Investment schiefgeht. Die Gefahr ist vielmehr die, dass Banken den Anschluss verlieren, weil sie zu lange in ihrer Komfortzone bleiben. Ich bin mir sicher: Stillstand ist Rückschritt – das gilt heute mehr denn je.
Über Timo Fleig und Redstone Fintech Management
Timo Fleig ist geschäftsführender Partner bei Redstone Fintech Management. Der gebürtige Berliner studierte in Berlin und Kopenhagen, bevor er sechs Jahre bei PWC im Transaktionsbereich arbeitete. 2012 wechselte er zur Berliner Volksbank und baute dort ab 2015 das Venture-Capital-Geschäft auf.
Redstone ist eine europäische Risikokapitalgesellschaft mit Hauptsitz in Berlin und Büros in Zürich und Helsinki. Redstone betreibt Start-up-Fonds, die mit gezielten Strategien in junge Wachstumsunternehmen in verschiedenen Bereichen investieren.
Der „Redstone Fintech & Beyond Fonds III“ mit einem Zielvolumen von 100 Millionen Euro ist – nach der „Berliner Volksbank Ventures“ und dem „VR Ventures Fonds“ – der dritte Fintech-Fonds. Der Investmentfokus liegt auf europäischen Fintech- und B2B-SaaS-Startups in den Phasen Pre-Seed bis Series A. Die Berliner Volksbank fungiert hier seit Mai 2025 als Ankerinvestor mit 10 Millionen Euro.
