private banking magazin: Herr Fleig, seien Sie uns bitte nicht böse, wenn wir gestehen, dass es uns schwer fällt, die Berliner Volksbank mit einem Venture-Capital-Fintech-Fonds über 100 Millionen Euro in Verbindung zu bringen…
Timo Fleig: (lacht) Alles gut, das höre ich nicht zum ersten Mal! Die Geschichte begann vor über zehn Jahren, als ich von PWC zur Berliner Volksbank wechselte. Der damalige Vorstandsvorsitzende wollte in der Niedrigzinsphase alternative Renditequellen erschließen. Carsten Jung, der damals noch nicht Vorstandsvorsitzender war, erkannte zudem, dass sich das Banking fundamental verändern wird.
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private banking magazin: Herr Fleig, seien Sie uns bitte nicht böse, wenn wir gestehen, dass es uns schwer fällt, die Berliner Volksbank mit einem Venture-Capital-Fintech-Fonds über 100 Millionen Euro in Verbindung zu bringen…
Timo Fleig: (lacht) Alles gut, das höre ich nicht zum ersten Mal! Die Geschichte begann vor über zehn Jahren, als ich von PWC zur Berliner Volksbank wechselte. Der damalige Vorstandsvorsitzende wollte in der Niedrigzinsphase alternative Renditequellen erschließen. Carsten Jung, der damals noch nicht Vorstandsvorsitzender war, erkannte zudem, dass sich das Banking fundamental verändern wird.
Aus diesen zwei Strömungen entstand 2015 zunächst die Berliner Volksbank Ventures mit einem Startfunding von 20 Millionen Euro. Das war der Anfang. Bereits damals hatte sich die Bank entschieden, den Fonds nicht allein zu managen, sondern ist eine Partnerschaft mit dem VC-Investor Redstone eingegangen.
Wie ging es dann weiter?
Fleig: 2020 legten wir gemeinsam den VR Ventures Fonds auf, an dem sich mehrere Volksbanken und eine Lebensversicherung außerhalb der genossenschaftlichen Finanzgruppe beteiligt haben. Heute gibt es bereits den dritten Fonds. Dieser wird von Redstone verwaltet und die Berliner Volksbank ist mit 10 Millionen Euro der Ankerinvestor. Die Bank hat sich also in ihrer Rolle in den zehn Jahren verändert und ist vom Initiator, Co-Manager und initialem Kapitalgeber auf die Investorenseite gewechselt.
Wie laufen die ersten beiden Fonds?
Fleig: Der erste Fonds steht aktuell bei einem Multiple von 2,6x, also 260 Prozent Wertzuwachs. Getrieben vor allem durch Planradar und Liqid. Wir hatten auch Exits wie Flexperto und Thermondo. Der zweite Fonds von 2020 hat trotz Corona, Ukraine-Krieg und Tech-Crash unverändert eine positive Portfolioentwicklung – das ist für die vergleichsweise kurze Zeit und dem Marktumfeld, in dem wir uns bewegt haben, gut.
Im zweiten Fonds sind Perlen drin wie Finanzguru oder Atlas Metrics für ESG-Reporting. Mit dem Penta Verkauf an Qonto haben wir zudem bereits einen ersten erfolgreichen Exit realisiert.
Ihr dritter Fonds firmiert als „Redstone Fintech & Beyond Fonds III". Sie sind im Investmentkomitee und auch selbst als Investor tätig. Wie viel Volksbank steckt denn noch in Ihnen?
Fleig: Sie meinen in mir persönlich? Nun, ich bin Berliner, habe hier studiert und bin nach sechs Jahren in der Unternehmensberatung bewusst zur Berliner Volksbank gegangen, weil ich langfristig etwas mit aufbauen wollte und bei der Bank positive Aufbruchstimmung herrscht.
Allgemein ticken Volksbanken-Vorstände sehr unternehmerisch. Wir konnten immer auf Augenhöhe diskutieren, auch mal unkonventionelle Lösungen umsetzen, wenn es opportun war. Dafür bin ich unglaublich dankbar. Aber klar: Ich fühle mich heute erstrangig als Fintech-Investor. Die neue Konstruktion trägt dem Rechnung. Redstone ist jetzt Mehrheitsgesellschafter, die Berliner Volksbank bleibt bedeutend beteiligt – und ich habe selbst einen kleinen Anteil erworben.
Der VC-Fonds ist ein Hochrisikoprodukt – und kommt in einer Zeit, in der Medien über einen „Fintech-Winter“ und zahlreiche Volksbank-Skandale berichten...
Fleig: Den Fintech-Winter haben wir natürlich auch gespürt. Viele Startups haben 2022 ihre Burn-Rate reduziert oder Brückenfinanzierungen durchgeführt. Einige haben 2023 nicht überlebt. Aber gerade in solchen Phasen zeigen sich Gründerteams, die es wirklich ernst meinen. Die nicht gründen, weil es gerade hip ist, sondern unbedingt was Neues auf die Beine stellen müssen, weil sie sonst selbst nicht in den Schlaf finden.