Rohstoffe und Nachhaltigkeit lassen sich schwer zusammenbringen – viele institutionelle Investoren meiden die Assetklasse. Thomas Kaiser von der Wiener Fondsboutique Iqam Invest, die seit fünf Jahren zur Deka gehört, will mit dem Rohstofffonds Iqam Strategic Commodity (ISIN: AT0000A04UL2) eine Alternative bieten. Wie er seine Strategie auf Nachhaltigkeit getrimmt hat und wo die Grenzen liegen, erklärt er im Interview.
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Rohstoffe und Nachhaltigkeit lassen sich schwer zusammenbringen – viele institutionelle Investoren meiden die Assetklasse. Thomas Kaiser von der Wiener Fondsboutique Iqam Invest, die seit fünf Jahren zur Deka gehört, will mit dem Rohstofffonds Iqam Strategic Commodity (ISIN: AT0000A04UL2) eine Alternative bieten. Wie er seine Strategie auf Nachhaltigkeit getrimmt hat und wo die Grenzen liegen, erklärt er im Interview.
private banking magazin: Rohstoffe und Nachhaltigkeit – das passt erstmal nicht zusammen. Warum haben Sie sich dennoch dafür entschieden, Ihren Rohstofffonds umzubauen?
Thomas Kaiser: Wir haben den Fonds im Jahr 2018 übernommen – und von Anfang an gesagt: Wir wollen keinen weiteren klassischen Rohstofffonds, sondern die Asset-Klasse Rohstoffe mit Nachhaltigkeitsmerkmalen versehen – soweit das eben geht. Streng genommen sprechen wir dabei aber nicht von Nachhaltigkeit, weil Rohstoffe per se nicht nachhaltig sind.
Wie sieht Ihre Strategie konkret aus?
Kaiser: Erster Schritt war der Ausschluss von Agrar- und Viehzucht – das ist in Deutschland aber schon fast Standard. Jüngste Veränderung ist das CO2-Overlay, mit dem der Fußabdruck des Portfolios gemessen wird. Schwierig war es, einen Anbieter für Nachhaltigkeitsrankings zu finden.
Warum?
Kaiser: Im Jahr 2018 gab es für fast jede Asset-Klasse einen Nachhaltigkeitsansatz – nur für Rohstoffe nicht. Durch den Ausschluss von Agrar- und Viehzucht war klar, dass wir nur in Metalle und Energie investieren. Wir haben lange gesucht, um jemanden zu finden, der uns diese Ratings macht. Rfu Research aus Wien hat dann für uns das Rohstoff-Rating konzipiert, weil wir ein konkretes Produkt hatten.
Wie funktioniert das Rating?
Kaiser: Bewertet wird der gesamte Wertschöpfungszyklus eines Rohstoffs. Das Ergebnis ist ein Score auf einer Skala von A+ bis C–. Rohstoffe schneiden insgesamt nicht besonders gut ab – es gibt aber deutliche Unterschiede. Palladium, Kupfer und Silber stehen vergleichsweise gut da, unter anderem, weil sie für die grüne Transformation wichtig sind. Am schlechtesten schneiden wenig überraschend Öl und Gas ab.
Wie übersetzen Sie das Rating in die Portfoliogewichtung?
Kaiser: Unser Anlageuniversum besteht aus 15 Rohstoffen, die wir anhand des Ratings gewichten. Der Rohstoff mit der besten ESG-Bewertung – aktuell Palladium – wird um 3,5 Prozentpunkte übergewichtet, der schlechteste – aktuell Benzin – entsprechend untergewichtet. Dazwischen wird in 0,5-Prozent-Schritten gestaffelt. Im Ergebnis werden Industrie- und Edelmetalle strukturell übergewichtet – vor allem jene mit Relevanz für die grüne Transformation – Öl und Erdgas untergewichtet.
Gold ist aktuell hoch gewichtet – dabei schneidet es aus Nachhaltigkeitssicht eher schlecht ab. Wie passt das zusammen?
Kaiser: Gold erhält aufgrund seiner globalen Bedeutung in klassischen Rohstoffindizes eine recht hohe Basisgewichtung. Dieses Basisgewicht wird in unserer Strategie durch den ESG-Tilt jedoch reduziert. Der Fonds hat zusätzlich eine aktive Strategie. Wir überlagern die ESG-Gewichtung mit ökonomischen Signalen, die monatlich darüber entscheiden, welche Rohstoffe über- oder untergewichtet werden – ein Rohstoff kann dabei auch ganz herausfallen. Diese Bewertung fällt für Gold aktuell neutral aus und das Edelmetall liegt somit bei etwa 17 Prozent, nachdem es im Vormonat noch etwas höher gewichtet war.
Wer investiert in Ihren Fonds?
Kaiser: Rohstoffe sind eine Asset-Klasse, die stark taktisch verwendet wird. Unsere Investoren sind vor allem größere Pensions- und Vorsorgekasseneinrichtungen.
Haben Sie den Dämpfer beim Nachhaltigkeitsboom zu spüren bekommen?
Kaiser: Unser Fondsvolumen ist zurückgegangen – das hängt aber eher mit der Energiekrise 2022 zusammen als mit ESG-Müdigkeit. Den Boom zwischen 2020 und Mitte 2022 haben wir mit vielen Zuflüssen gespürt, dann kamen taktische Rückflüsse. Aktuell ziehen die Zuflüsse wieder an. Gekauft wird das Produkt vor allem wegen des ESG-Merkmals.
Ist es nicht generell ein Widerspruch, in einem ESG-orientierten Fonds auch in Öl und Gold zu investieren?
Kaiser: Bei Rohstoffen ist die Skepsis gegenüber nachhaltigen Ansätzen besonders groß – das ist verständlich. Unser Ziel ist es, besser zu sein als der breite Markt, vergleichbar mit etablieren ESG-Strategien anderer Assetklassen. Wir kombinieren dafür Ausschlüsse, CO2-Overlay und Nachhaltigkeitsgewichtung. So wollen wir das ESG-Potenzial von Rohstoffen ausschöpfen.
Über den Interviewten
Thomas Kaiser ist Fondsmanager bei Iqam Invest und Verantwortlicher für den Bereich Alternatives. In dieser Funktion ist er auch für den Rohstofffonds Iqam Strategic Commodity (ISIN: AT0000A04UL2) zuständig.
