Florian von Khreninger-Guggenberger „Der Kunde möchte seine Geschichte nicht immer wieder neu erzählen“

Florian von Khreninger-Guggenberger, stellvertretendes Vorstandsmitglied der Stadtsparkasse München.

Florian von Khreninger-Guggenberger: „Vom Bedarf her könnten wir deutlich mehr Berater einstellen, aber wir prüfen, ob jemand zu uns passt.“ Bildquelle: Stadtsparkasse München

private banking magazin: Herr von Khreninger-Guggenberger, Sie haben vor einiger Zeit gesagt, Sie wollten Marktführer im Münchner Private Banking bleiben. Woran machen Sie diese Marktführerschaft konkret fest?

Florian von Khreninger-Guggenberger: Diese Wertung basiert auf einer Marktstudie, die wir erstmals 2019 und zuletzt 2025 durchführen ließen. Das ist eine repräsentative Analyse des Münchner Marktes, für die definierte Potenzialkunden befragt werden. Daraus wird ein Marktanteil errechnet – und der ist zwischen den beiden Studien signifikant gewachsen.

Der Münchner Markt ist aktuell stark in Bewegung. Wie nehmen Sie das wahr?

von Khreninger-Guggenberger: Wandel ist für den Banking-Markt ein ständiger Begleiter, aktuell verändert sich vielleicht mehr als sonst. Es gibt große Banken, die intern ihre Teams verschieben, und gleichzeitig kommen neue Anbieter in den Markt – internationale Player, Häuser aus Liechtenstein und den USA, auch Rückkehrer.

Interessanterweise profitieren wir davon. Man könnte erwarten, dass sich der Markt stärker aufteilt, aber es ist eher ein Kommen und Gehen auf Mitarbeiterseite. Die Kunden gehen nicht im gleichen Maße mit.

Am Ende möchten Kunden ihre Geschichte nicht alle paar Jahre einem neuen Berater erzählen oder mit dem Berater gleich die Bank wechseln. Das ist aufwendig geworden. Unsere Stabilität ist unsere Stärke. Wir sind seit über 200 Jahren da, unsere Mitarbeiter sind loyaler, die Fluktuation ist geringer.

Ihre Wettbewerber im Münchner Markt – Berenberg, Metzler, HypoVereinsbank Wealth Management – positionieren sich als Spezialisten für sehr vermögende Kunden. Warum sollte jemand mit zehn Millionen Euro zur Stadtsparkasse München gehen und nicht zu einem dieser Häuser?

 

von Khreninger-Guggenberger: … weil er oder sie zum Marktführer gehen möchte.

Sie wachsen weiter und sagen gleichzeitig, Sie könnten mehr Mitarbeiter beschäftigen.

von Khreninger-Guggenberger: Vom Bedarf her könnten wir deutlich mehr Berater einstellen, aber wir prüfen, ob jemand zu uns passt. Ich möchte keine Mitarbeiter oder Mitarbeiterinnen, die nach dem Muster wechseln: ein bisschen mehr Gehalt und dann wieder weiterziehen.

Wir investieren viel Zeit in die Auswahl und möchten, dass neue Kollegen und Kolleginnen bei uns bleiben und gerne hier sind.

Was machen Sie konkret, um Mitarbeiter zu binden?

von Khreninger-Guggenberger: Wir haben ein solides und faires Vergütungsmodell und bieten verschiedene Zusatzleistungen wie Mitarbeiterwohnungen. Der wichtigste Faktor ist aber das Klima im Haus. Wenn Sie in verschiedenen Banken gearbeitet haben, entwickeln Sie ein Gefühl dafür, ob ein Umfeld passt. Bei uns ist der Druck geringer und der Output gleichzeitig hoch. Wir arbeiten als Team. Der Wettbewerb findet nicht intern statt, sondern draußen im Markt. Dieser Teamgedanke ist geblieben, obwohl wir die Zahl unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den vergangenen Jahren mehr als verdoppelt haben.

Wie hat sich Ihr Team in den vergangenen Jahren entwickelt?

von Khreninger-Guggenberger: Mitte der 2010er-Jahre lagen wir bei knapp 30 Mitarbeitern. Seitdem sind wir kontinuierlich gewachsen auf über 70 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen und werden das auch weiter tun.

Sie sprechen vom Output der Berater. Wie messen Sie das konkret?

von Khreninger-Guggenberger: Es gibt verschiedene Kennzahlen. Zum einen das Wachstum im Markt, zum anderen den individuellen Ertrag. Ergänzend schauen wir auf die Kundenzufriedenheit und die Entwicklung im Kreditgeschäft.

Gerade das Kreditgeschäft ist für uns typisch. Wir bieten viele Leistungen aus einer Hand: Immobilienvermittlung, Finanzierung, Absicherung. Der Kunde muss nicht mehrere Dienstleister koordinieren und hat einen festen Ansprechpartner – meist über viele Jahre.

Der Sparkassenorganisation wird im Private Banking immer wieder eine fehlende Kompetenzvermutung unterstellt. Wie sehen Sie das?

von Khreninger-Guggenberger: Ich kann nur für unser Haus sprechen. Wir arbeiten seit vielen Jahren daran, Private Banking stärker mit der Marke Sparkasse zu verbinden. Die Sparkasse steht für Sicherheit, Stabilität und Tradition. Private Banking steht für individuelle Betreuung, hohe Spezialisierung und ein breites Leistungsangebot.

Diese beiden Welten zusammenzubringen, ist ein Prozess, aber er funktioniert. In München spricht sich Qualität herum – über Empfehlungen, Erfahrungen und Auszeichnungen.

Sie sprechen von Sicherheit und Stabilität. Sparkassen haben in der Vergangenheit auch durch Produktvertrieb gelitten – Zertifikate, geschlossene Fonds. Wie weit sind Sie von diesem Modell weg?

 

von Khreninger-Guggenberger: Unsere Beratung ist nicht produktgetrieben. Auch wenn das Wort „ganzheitlich" etwas strapaziert ist, so ist unsere Beratung genau das. Wir sehen uns das gesamte Vermögen wie die Lebensplanung an und wählen aus unserer Sicht mögliche passende Produkte aus. Zuletzt entscheiden die Kundinnen und Kunden, was zu ihnen passt.

Was bedeutet das für Ihre Position im Markt?

von Khreninger-Guggenberger: In einem Markt mit viel Bewegung ist Verlässlichkeit ein entscheidender Faktor. Wir waren da, wir sind da – und wir bleiben da.

Über den Interviewten: 

Florian von Khreninger-Guggenberger leitet das Private Banking und ist stellvertretendes Vorstandsmitglied bei der Stadtsparkasse München. Er verantwortet seit Juli 2019 das Geschäft mit vermögenden Kunden. Vor seinem Wechsel zur Stadtsparkasse München war von Khreninger-Guggenberger mehrere Jahrzehnte für die Hypovereinsbank tätig, bei der er verschiedene leitende Positionen im Private Banking und Wealth Management innehatte.

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