Philipp Schröder von 1Komma5° „Niklas passt perfekt zu uns“

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Wie kam diese Beteiligung zustande?

Schröder: Das Kennenlernen war ziemlich kurios. Ich hatte bei dem Namen Klarna, das mit über 30 Milliarden US-Dollar bewertet wird, Niklas eigentlich schon in die Schublade der Opportunisten gesteckt. Klarna bietet schließlich Menschen an, sich schnell und einfach zu verschulden – und das ist nicht zu 100 Prozent etwas, was wir bei 1Komma5° gut finden. Ich war daher nicht nur zu spät, sondern kam im Sportklamotten vom Joggen und saß schwitzend vor meinem Laptop – auf der anderen Seite Niklas. Er hat mein Bild dann in nur zehn Minuten komplett verkehrt. Denn Niklas hat nach seinem Exit ein Non-Profit gegründet und den Löwenanteil seines Vermögens in den Schutz des Planeten investiert. Er war derart glaubwürdig, dass wir gesagt haben: Du musst dabei sein, denn du stehst mit deiner Vita für glaubwürdigen und nachhaltigen Wandel - und zwar in Taten, nicht in Worten. Niklas zeigt, dass man sich ändern kann – dass wir uns ändern können – und dass all das mit dem Machen beginnt. Das passt perfekt zu 1Komma5°.

„Das Prinzip ist immer, dass wir die Prinzipalen selbst involvieren und nicht so sehr ihre Manager. “

Stichwort praktische Beratung – welche Rolle spielen die Investoren generell im Geschäftsbetrieb?

Schröder: Unsere Investoren bringen sich alle in die Holding ein – die einen mehr, die anderen weniger. Aber das Prinzip ist immer, dass wir die Prinzipalen selbst involvieren und nicht so sehr ihre Manager. Das haben wir vor allem unserem Chairman Michael Hinderer zu verdanken, der diese Kultur stützt. Das ist auch so gewünscht und wir achten daher bereits bei der Auswahl unserer Investoren darauf, wer die Menschen hinter dem Geld sind. So hat beispielsweise Niklas mit Klarna gezeigt, dass er weiß, wie man eine große Plattform aufbaut. Und genau dieses Wissen brauchen wir für unsere Ziele. Daher haben wir uns ihn als Person entschieden.

Um Gebäudeeigentümern das Komplettpaket anbieten zu können, beteiligt sich 1Komma5° an mittelständischen Handwerksfirmen aus den Bereich Photovoltaik, Wärmepumpen und Ladeinfrastruktur. Worin liegen die Vorteile für die Firmen, wenn sie Teil der Gruppe werden und inwieweit bleibt ihre unternehmerische Freiheit erhalten?

Schröder: Wir gehen Mehrheitsbeteiligungen ein, die Unternehmer geben also ein Stück ihrer Eigenständigkeit ab. Im Gegenzug werden die Eigentümer dann an unserer Holding beteiligt. Das Unternehmen selbst profitiert von einer Reihe von Vorteilen, die ihnen beim Ausbau ihrer Marktposition helfen. Dazu gehört beispielsweise der Einkauf, denn mit uns sind sie nicht mehr auf Großhändler angewiesen und erhalten die Ware direkt von den Herstellern, zu besseren Preisen.


Zudem stellen wir zentral Module für das Kundenmanagement und die Ressourcenplanung bereit, die speziell für diese Branche und unsere Abläufe entwickelt wurden. Das wäre in dieser Tiefe und über alle Geschäftsbereiche vom Vertrieb ober Planung, Logistik und Kommissionierung hinweg für Handwerksbetriebe ansonsten sehr schwer umsetzbar. Letztlich sind es aber auch die Änderungen des Geschäfsmodells. Unser virtuelles Kraftwerk, basierend auf Heartbeat, ermöglicht es den Betrieben den Kunden einzigartige Mehrwehrte zu bieten – bis hin dazu, dass wir die Strombelieferung übernehmen und der Kunde so ganzheitlich von uns bedient wird.

Wie sieht ein typischer Betrieb aus, der sich für das Beteiligungsmodell von 1Komma5° entscheidet? Kommt man eher auf Sie zu oder umgekehrt und wie viele Betriebe haben sich bislang für eine Zusammenarbeit entschieden?

Schröder: Die zehn Unternehmen, an denen wir von Stockholm bis Rosenheim bereits beteiligt sind, haben jeweils schon sehr früh auf Klimaschutztechnologien gesetzt und sind etabliert in ihrer Region. Sie erwirtschaften bereits jeweils Millionenumsätze, oft im hohen zweistelligen Bereich. Das sind alles Pioniere und regionale Marktführer, die eine sehr gute fachliche Qualifikation mitbringen, die Interaktion zwischen den verschiedenen Technologien verstehen und unser Mindset verstanden haben. Diese Unternehmen kommen sowohl auf uns als auch wir auf sie zu. Es hilft, dass wir viele  Unternehmen schon kennen und im Markt mittlerweile bekannt sind.