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private banking magazin: Herr Bockholt, Herr Schneider, seit Juni ist Gregor Asshoff von Bord, und Sie verantworten die knapp 13 Milliarden Euro schwere Kapitalanlage von Soka-Bau. Wie war der Start?
Werner Schneider: Die ersten 100 Tage haben gezeigt: Die Zusammenarbeit funktioniert. Ich bin seit 2008 bei Soka-Bau. Den strategischen Pfad, den Gregor Asshoff und ich seit 2015 entwickelt haben, setzen wir mit geringfügigen Anpassungen fort. Bei unserem Volumen reagieren wir nicht auf jede Marktbewegung.
Gibt es bereits einen Ansatzpunkt?
Schneider: Die ursprünglich für das Betriebsrentenstärkungsgesetz II vorgesehenen Anpassungen für die Kapitalanlage, also die Einführung einer eigenen Infrastrukturquote und die Erhöhung der Risikokapitalquote, wurden im Februar 2025 in der Anlageverordnung angepasst. Dies eröffnet uns neue Möglichkeiten bei der Kapitalanlage. Deshalb werden wir unsere strategische Asset Allocation für 2035 entsprechend anpassen. Konkret: Wir werden Infrastrukturinvestments verstärken und etwas aus Rententiteln in die Alternatives umschichten.
Herr Bockholt, Sie sind seit April bei Soka-Bau ...
Tobias Bockholt: Ich hatte das Privileg, noch mit Gregor Asshoff zusammenzuarbeiten. Das war eine spannende und lehrreiche Zeit. Faszinierend finde ich die beschriebene Strategie, verstärkt in alternative Anlagen zu investieren. Mit einem so großen Portfolio kann man die ganze Bandbreite nutzen. Werner Schneider meinte zu mir, als ich anfangs viele Fragen stellte, ich solle mir diese Eigenschaft bitte beibehalten. Als relativ neuer Kollege bringe ich einen anderen Blick mit und kann Dinge hinterfragen. Das tue ich weiterhin und kann vielleicht Impulse setzen.
Wann merkten Sie, dass diese Kombination den Unterschied machen kann?
Schneider: Die Weiterentwicklungen liegen eher in den kleinen Dingen. Mit der Verpflichtung von Tobias Bockholt wollen wir weitere Impulse bekommen, und das funktioniert. Er kommt von der Beraterseite und ist breit aufgestellt. Das nutzen wir. Herr Bockholt stellt die richtigen Fragen, ohne dass die strategische Asset Allokation komplett umgekrempelt wird. Wir steuern unsere Kapitalanlage mit ruhiger Hand und können trotzdem kurzfristig, also taktisch, reagieren – immer vor dem Hintergrund unserer Verpflichtungsseite. Wir sind gut aufgestellt, werden unsere SAA risikoadjustiert weiterentwickeln und diesen Pfad fortsetzen. Bei Investments wie China haben wir bereits zurückgefahren – das entwickelt sich weiter.
Und wie schaut es mit den USA aus?
Schneider: Wir sehen aktuell keinen Handlungsbedarf, da unsere Verpflichtungsseite über Jahrzehnte läuft. Was in den USA passiert – Zollankündigungen und weitere Störgeräusche – war zunächst überraschend. Aber die Märkte haben sich daran gewöhnt und reagieren nicht mehr so schnell. Für uns ist das der Hinweis, weiterhin mit Amerika als größter Volkswirtschaft zu rechnen. Würden wir die USA aus der Allokation nehmen, wäre unser Ansatz weltweit BIP-orientiert zu investieren hinfällig. Das ist auch die Herausforderung bei China: Wenn man China aus bekannten Gründen nur noch vereinzelt im Portfolio hat, aber trotzdem eine Asienquote abdecken will, stellt sich die Frage: Wie erreicht man das noch?
Wie lautet Ihre Antwort darauf?
Schneider: Unsere Allokation setzen wir in erster Linie über Spezialmandate um, bei welchen wir die Anlagerichtlinien für die Manager in enger Abstimmung mit unserer KVG ausrichten können. Die Mandate mit Asien-Bezug schließen somit aktuell Investments in China explizit aus. Hier gibt es in den meisten Fällen auch schon Benchmarks zur Definition des Anlageuniversums. In manchen Fällen wie beispielsweise „Asian Small Caps“ ist der China-Anteil so gering, dass hier ein expliziter Ausschluss nicht dringend geboten ist und eine „customized“ Benchmark hätte kreiert werden müssen. Bei den illiquiden Anlagen sind erstrangig nur die Immobilien im Fokus, bei denen wir weiterhin gewisses „Exposure“ haben, da andere alternative Assetklassen in China noch sehr in den Kinderschuhen stecken.
Kommen wir noch mal zu den USA: Wie hoch ist Ihr aktueller USA-Anteil im Portfolio und wie soll er sich entwickeln?
Bockholt: Als Richtlinie für die regionale Diversifikation haben wir die BIP-Gewichtung der drei großen Wirtschaftsräume, womit wir etwa ein Drittel unserer Assets in Nordamerika allokiert haben. Vergleicht man dies mit der Gewichtung im MSCI-World, fahren wir ein strukturelles Untergewicht, womit wir uns aber wohlfühlen. Von diesem Hintergrund schwankt die Nordamerika-Allokation in gewissen Bandbreiten, und es ist nicht geplant, diese signifikant zu verändern.
Trump kündigte viel an und brachte den Markt durcheinander. Dann schüttelten sich alle und merkten: Er kann als nicht alles durchsetzen, was er will – es gibt ja Regeln. Aber könnte das nicht noch mal einen neuen Drive bekommen, wenn er beispielsweise bei der Fed erreicht, was er anstrebt? Die Staatsanleihen und der Schuldenstand der USA sind bereits besorgniserregend. Wie bewerten Sie diese Entwicklungen für Ihre Anlagestrategie?
Schneider: Die Investitionsmöglichkeiten in Amerika sind vielfältig, und wir müssen uns in Europa davon lösen, die Kapitalanlage emotional zu bewerten. Viele finden Trumps Verhandlungsmethoden nicht positiv, aber wir als Kapitalanleger müssen uns darauf konzentrieren, was die Märkte machen. Und da haben Sie es richtig gesagt: Er bekommt nicht alles durch. Interessant wird es, wenn die Fed nicht mehr von Jerome Powell geführt werden sollte. Was dann kommt, wissen wir alle nicht. Ich glaube, dass unsere breite Diversifikation uns auch hier helfen wird. Über alle maßgeblichen Märkte aufgestellt zu sein – auch die verschiedenen Märkte innerhalb der USA – ist vorteilhaft für uns.
Und was ist mit den Tech-Werten?
Schneider: Die halten wir für relevant. Nehmen Sie das Beispiel der EU-Milliarden-Strafe gegen Google: Trumps erste Reaktion war: „Das ist unverschämt.“ Vielleicht kommt es da zu einem Deal, was eine Schwächung der Tech-Werte abmildern würde. Durch unsere Diversifikation sind wir nicht in Einzeltitel investiert, sondern immer breit aufgestellt.
Bockholt: Trump produzierte auch während seiner ersten Amtszeit einiges an heißer Luft. Die Märkte reagierten relativ rational und stellten sich darauf recht schnell ein.
Das finde ich schwierig: Google bekommt drei Milliarden Strafe von der EU, Trump findet das doof – und der allgemeine Impuls ist, dass es dann nicht so schlimm wird, weil die EU möglicherweise zurückrudert. Rational mag das für die Zahlen funktionieren, aber emotional verändert sich da menschlich viel in den Märkten. Wie gehen Sie mit dieser Spannung um?