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private banking magazin: Herr Stipkovic, Sie leiten seit einem Jahr das Wealth Management und Private Banking der Hypovereinsbank. Welche Bilanz ziehen Sie?
Sven Stipkovic: Was gut gelaufen ist: Zunächst haben wir eine gute Entwicklung in unseren Kernlösungen. Die Vermögensverwaltung wie auch unsere technologiebasierte Portfolioberatung HVB One Wealth erfreuen sich hoher Beliebtheit. Zudem bauten wir die Zusammenarbeit zwischen Wealth Management, Private Banking und unserer Investmentbank aus. Besonders bei Equity Capital Markets und M&A. Viele Unternehmerfamilien sind mit ihrem Unternehmen
auf der Corporate-Seite bei uns angebunden. Wenn die Kinder das Familienunternehmen nicht fortführen wollen oder Gründer altersbedingt aufhören, begleiten wir den Prozess – vom Exit bis zur Vermögensanlage der Liquidität.
In Deutschland beobachten wir häufig folgende Konstellation: Die Kinder wollen das Familienunternehmen nicht fortführen, Gründer wollen altersbedingt nicht weitermachen. Hier möchten wir helfen. Gelingt uns das, ist ein höherer Liquiditätseingang bei der Familie die Folge.
Wir sind dann in einer guten Position, diese Liquidität auch für die Familien anzulegen. Eine echte Winwin-Situation.
Was unterscheidet die Hypovereinsbank in der Zusammenarbeit mit der Investmentbank
von anderen Häusern?
Stipkovic: Unsere Investmentbank arbeitet primär für die Kunden unserer kommerziellen
Bank und nicht für sich selbst. Ihre zentrale Aufgabe ist es, Lösungen bereitzustellen
– sowohl im Corporate-Bereich als auch im Wealth Management. Wir agieren nicht
produktgetrieben, sondern kundenorientiert. Daher auch der Name der Division:
Client Solutions.
Wo mussten Sie ansetzen, damit diese Verzahnung funktioniert?
Stipkovic: Der wesentliche Punkt ist häufig Emotionsmanagement. Die Kollegen im Wealth Management sind es gewohnt, Spezialisten einzubinden – Investment Advisor, Real-Estate-Beratung, Finanzierungsspezialist. Aber die klassische Investmentbanking-Dienstleistung war nicht immer so präsent. Es geht darum, die Menschen miteinander bekannt zu machen und gemeinschaftlich zum Kunden zu gehen. Die Kunden honorieren das, weil ihnen manchmal gar nicht bewusst war, welche Beratungsdienstleistungen wir anzubieten haben.
Schauen wir auf die Personalseite im Welth Management & Private Banking. Der Markt ist derzeit stark in Bewegung. Ist Fluktuation nicht ein Problem für die Kundenbindung?
Stipkovic: Generell würde etwas mehr Ruhe auf der Personalseite dem gesamten Markt sicher guttun. Wir haben uns auch angeschaut, wie wir uns personell aufstellen wollen. Einige Veränderungen waren eigeninitiiert, und wir wollten bewusst eine neue Dynamik und Expertise in die Teams bringen. Es gehen aber auch mal Kolleginnen und Kollegen, und das sage ich ganz offen, die wir nicht verlieren wollen – das passiert in diesem Markt und gehört dazu.
Wir sind mit unserer aktuellen Aufstellung im Kern sehr zufrieden. Auf der anderen Seite nutzen aber auch wir selbst weiterhin Chancen, uns personell zu verstärken. Wir setzen auf eine Mischung aus interner Entwicklung und externen Zugängen. Dabei haben wir einen Vorteil.
Welchen meinen Sie?
Stipkovic: Dass wir eine Großbank sind: Wir haben ein starkes Affluent-Geschäft – die perfekte Ausbildungsstätte für künftige Private Banker. Wir bereiten Kollegen gezielt auf das Private Banking vor, wenn sie sich fachlich weiterentwickeln wollen.
Umgekehrt identifizieren wir im Private Banking Talente für das Wealth-Management-Segment, in dem man häufig mit juristischen Personen arbeitet. Diese bereichsübergreifende Entwicklung ergänzen wir durch externe Rekrutierung, weil neue Kollegen mit ihrem Wissen und Gedankengut uns weiterbringen. Und noch zwei Dinge sind mir wichtig.
Jetzt bin ich gespannt!
Stipkovic: Erstens: Jedem Kollegen, mit dem wir eine gute Beziehung haben, bieten
wir an, wiederzukommen. Zweitens: Wir ziehen keine Grenze bei 60 Jahren. Wir sind, glaube ich, in einer Situation, wo wir nicht aufs Alter achten sollten, sondern eher darauf, welches Talent jemand mitbringt und welche Leidenschaft.
Wie gewinnen Sie externe Talente für sich?
Stipkovic: Die Bank ist leistungsstark und kann das Produkt- und Serviceangebot stellen, das sich Kunden wünschen. Dazu gehört ein solides Finanzierungsgeschäft – ein Hygienefaktor im Wealth Management & Private Banking. Wenn Sie die Hausbankfunktion übernehmen wollen, müssen Sie in der Lage sein, Kreditgeschäft zu machen. Zudem ist es in der DNA der Hypovereinsbank
verwurzelt, dass wir ein familiäres Miteinander über die Divisionsgrenzen hinweg leben. Dies zeigt sich auch insbesondere in der Kooperation mit den Kollegen aus Corporates. Das spüren neue Kollegen schon im Bewerbungsprozess.
Haben Sie weitere Alleinstellungsmerkmale?
Stipkovic: Wichtig ist es, regional verankert zu sein. Wealth Management & Private Banking
darf nicht nur zentral aus einem Standort heraus bedienen. Wenn ich Kunden in Hamburg habe, sollte ich mit einer ordentlichen Mannschaft in Hamburg vertreten sein. Mein Ansprechpartner lebt dort, ist verankert. Das muss sein Berater ebenfalls bieten können. Die regionale Tiefe ist etwas, was wir weiterhin forcieren möchten.
Sind weitere Niederlassungen geplant und wenn ja, wo?
Stipkovic: Im deutschen Wealth Management und Private Banking sind wir derzeit
mit weit mehr als 500 Kollegen in allen großen Städten und Regionen vor Ort, unterstützt
durch zentrale Rollen, und führen unseren Wachstumskurs fort. Wir bauen neben unseren Beratungsleistungen auch unsere lokale Präsenz quantitativ wie qualitativ weiter aus: So eröffneten wir in den vergangenen Jahren Standorte in Dortmund oder Bad Homburg und bauen bestehende gezielt aus, indem wir erfahrene, seniorige Beraterpersönlichkeiten aus dem Markt für unser Haus gewinnen.
Der Markt ist hart umkämpft – Multi-Family-Offices, Vermögensverwalter und rein digitale Anbieter vermitteln jungen Leuten: Ihr braucht nur ein Handy und unsere App. Wie reagieren Sie darauf?
Stipkovic: Trotz aller digitalen Affinitäten unserer Kunden bleibt die klassische Oneto-One-Beziehung zentral. Dazu gehört das gesamte Betreuungsteam. Es geht um eine Vertrauensbasis – auch wenn man teilweise remote per Videokonferenz arbeitet.
