Interview mit Stephen Marsh „Der B-Sektor bietet viele Ineffizienzen“

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Was ist der Kern Ihrer Anlagestrategie?

Stephen Marsh: Der Kern unserer Strategie ist ein bottom-up fundamentaler Kredit-Research-Prozess. Wir konzentrieren uns auf die Einzeltitelauswahl. Wir suchen nach Unternehmen mit guten Fundamentaldaten, die sich in die richtige Richtung bewegen, und wir schauen auch auf eine attraktive Bewertung. Diese beiden Aspekte kombinieren wir und gelangen so zu einem sehr konzentrierten Portfolio mit einer niedrigen Ausfallrate.

Wie sieht Ihr Anlageuniversum aus?

Marsh: Wir investieren in European High Yield. Unsere Benchmark ist der Bank of America Merrill Lynch European Currencies High Yield ex subordinated Financials. Dieser Index enthält über 600 Anleihen in Euro und Pfund Sterling aus aller Welt. 85 Prozent der Indexanleihen stammen aber von europäischen Emittenten. Wir können auch außerhalb der Benchmark investieren, sind aber schon sehr auf die Indextitel fokussiert.

Wo investieren Sie zum Beispiel außerhalb der Benchmark?

Marsh: Nehmen wir das italienische Telekom-Unternehmen Wind als Beispiel. Das Unternehmen bewerten wir aufgrund seiner fundamentalen Daten sehr gut. Es hat Anleihen in Euro, Pfund Sterling und Dollar emittiert. Die Euro- und die Pfund-Anleihen sind im Index, die Dollar-Anleihen allerdings nicht. Alle drei Währungs-Anleihen haben das gleiche Risiko, jedoch wird die Dollar-Anleihe tiefer gehandelt. Daher haben wir sie ins Portfolio aufgenommen und das Währungsrisiko gegen den Euro abgesichert.

Kaufen Sie bei mehreren Unternehmen die Dollar-Anleihen und hedgen das Währungsrisiko?

Marsh: Ja, bei einigen. Dazu muss man unsere Philosophie verstehen. Sie lautet: Wir suchen die besten Unternehmen, die fundamental solide sind und ein gutes Management haben. Wenn wir diese Unternehmen gefunden haben – wie zum Beispiel Wind –, schauen wir auf die gesamte Kapitalstruktur des Unternehmens, auf die verschiedenen Arten der Anleihen. Daraus wählen wir dann die Anleihen mit der besten Bewertung und den stärksten Fundamentaldaten aus.

Anleihen mit B-Rating sind im Fonds deutlich übergewichtet. Warum?

Marsh: Sie machen zurzeit über 50 Prozent aus, in der Benchmark sind sie mit rund 30 Prozent gewichtet. Wir halten den B-Sektor für sehr attraktiv, da er viele Ineffizienzen aufweist. So liegen beispielsweise die Renditen der Neuemissionen der vergangenen Jahre zwischen 3 und 8,5 Prozent. Das ist eine große Spanne für Unternehmen, die ja eigentlich das gleiche Kreditrisiko haben und ähnlich gepreist sein müssten. Mit unserem fundamentalen Research versuchen wir die wirklich guten Unternehmen herauszufiltern, die dann auch noch attraktiv bewertet sind. Tatsächlich basierte unsere Outperformance in den vergangenen drei Jahren auf der Titelselektion und nicht auf der Übergewichtung in B- gegenüber BB-Anleihen.

European High Yield ist in diesem Jahr schon gut gelaufen. Die Staatsanleiherenditen sind gesunken und zusätzlich haben sich die Spreads eingeengt. Sehen Sie noch Spielraum für eine weitere Einengung?

Marsh: Ja, es gibt aber auch Spielraum für eine Ausweitung der Spreads. Wir denken, die Risikoaufschläge werden zum Jahresende etwa auf dem aktuellen Niveau sein, bis dahin werden wir aber einige Volatilität sehen mit Spread-Ausweitungen und -Einengungen. Wenn man sich auf die fundamental soliden Unternehmen stützt, kann man mit europäischen Hochzinsanleihen über den gesamten Zyklus nach wie vor gute Renditen erzielen, und das ist das Entscheidende. Das Ziel des Fonds sind langfristige Investitionen.



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