Interview mit Ralf Sibbing von EQT „Es wird Gewinner geben und Unternehmen, die sich Herausforderungen stellen müssen“

Ralf Sibbing von EQT.

Ralf Sibbing von EQT: „Wir sehen, dass sich die Erlösmodelle verändern werden – weg vom einzelnen Nutzer hin zu wirkungsbasierten Abrechnungsmodellen.“ Bildquelle: EQT

private banking magazin: EQT wurde von der Wallenberg-Familie gegründet – einer der mächtigsten Industriedynastien Europas. Inwiefern prägt diese Herkunft heute noch die Investmentphilosophie des Hauses?

Ralf Sibbing: Die Familie Wallenberg steht seit über 160 Jahren hinter einigen der bekanntesten Unternehmen Schwedens, darunter die SEB, AstraZeneca, Ericsson und Saab. EQT ist aus dieser Tradition hervorgegangen. Wir wurden 1994 von der Investmentgesellschaft der Familie Wallenberg, Investor AB, gegründet, mit einer einfachen Prämisse: die langfristige, verantwortungsbewusste Eigentümerphilosophie der Wallenbergs mit einer auf Wachstum ausgerichteten Private-Equity-Denkweise zu verbinden.

 

Zu einer Zeit, als sich ein Großteil der Branche auf Finanzkonstrukte und das schnelle Weiterverkaufen von Unternehmen konzentrierte, schlug EQT einen anderen Weg ein: Active Ownership, bei dem Wert durch operative Verbesserungen, starke Unternehmensführung und Wachstum entsteht. Diese Denkweise prägt bis heute unser Selbstverständnis als Eigentümer. Die Wallenbergs sind nach wie vor der größte Aktionär von EQT, und Mitglieder der fünften und sechsten Generation sitzen in unserem Vorstand.

EQT ist in Deutschland tief verwurzelt – Deutsche Glasfaser, Tion Renewables, jüngst Wohnimmobilien in Berlin und Logistikzentren in Baden-Württemberg. Welche Strategien stoßen bei deutschen institutionellen Investoren auf das größte Interesse?

Sibbing: EQT hat eine lange Geschichte in Deutschland – das zweite Büro außerhalb der nordischen Region war tatsächlich München, heute beschäftigen wir dort über 100 Mitarbeitende. Wir folgen dem Prinzip „Local with Locals": Wenn man lokal investiert, braucht man lokale Teams vor Ort. Wir investieren in Deutschland über alle drei großen Bereiche: Private Equity, Infrastruktur und Real Estate. Besonders Infrastruktur hat an Dynamik gewonnen, weil Investoren verstärkt auf stabile, langfristige Cashflows setzen und gezielt in strukturelle Themen wie die Energiewende oder digitale Infrastruktur investieren. Private Equity bleibt für viele eine Kernallokation, da es Zugang zu langfristiger Wertschöpfung bietet, die sich an den börsennotierten Märkten nur schwer abbilden lässt. Insgesamt sehen wir weniger eine Verschiebung hin zu einer einzelnen Anlageklasse als vielmehr eine bewusstere und differenziertere Allokation innerhalb der Private Markets.

Exit-Multiples standen zuletzt unter Druck. EQT kündigt für 2026 eine Fortsetzung der Exit-Serie aus 2025 an. Wie kommunizieren Sie gegenüber Investoren, wenn sich Ausschüttungszeiträume verlängern – und ab wann wird das zum Vertriebsproblem?

Sibbing: Das globale Exit-Umfeld war angespannt, aber 2025 war tatsächlich das stärkste Exit-Jahr in der Geschichte von EQT – über 33 Milliarden Euro wurden an die Investoren ausgeschüttet. Das zeigt, dass hochwertige Assets mit starkem strukturellem Wachstum weiterhin großes Käuferinteresse wecken, selbst in einem selektiveren Markt. Wir sind gegenüber unseren Investoren transparent, wenn sich Zeitpläne verschieben. Wenn eine Ausschüttung länger dauert, weil wir auf Wertoptimierung setzen statt einen Exit zu überstürzen, verstehen und schätzen erfahrene Investoren diese Disziplin. Ganz anders sieht es aus, wenn die Verzögerung auf sich verschlechternde Fundamentaldaten zurückzuführen ist – und genau hier kommen Active Ownership und Portfolioqualität am meisten zum Tragen.

EQT hat mit den Nexus-Eltifs den Schritt zu Privatanlegern gemacht. Wie verändert das Ihren Vertriebsansatz?

Sibbing: Bei EQT sind wir überzeugt, dass jeder Anleger mit dem geeigneten Verständnis für Private Markets, einem langfristigen Anlagehorizont und entsprechender Eignung Zugang zu privaten Märkten haben sollte – unabhängig davon, ob es sich um einen Staatsfonds oder einen Privatanleger handelt. Institutionelle Investoren bleiben das Fundament unseres Geschäfts. Aber wir arbeiten zunehmend mit Family Offices und Banken zusammen, die als Intermediäre für professionelle Private-Wealth-Investoren auftreten. Das zugrunde liegende Prinzip ist dasselbe: Qualifizierte Anleger sollten Zugang zu derselben Qualität an Assets haben, von der Institutionen seit Jahrzehnten profitieren.

EQT gilt als Pionier im KI-gestützten Deal-Screening mit dem Tool „Motherbrain". Verändert KI auch die Erwartungen institutioneller Anleger hinsichtlich Transparenz?

Sibbing: KI ist für uns nicht etwas, das einfach über Nacht aufgetaucht ist. Wir entwickeln seit über einem Jahrzehnt hauseigene KI-Lösungen – die Idee war, das Wissen von EQT zu bündeln und für alle Mitarbeitenden zugänglich zu machen. Wir haben sehr früh damit begonnen, Daten zu sammeln und unsere eigene Datenplattform aufzubauen – das verschafft uns jetzt einen erheblichen Vorsprung. Intern nutzen alle Mitarbeiter die großen KI-Modelle innerhalb eines geschlossenen Systems, sodass keine sensiblen Daten das Unternehmen verlassen.

 

Für uns ist KI vor allem ein Katalysator für die Weiterentwicklung unserer Portfoliounternehmen: Sie trägt dazu bei, den Umsatz zu steigern und Kosten effizienter zu steuern. Wir sehen auch, dass sich die Erlösmodelle verändern werden – weg vom einzelnen Nutzer hin zu wirkungsbasierten Abrechnungsmodellen. Es wird Gewinner geben und Unternehmen, die sich neuen Herausforderungen stellen müssen.

Sie sind seit Anfang 2025 bei EQT – nach drei Jahren im Alternatives-Vertrieb bei Amundi und davor fast 15 Jahren bei der Commerzbank im Investmentbanking. Was hat Sie bewogen, auf die Produktgeberseite zu wechseln?

Sibbing: Mich hat schon immer der langfristige Investmentansatz fasziniert: Private Equity bietet einen langen Horizont, aktives Assetmanagement, die Möglichkeit, Unternehmen langfristig zu begleiten – das ist etwas ganz anderes als das kurzfristige Auf und Ab an den Börsen. Nach der Commerzbank und Stationen bei Lyxor und Amundi kam der Anruf von EQT. Das Haus hat über 1.400 institutionelle Investoren als Kerngeschäft – und über die Jahre haben immer mehr Family Offices und Banken mitinvestiert. Irgendwann hat man entschieden, dafür ein eigenes Global-Wealth-Solutions-Team zu gründen. So bin ich dazugekommen.

Über dem Interviewten

Ralf Sibbing ist seit Anfang 2025 Director bei EQT in München, wo er den Vertrieb für Privatbanken und institutionelle Investoren verantwortet. Zuvor leitete er bei Amundi und der Vorgängergesellschaft Lyxor Asset Management über fünf Jahre den Alternatives- und Real-Assets-Vertrieb für Deutschland und Österreich. Davor war er knapp 15 Jahre bei der Commerzbank im Investmentbanking tätig, davon rund acht Jahre in London. 

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