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Deshalb investieren wir gezielt in zusätzliche Beratungskapazitäten und Spezialisten wie Wealth Planning. Gleichzeitig vereinfachen wir Prozesse, digitalisieren Abläufe und setzen KI dort ein, wo sie unseren Beratern mehr Zeit für die Kundenbetreuung verschafft. Cybersicherheit ist dabei die unverzichtbare Grundlage für das Vertrauen unserer Kundinnen und Kunden. Der dritte Hebel ist unser One-Bank-Ansatz, also die enge Zusammenarbeit von Wealth Management, Unternehmensbank, Investmentbank und DWS.
Die diskretionären Mandate sollen sich bis 2028 weltweit verdoppeln, die Netto-Neuanlagen jährlich um sechs Prozent wachsen. Was stimmt Sie zur Jahresmitte 2026 zuversichtlich, dass der Heimatmarkt dazu beiträgt?
Gasser: Die Nettomittelzuflüsse und auch die Neukundenakquise entwickeln sich positiv. Besonders sichtbar wird dies bei unseren Vermögensverwaltungsmandaten: Wealth Management Deutschland hat im ersten Quartal einen weiteren Rekord bei Nettozuflüssen in unsere Mandatslösungen verzeichnet und seine marktführende Position weiter ausgebaut. Das Volumen unserer Vermögensverwaltungsmandate hat sich seit Anfang 2024 bis Mitte 2026 um rund 50 Prozent erhöht.
In diesem Jahr haben wir bereits eine hohe zweistellige Zahl an Beraterinnen und Beratern im Heimatmarkt von Wettbewerbern eingestellt und investieren gleichzeitig konsequent in die Aus- und Weiterbildung unserer Teams. Deutschland bleibt darüber hinaus ein attraktiver Markt. Allein hierzulande werden jährlich mehr als 100 Milliarden Euro an liquidem Vermögen auf die nächste Generation übertragen. Gleichzeitig erleben wir eine Trendwende bei der Aktienkultur: Die Zahl der Aktionärinnen und Aktionäre ist innerhalb eines Jahres um rund zwei Millionen auf 14 Millionen gestiegen. Besonders die jüngere Generation entdeckt den Kapitalmarkt für sich – rund 60 Prozent des Wachstums entfallen auf die 14- bis 39-Jährigen. Wir erwarten, dass die angekündigten Rentenreformen ab 2027 diese Entwicklung zusätzlich verstärken werden.
Im Frühjahr haben Sie die Einheit „Strategic UHNW Clients" geschaffen, die künftig Philipp Wehle leiten soll, und siedeln die Deutsche Oppenheim Family Office dort an. Was ändert sich konkret für eine betreute Unternehmerfamilie – und wie eigenständig bleibt das Family Office?
Gasser: In Philipps Organisation bündeln wir Beratung, Investmentkompetenz, Strukturierungsexpertise und Family-Office-Kompetenz. Für UHNW-Kunden stellen wir ein dediziertes Client Service Team aus Relationship Manager, Investment Manager und Client Service Executive sowie weiteren Spezialisten bereit – verbunden mit Zugang zu Kapitalmarkt-, Finanzierungs- und illiquiden Investmentlösungen.
Für Mandant:innen der Deutschen Oppenheim bleibt der wichtigste Punkt unverändert: Das Geschäftsmodell bleibt unabhängig. Die Beratung erfolgt eigenständig, und ein Austausch von Mandantendaten mit der Deutschen Bank findet nur auf ausdrücklichen Wunsch statt. Die Deutsche Oppenheim verbindet den unabhängigen Ansatz eines Multi Family Office mit den Möglichkeiten eines globalen Finanzinstituts.
Für eine Unternehmerfamilie heißt das konkret: Sie bekommt bei der Deutschen Oppenheim weiterhin eigenständige Family-Office-Beratung, kann aber bei Bedarf stärker auf das Netzwerk der Deutschen Bank zugreifen – inklusive Investmentbank, Unternehmensbank, DWS, Finanzierung, Private Markets oder internationale Fragestellungen. Dazu kommen spezialisierte Lösungen wie Wealth Controlling und Vermögensreporting über verschiedene Banken und Anlageklassen hinweg, die gerade bei komplexen Vermögensstrukturen zunehmend an Bedeutung gewinnen.
Unicredit greift nach der Commerzbank – im Geschäft mit vermögenden Kunden entstünde damit ein Haus mit erheblichem Gewicht. Wie verändert das den Wettbewerb um Kunden und Berater? Und Hand aufs Herz: Braucht Europa mit Blick auf die Größe amerikanischer und chinesischer Banken nicht genau solche Zusammenschlüsse – auch wenn daraus ein Konkurrent erwächst?
Gasser: Wir haben eine Strategie, die aufgeht, daher konzentrieren wir uns auf uns und Wettbewerber möchte ich gar nicht kommentieren. Aber natürlich verändert jede Konsolidierung Kräfteverhältnisse im Markt. Wettbewerb um Kundinnen und Kunden, um Talente und um die besten Lösungen dient schlussendlich den Kunden und gehört zu unserem Geschäft. Größe kann dabei ein wichtiger Vorteil sein – insbesondere wenn sie zusätzliche Investitionen in Technologie, Plattformen und internationale Kompetenzen ermöglicht. Wir haben diese Größe und gleichzeitig bieten Zusammenschlüsse immer auch Chancen für die anderen Wettbewerber.
Mit Blick auf Europa halte ich die Diskussion über die Wettbewerbsfähigkeit des Bankensektors für wichtig. Europa braucht leistungsfähige Kapitalmärkte und starke Banken, um Investitionen, Innovation und Wachstum zu finanzieren. Eine vertiefte Kapitalmarktunion kann dazu einen wichtigen Beitrag leisten. Zudem braucht Europa Banken wie die Deutsche Bank, die für ihre Kunden global tätig sein können. Denn die Lebensrealität unserer Kundinnen und Kunden kennt längst keine nationalen Grenzen mehr: Unternehmer investieren international, Familien leben über mehrere Länder hinweg und Vermögen werden zunehmend global gesteuert.
Über den Interviewten
Raffael Gasser leitet seit 2024 das Wealth Management der Deutschen Bank in Deutschland. Zuvor verantwortete er bei UBS das Geschäft mit vermögenden Privatkunden in Nordeuropa und war über elf Jahre in leitenden Private-Banking-Funktionen bei Credit Suisse tätig, unter anderem als Head Private Banking International und als CEO in Luxemburg. Seine Laufbahn begann er bei Goldman Sachs in London, gefolgt von sechs Jahren als Berater bei McKinsey.
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