private banking magazin: Herr Gasser, das private banking magazin wird 15 Jahre alt. Als es 2011 startete, stand die Branche noch unter dem Eindruck der Finanzkrise. Welche Entwicklung hat das Wealth Management seither am nachhaltigsten geprägt – und welche wird aus Ihrer Sicht die kommenden zehn Jahre bestimmen?
Raffael Gasser: Die wichtigste Veränderung ist aus meiner Sicht, dass Wealth Management heute viel stärker vom Leben der Kunden her gedacht wird. Früher wurde unsere Branche häufig über Produkte, Märkte oder Performance erklärt. Heute geht es um Unternehmensnachfolge, internationale Familienstrukturen, Vermögensübertragungen und die Frage, wie man in einer komplexeren Welt die richtigen Entscheidungen trifft. Gleichzeitig sind die Erwartungen an Beratung gestiegen. Kunden wollen Nähe und einen vertrauten Berater, aber auch Geschwindigkeit, Transparenz und digitale Einfachheit. Genau darin liegt aus meiner Sicht die Zukunft des Wealth Managements: Technologie dort, wo sie Dinge einfacher macht – und persönliche Beratung dort, wo Erfahrung, Einordnung und Vertrauen den Unterschied machen.
Was die kommenden Jahre prägen wird, ist deshalb nicht ein einzelnes Produkt oder eine einzelne Technologie für sich genommen. Prägend wird sein, wer Vertrauen, persönliche Beratung und moderne Technik und Infrastruktur am besten zusammenführt.
Blicken wir nach vorn: Was aus dem heutigen Geschäftsmodell des Private Bankings ist 2041 verschwunden – Stichwort KI – und was bleibt garantiert?
Gasser: Technologie und insbesondere KI werden sehr viele Dinge besser machen: Vorbereitung, Analyse, Transparenz, Dokumentation und auch die Qualität der Ansprache. Die entscheidenden Momente im Wealth Management bleiben menschlich. Je stärker KI unsere Welt prägt, desto wertvoller wird das persönliche Gespräch mit einem Berater, dem ich vertraue. Wenn eine Unternehmerfamilie beispielsweise über Nachfolge spricht oder ein Vermögen nach einem Unternehmensverkauf neu strukturiert wird, braucht es weiterhin persönliche Beratung. Vieles wird 2041 digitaler sein. Aber Wealth Management bleibt ein Vertrauensgeschäft. KI ist der Co-Pilot. Verantwortung bleibt beim Menschen.
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private banking magazin: Herr Gasser, das private banking magazin wird 15 Jahre alt. Als es 2011 startete, stand die Branche noch unter dem Eindruck der Finanzkrise. Welche Entwicklung hat das Wealth Management seither am nachhaltigsten geprägt – und welche wird aus Ihrer Sicht die kommenden zehn Jahre bestimmen?
Raffael Gasser: Die wichtigste Veränderung ist aus meiner Sicht, dass Wealth Management heute viel stärker vom Leben der Kunden her gedacht wird. Früher wurde unsere Branche häufig über Produkte, Märkte oder Performance erklärt. Heute geht es um Unternehmensnachfolge, internationale Familienstrukturen, Vermögensübertragungen und die Frage, wie man in einer komplexeren Welt die richtigen Entscheidungen trifft. Gleichzeitig sind die Erwartungen an Beratung gestiegen. Kunden wollen Nähe und einen vertrauten Berater, aber auch Geschwindigkeit, Transparenz und digitale Einfachheit. Genau darin liegt aus meiner Sicht die Zukunft des Wealth Managements: Technologie dort, wo sie Dinge einfacher macht – und persönliche Beratung dort, wo Erfahrung, Einordnung und Vertrauen den Unterschied machen.
Was die kommenden Jahre prägen wird, ist deshalb nicht ein einzelnes Produkt oder eine einzelne Technologie für sich genommen. Prägend wird sein, wer Vertrauen, persönliche Beratung und moderne Technik und Infrastruktur am besten zusammenführt.
Blicken wir nach vorn: Was aus dem heutigen Geschäftsmodell des Private Bankings ist 2041 verschwunden – Stichwort KI – und was bleibt garantiert?
Gasser: Technologie und insbesondere KI werden sehr viele Dinge besser machen: Vorbereitung, Analyse, Transparenz, Dokumentation und auch die Qualität der Ansprache. Die entscheidenden Momente im Wealth Management bleiben menschlich. Je stärker KI unsere Welt prägt, desto wertvoller wird das persönliche Gespräch mit einem Berater, dem ich vertraue. Wenn eine Unternehmerfamilie beispielsweise über Nachfolge spricht oder ein Vermögen nach einem Unternehmensverkauf neu strukturiert wird, braucht es weiterhin persönliche Beratung. Vieles wird 2041 digitaler sein. Aber Wealth Management bleibt ein Vertrauensgeschäft. KI ist der Co-Pilot. Verantwortung bleibt beim Menschen.
Seit November 2024 leiten Sie das Wealth Management der Deutschen Bank in Deutschland, haben Hierarchien reduziert und die regionale Aufstellung neu geordnet. Woran erkennen Sie, dass die neue Struktur funktioniert?
Gasser: Das Feedback unserer Kunden und unserer Mitarbeitenden ist sehr positiv und spiegelt sich auch in den Zahlen wider – etwa in den Rekord-Neugeldern, dem aktuell zweistelligen Ertragswachstum oder den Ergebnissen unserer Mitarbeiterbefragungen. Wir sind näher an den Kunden und schneller in der Entscheidung.
Den Grundstein dafür haben wir mit der Zusammenführung von Wealth Management und Private Banking gelegt. So haben wir die Organisation konsequent entlang unterschiedlicher Kundenbedürfnisse ausgerichtet – von digital-affinen Anleger:innen bis hin zu Kundinnen und Kunden mit großen und komplexen Vermögen, die von einem eigenen Family Office begleitet werden. Unsere sechs Regionen und mehr als 330 Standorte deutschlandweit helfen uns dabei, die globale Hausbank näher zu den Menschen zu bringen.
Bis 2028 investiert die Privatkundenbank rund 900 Millionen Euro – 300 Millionen ins Wealth Management, 600 Millionen in IT, Operations und KI, bis hin zur Reduktion von 15 Kernbanksystemen auf ein einziges. Wo liegen für Deutschland die wichtigsten Wachstumshebel, und welche Rolle spielen Plattformen und Cybersicherheit?
Gasser: Neben den weltweit rund 300 Millionen Euro für Wealth Management investiert die Privatkundenbank weitere rund 600 Millionen Euro in IT, Operations und KI – vor allem hier im Heimatmarkt. Für unser Wachstum in Deutschland sind drei Faktoren besonders wichtig: die Qualität unserer Beratung, moderne Plattformen und die Möglichkeiten unserer Globalen Hausbank.