private banking magazin: Herr Neckel, seit Oktober 2025 bündeln Sie Wealth Management, Private Banking und UHNWI unter einer Leitung. Was war das konkrete Problem der alten Struktur – und was muss in zwei Jahren anders sein, damit Sie sagen können: Diese Entscheidung war richtig?
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private banking magazin: Herr Neckel, seit Oktober 2025 bündeln Sie Wealth Management, Private Banking und UHNWI unter einer Leitung. Was war das konkrete Problem der alten Struktur – und was muss in zwei Jahren anders sein, damit Sie sagen können: Diese Entscheidung war richtig?
Oliver Neckel: Die Bündelung war eine strategische Weichenstellung. Wir wollten ein klares, schlagkräftiges Verantwortungszentrum schaffen für diese Kundengruppen im Konzern. Die Einheiten sind ein Wachstumsfeld innerhalb des LBBW-Konzerns – und das zeigt sich bereits heute in den Ergebnisbeiträgen, die wir dort ausweisen.
Was bedeutet das UHNWI-Segment für die BW-Bank in diesem Kontext – ab welchem Vermögen beginnt es, und was bieten Sie dort, was das klassische Wealth Management und Private Banking nicht leisten?
Neckel: Unser Anspruch an ganzheitliche Beratung und exzellente Lösungen ist unabhängig von Vermögenshöhe und Segment. Wir stehen insbesondere im klassischen Wealth Management und Private Banking für ein Beratungsangebot von Wertpapieranlage und Vermögensverwaltung über strukturierte Produkte, Vorsorge- und Nachfolgelösungen bis hin zu Finanzierungslösungen. Im UHNWI-Segment speziell geht es für uns weniger um eine feste Vermögensgrenze, als vielmehr um die Komplexität der Vermögensstruktur. Hier setzen wir auf besonders individuelle Lösungen, die wir gemeinsam mit den Leistungszentren des gesamten Konzerns entwickeln. So strukturieren wir zum Beispiel Spezialfonds oder Vermögensverwaltungsmandate mit der LBBW Asset Management oder finanzieren Investitionen in nachhaltige Energie- und Ladeinfrastruktur mit der Südleasing.
Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp formulierte zuletzt den Anspruch, das „Family Office des Mittelstands“ zu sein – und baut dafür im Wealth Management Personal auf. Die BW-Bank ist als LBBW-Tochter seit über 200 Jahren tief im Mittelstand Baden-Württembergs verwurzelt. Greift die Commerzbank damit in Ihren Kernmarkt – und wie antworten Sie darauf?
Neckel: Wir sehen im Wealth Management wie im Private Banking in Deutschland einen wachsenden Markt. Und je höher das Vermögen steigt, desto stärker sind auch die prozentualen Wachstumsraten. Das macht dieses Segment für viele Wettbewerber attraktiv – es ist ein umkämpfter Markt, das war er allerdings schon immer. Was ich außerdem beobachte: Kunden arbeiten längst nicht mehr nur mit einer Bank zusammen, sondern diversifizieren ihr Portfolio über mehrere Häuser. Darauf reagieren wir, indem wir unser Leistungsversprechen konsequent schärfen – Universalbank mit Privatbank-Charakter, das ist unsere Stärke.
Frau Orlopp würde vermutlich entgegnen, dass die Commerzbank mit einem bundesweiten Firmenkunden-Netz deutlich näher am Mittelstand ist als die BW-Bank mit elf Wealth-Management-Standorten. Was antworten Sie darauf?
Neckel: Wir sind seit über 200 Jahren tief in Baden-Württemberg verwurzelt. In Stuttgart sind wir die Stadtsparkasse, haben also eine Zentralfunktion, die weit über das klassische Private Banking hinausgeht. Darüber hinaus ist die LBBW Zentralinstitut der Sparkassen in Baden-Württemberg, Sachsen und Rheinland-Pfalz. Und auch als Unternehmenskundenbank mit starkem Mittelstandsfokus sind wir deutschlandweit aktiv – zusammen kommen LBBW und BW-Bank auf 80 Standorte bundesweit – und wir begleiten unsere Kunden auch im Ausland. Dieses Netz, diese Nähe zu Unternehmerfamilien über Generationen ist unsere klare Stärke.
Im Wealth Management gilt: Kunden folgen oft dem Banker, nicht der Bank. Sie haben mit Ersin Soykandar jemanden geholt, der zuletzt bei der Commerzbank eine UHNWI-Einheit aufgebaut hat – und der in der Branche einen Namen hat. Vertrauen Sie damit dem persönlichen Beziehungsanker – oder bauen Sie strukturell auf das Teammodell, damit Kundenbeziehungen nicht an einzelnen Personen hängen?
Neckel: Das ist ein Sowohl-als-auch, kein Entweder-oder. Erfahrene Wealth Managerinnen und Wealth Manager bringen oftmals ein bestehendes Netzwerk mit – das ist Tatsache. Aber was wir mit unseren eingespielten Teams als BW-Bank bieten, geht darüber hinaus: Wir verbinden persönliche Nähe und langjährige Vertrauensbeziehungen mit der Leistungsfähigkeit des gesamten LBBW-Konzerns – über alle Produktfelder hinweg: Anlage, Finanzierung, Stiftungsmanagement, Kapitalmarktzugang, um nur einige zu nennen. Das macht uns attraktiv – für die Beratenden selbst und für unsere Kundinnen und Kunden.