Interview mit Matthew McLennan, First Eagle „Wir minimieren das Risiko dauerhafter Verluste“

Interview mit Matthew McLennan, First Eagle: „Wir minimieren das Risiko dauerhafter Verluste“ | © Getty Images

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First Eagle hat sich dem Value Investing verschrieben. Wie sieht die Strategie des First Eagle Amundi International Fund aus?

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Matthew McLennan

Matthew McLennan: First Eagle ist ein Value Investor im klassischen Sinne. Für uns zählen Benjamin Grahams drei Hauptkonzepte. Erstens sind die Märkte nicht immer effizient, sondern von Gier und Angst getrieben. Das müssen Investoren ausnutzen. Statt Marktprognosen anzustellen, gilt es zweitens, den intrinsischen Wert eines Unternehmens zu bestimmen. Drittens wird nur mit einem deutlichen Abschlag auf diesen Wert gekauft. Wir investieren langfristig in Unternehmen. Der Schutz vor Verlusten ist uns deutlich wichtiger, als eine Benchmark zu schlagen. Wir sehen den First Eagle Amundi International Fund als ein Basisprodukt, das die Kaufkraft des Kapitals zu erhalten oder zu stärken versucht, indem es das Risiko dauerhafter Verluste minimiert. Um dies zu erreichen, setzen wir auf den Aktienkauf mit Sicherheitsabschlag, Diversifikation und goldbezogene Wertpapiere.

Wie wählen Sie die Aktien aus?

McLennan: Unser Hauptkriterium ist der Sicherheitspuffer. Wir kaufen nur Aktien, wenn diese mit einem angemessenen Abschlag auf den von uns ermittelten intrinsischen Wert des Unternehmens gehandelt werden. Unser Ansatz ist fundamental, rein bottom-up getrieben und völlig unabhängig von Markteinschätzungen zu Branchen oder Regionen sowie losgelöst von Benchmark-Vorgaben. Es ist sehr aufwändig den Wert eines Unternehmens zu ermitteln. Man muss das Geschäftsumfeld genauso wie das spezifische Geschäftsmodell verstehen, die Bilanzen, die langfristigen Gewinnaussichten und vieles mehr analysieren. Das kostet Zeit. Um Unternehmen zu finden, die mit Abschlag auf diesen Wert gehandelt werden, muss man sich auf die Gebiete fokussieren, die gerade keiner mag. Wenn eine Region, ein Sektor oder ein Thema in Ungnade fällt, werden meist willkürlich alle betroffenen Unternehmen verkauft. Wir suchen nach den Unternehmen, die zu Unrecht abgestraft wurden.

Haben Sie ein Beispiel für ein Unternehmen im Portfolio?

McLennan: Nehmen wir Heidelberg Cement aus Deutschland. Wir mögen die Steinbruch-Industrie aus zwei Gründen. Zwar ist Stein grundsätzlich kein rarer Rohstoff, Lizenzen für den Abbau sind aber stark begrenzt. In Europa dauert es bis zu 15 Jahre, bis man eine Erlaubnis für eine neue Abbaustätte bekommt. Zweitens ist das Geschäft aufgrund des teuren Transports lokal basiert. Diese Kombination führt zu einem potenziellen monopolistischen Einnahmeprofil. Wir haben Heidelberg Cement und andere Baustoffunternehmen 2010 gekauft, als der Bauzyklus aufgrund der Finanzkrise und der geplatzten Immobilienblasen in den USA und Spanien am Boden war und keiner diese Unternehmen mochte. Das hat sich mittlerweile komplett gedreht. Die beiden US-Unternehmen Martin Marietta und Vulcan Materials haben wir bereits verkauft, nachdem die Preise aufgrund der Aussichten auf steigende Infrastrukturausgaben in den USA, deutlich angezogen haben.

Rund 10 Prozent des Fondsvermögens ist in Gold-ETCs und Goldaktien investiert. Wozu?

McLennan: Gold-Investment helfen uns, das Risiko dauerhafter Verluste zu meiden. Wir nutzen sie als potenzielle Versicherung gegen extreme, nicht vorhersehbare Marktereignisse. Es ist für uns eine reine Absicherung des Aktienrisikos. Aus Diversifikationsgründen investieren wir gern sowohl in Gold-ETCs als auch in Minenbetreiber. Das Verhältnis hängt von der relativen Bewertung der beiden Assets ab. In den vergangenen Monaten haben wir einige Gewinne bei Goldaktien mitgenommen.

Und welche Rolle spielt Cash?

McLennan: Der Anteil von Cash und Cash-ähnlichen Anlagen wie kurzfristigen Staatsanleihen ist keine Top-down-Entscheidung, sondern resultiert aus unserer rigorosen Kaufs- und Verkaufsdisziplin. Wenn die Märkte fallen, werden Unternehmen tendenziell günstiger und unser Cash-Anteil sinkt, da wir genügend Anlagemöglichkeiten finden. Wenn die Märkte hingegen stark zulegen, erreichen mehrere Aktien aus dem Portfolio ihren anvisierten Wert und wir verkaufen. Die Barmittel wachsen entsprechend. Daher steckt rund ein Viertel des Portfolios zurzeit auch in Kasse und geldmarktähnlichen Anlagen.

Wird 2017 ein gutes Jahr für die Strategie sein?

McLennan: Das wissen wir nicht. Unsere Anlagephilosophie beruht auf der Annahme, dass die Zukunft unsicher ist. Wir gehen keine Wetten auf Marktentwicklungen ein, sondern verlassen uns auf unsere Disziplin und Geduld und konzentrieren uns auf einen günstigen Einkauf.