private Banking Magazin: Herr Renné, Sie sind seit 2001 bei Feri, inzwischen Vorstandsvorsitzender und haben die Entwicklung des Hauses über mehr als zwei Jahrzehnte miterlebt. Wie hat der Asset Manager sich in dieser Zeit verändert?
Marcel Renné: Als ich 2001 anfing, war Feri ein Geflecht aus vielen Gesellschaften – jede mit eigener Kultur und Zielsetzung. Mein Ziel war es, das Haus zu einer stärkeren Einheit zu formen, und ihm eine klare Richtung zu geben. 2019 kam die Anfrage, den Vorsitz zu übernehmen. Kurz darauf traf uns die Pandemie. Corona hat vieles durcheinandergewirbelt, aber auch offengelegt, wo wir organisatorisch nachschärfen mussten. 2021 stand für mich fest: Wir müssen Feri zu einem modernen, integrierten Asset Manager entwickeln. Mit Marcel Lähn als CIO kam ein entscheidender Impuls, um diese Transformation konsequent umzusetzen.
2022 wurde zum Prüfstein – und zum Katalysator...
Renné: Absolut. Solche Jahre zwingen zu Klarheit. Wir verschlankten Strukturen, verkürzten Entscheidungswege und führten das „One FERI“-Modell ein: drei Säulen – Kunden, Asset Management und Operations. Heute arbeiten wir fokussierter, schneller und abgestimmter. Jeder weiß, wofür er steht und worauf es ankommt.
Wie resilient ist Feri heute – und woran messen Sie das?
Renné: Resilienz heißt für mich Substanz und Haltung. Mit rund 63 Milliarden Euro Assets under Management, davon 18 Milliarden in Alternatives, sind wir in unserer Gruppe solide aufgestellt. Entscheidend ist aber die mentale Stärke. Wir haben gelernt, Wandel nicht als Störung, sondern als Dauerzustand zu begreifen.
Deshalb bringen wir bewusst neue Köpfe ins Haus und kombinieren Erfahrung mit frischen Perspektiven. Veränderung gelingt nur, wenn sie aus der Organisation selbst kommt. Wir haben sie selbst erarbeitet, ohne externe Berater. Das war wichtig, damit sie von allen getragen wird.
Feri positionierte sich in den vergangenen Jahren stark als Multi-Asset-Haus. Was verstehen Sie darunter?
Renné: Multi-Asset ist für uns weit mehr als ein Produktansatz – es ist eine Denkweise, die sich durch das ganze Haus zieht. Bereits bei meinem Einstieg 2001 wurde mir das Yale-Modell von unserem damaligen CIO Heinz-Werner Rapp vorgestellt: breite Diversifikation, langfristige Allokation, aktives Risikomanagement. Multi-Asset bedeutet, liquide und illiquide Anlagen aktiv zu steuern. Unser Asset-Management-Ansatz fußt auch auf dem Vertrauen, Gelder frei in den Assetklassen zu managen, von den wir überzeugt sind. Dazu zählen neben den klassischen Aktien und Renten auch Volatilitätsstrategien, aber auch Digital Assets, Hedgefonds oder Private Markets. Oder man nimmt das Paket. Und ja – Multi-Asset ist für uns kein Etikett, sondern Haltung. Unser Anspruch ist, in jeder Marktphase handlungsfähig zu bleiben und Chancen über Anlagegrenzen hinweg zu nutzen.
Das klingt analytisch, ist aber erklärungsbedürftig.
Renné: Das stimmt. Deshalb investieren wir stark in Research und in den internen Austausch. Unsere Expertenteams stellen sich regelmäßig gegenseitig ihre Anlageideen vor – das fördert Wissen, Disziplin und Verständnis. Ein gutes Beispiel ist unsere Feri Core Strategy: sechs von neun Anlageklassen, liquide, aktiv und transparent gemanagt. Wer uns vertraut, weiß, wie wir investieren.
Ihre Kundengruppen sind unterschiedlich – Unternehmerfamilien und institutionelle Investoren.
Renné: Beide Gruppen eint der Wunsch nach Verlässlichkeit, aber die Bedürfnisse unterscheiden sich. Unternehmer brauchen Stabilität und Klarheit, keine Private-Equity-Exzesse – das haben sie im eigenen Unternehmen. Pensionskassen und Stiftungen hingegen suchen Renditequellen bei strenger Risikovorgabe. Multi-Asset erlaubt uns, beides zu bedienen, weil wir flexibel bleiben und dennoch diszipliniert agieren.
Institutionelle Anleger setzten in den vergangenen Jahren stärker auf Outsourcing. Warum ist das so?
Renné: Das liegt an der Komplexität der Märkte. Viele Institutionelle haben über die Jahre einen Flickenteppich aus Spezialmandaten aufgebaut – jeder Manager macht etwas anderes. Wir helfen, diese Strukturen zu konsolidieren, schaffen Transparenz und liefern Steuerung aus einer Hand. Im Grunde sind wir der externe CIO: unabhängig, analytisch, mit tiefem Verständnis für die Gesamtrisiken.
Der Vertrieb spielt dabei eine zentrale Rolle.
Renné: Wir denken in drei Säulen: klassische institutionelle Kunden, Fondslösungen und interessante Investmentthemen, die wir auch nach Europa bringen. Letzteres bauen wir gezielt aus – nicht über Niederlassungen, sondern über Plattformen und Partnerschaften. Unsere Volatilitätsstrategien stoßen international auf großes Interesse. Gleichzeitig behalten wir den Heimatmarkt als Basis im Blick.