Interview mit Managern des Finasta Emerging Europe Bond Fund „Zentral- und Osteuropa sind unser Heimatmarkt“

Tomas Krakauskas (l.) und Vaidotas Rukas, Investmentchef und der Leiter des Fondsmanagements der litauischen INVL Asset Management

Tomas Krakauskas (l.) und Vaidotas Rukas, Investmentchef und der Leiter des Fondsmanagements der litauischen INVL Asset Management

INVL ist eine litauischer Asset Manager. Sehen Sie darin einen Heimvorteil beim Management eines osteuropäischen Anleihefonds?

Vaidotas Rukas: Auf jeden Fall. Wir betrachten die gesamte zentral- und osteuropäische Region als unseren Heimatmarkt. Dort kennen wir uns aus. Ein ganzer Block von Ländern ist 2004, zum gleichen Zeitpunkt wie Litauen, der EU beigetreten. Hier finden in der Wirtschaft die gleichen Prozesse statt, die wir selbst erlebt haben und erleben, und wir können sie daher sehr gut nachvollziehen. Einem anderen Block von Staaten, weiter im Osten und Süden gelegen, stehen diese Prozesse noch bevor.

Können Sie das etwas konkretisieren?

Rukas: Das pro-westlich eingestellte Georgien etwa will dort hin, wo Litauen bereits ist: in die EU und in die Nato. So können wir aus eigener Erfahrung sehr gut abschätzen, wie sich die Wirtschaft dort wandeln wird. Zum Beispiel wird der Bankensektor als erstes von der Weiterentwicklung des Landes profitieren. Georgien hat zwei in London gelistete Banken. Das Anlagerisiko ist hier sehr niedrig und das Aufwärtspotenzial riesig. Messen kann man dies zum Beispiel an den Hypothekenvolumen in Relation zum Bruttoinlandsprodukt. In Westeuropa liegt die Quote bei über 30 Prozent. In Litauen sind es rund 10 Prozent, in Georgien nur 4 Prozent. Es gibt hier also enorm viel aufzuholen. Wir verstehen aber nicht nur die wirtschaftlichen, sondern auch die politischen Entwicklungen sehr gut. Viele Länder der Region sind noch politisch instabil. Um Anlagechancen richtig nutzen zu können, ist es wichtig zu erkennen, ob es sich bei Vorfällen tatsächlich um eine schwerwiegende Krise handelt oder lediglich um übertriebene Schlagzeilen in den Medien. Wenn andere Investoren in Panik geraten, bleiben wir oft ruhig.

Im Schnitt soll die Bonität der Anleihen im Finasta Emerging Europe Bond im Investmentgrade-Bereich liegen. Ist es einfach, attraktive Investmentgrade-Papiere in Osteuropa zu finden?

Tomas Krakauskas: Das ist nicht immer einfach. Allerdings geht es uns nicht vornehmlich um das Rating der Anleihen. Unsere Strategie ist es vielmehr, in qualitativ hochwertige Anleihen zu investieren, die eine höhere Rendite liefern, als von Investoren erwartet. Ein Beispiel: Im Februar hat die Rating-Agentur Moody’s Russland auf Junk-Niveau abgewertet. In diesem Zuge wurden auch viele Unternehmen abgewertet, darunter der Stahlerzeuger Severstal. Die Geschäftslage für das Unternehmen hatte sich aber gar nicht verschlechtert. Im Gegenteil: Es verkauft seinen Stahl weltweit in US-Dollar und profitiert von der Abwertung des Rubels. Seine Margen sind gestiegen. Solche Entwicklungen nutzen wir gern. Ratings schauen wir uns an, sie sind aber kein Hauptkriterium. Sie hinken auch oft den Geschehnissen hinterher, als Investor muss man schneller sein.

Welche Kriterien sind für die Auswahl wichtiger?

Krakauskas: Wichtig für uns ist, dass der Emittent in der Lage ist, seine Schulden zu bedienen. Wir mögen Anleihen von transparenten Unternehmen, die ihre Investoren wertschätzen. Und wir achten auf Ineffizienzen, zum Beispiel auf der Zinskurve.

Was heißt das?

Krakauskas: Bei Unternehmen oder Staaten, die Anleihen mit unterschiedlichen Restlaufzeiten ausstehend haben, zeigen sich manchmal Sprünge auf der Zinskurve. Ein Beispiel: Eine Lukoil-Anleihe mit Fälligkeit 2015 rentiert mit 5 Prozent, eine Anleihe mit Fälligkeit 2019 mit 7 Prozent. Letztere finden wir sehr attraktiv, da der Rest der Zinskurve nur ein Renditeplus von 0,5 Prozent pro Jahr zeigt. Wir nutzen aber auch andere Ineffizienzen.

Zum Beispiel?

Krakauskas: Einige Länder wie Kroatien, Rumänien. Slowenien und Litauen haben zwei Bond-Märkte. Im Litauen zum Beispiel emittiert der Staat auf dem lokalen Markt kleinere Anleihe bis zu etwa 100 Millionen Euro. Größere Emissionen laufen über den Eurobond-Markt in Frankfurt. Diese Anleihen sind liquider. Daher zahlen Emittenten am lokalen Markt zahlen eine Liquiditätsprämie von 20 bis 30 Basispunkten. Da unser Fonds nur ein Volumen von etwa 15 Millionen Euro hat, können wir die Chancen an den lokalen Märkten, an denen wir uns zudem sehr gut auskennen, nutzen. Größere Fonds könnten hier aus Liquiditätsgründen nicht kaufen. Zudem gibt es Ineffizienzen bei Anleihen in Lokalwährungen, die an den Euro gekoppelt sind. Das war zum Beispiel bis zur Einführung des Euro im Litauen zu Anfang des Jahres der Fall. Anleihen in Litas hatten eine höhere Rendite als entsprechende Anleihen, die in Euro notiert waren. Das Risiko war aber nicht wirklich höher, da der Litas ja bereits an den Euro gebunden war. Das gleiche lässt si
ch jetzt zum Beispiel in Bulgarien beobachten - eine Chance, die wir nutzen.