Interview mit Berater Karl Heinz Krug „Ein Fintech kann ein sehr valider Partner sein“

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Wie legen Kommunen ihr Geld an?

Krug: Extrem konservativ. Das liegt aber auch an den aufsichtsrechtlichen Vorgaben. Die Kommunalaufsicht definiert einen relativ klaren und eng gesteckten Rahmen, innerhalb dessen man als Kommune agieren darf.

Welche Rolle spielt der Anlagehorizont?

Krug: Eine große Rolle. Denn es sind die Stadtverordneten, die über das Thema beschließen müssen. Wenn sie aber bei Schwankungen und einer gewissen Volatilität nervös werden, dann ist auch eine langfristige Anlageperspektive nur schwer durchzuhalten. Das ist auch der Grund, weshalb Kommunen und ihre Kämmerer, die auf Nummer sicher gehen wollen, in konservative Anlagen investieren. Hier spielen aber auch rechtliche Aspekte seitens der Kommunalaufsicht eine Rolle. 

Auch Vermögensverwalter bewegen sich in einem herausfordernden Umfeld. Kostendruck, Digitalisierung und Branchenkonsolidierung sorgen für ein verändertes Wettbewerbsumfeld. Für wen ist das ein Problem?

Krug: Auch hier geht es um die Frage, wie man Kunden über digitale Kanäle erreichen kann. Wie kann ich sie in ihren Erwartungen zufriedenstellen? Wenn ich das als etablierter Anbieter nicht schaffe, besteht eine hohe Gefahr, dass diese Kunden abwandern in Richtung von Anbietern, die das besser beherrschen. Als Anbieter muss man seine Prozesse permanent optimieren und verbessern.

In bestehenden Strukturen ist das doch schwierig.

Krug: Deshalb geht der Trend in Richtung Kooperationen mit Fintechs. Etablierte Unternehmen bauen Fintechs in bestimmten Bereichen ihres Geschäfts ein. Diese haben dann eine besondere Kompetenz, etwa im Bereich Datenanalyse, Kundenansprache oder Prozesseffizienzen, die man selbst so nicht hat. Ein Fintech kann ein sehr valider und hilfreicher Partner sein auf dem Weg der eigenen Transformation, für die man ohne diesen Partner womöglich längere Zeit bräuchte. Das betrifft sowohl Banken als auch Asset Manager.

Welche Rolle spielt bei Asset Managern die Analyse und Bewertung von Assets durch die Künstliche Intelligenz?

Krug: Das Thema gewinnt an Bedeutung. Einerseits können Analysten durch die technologische Unterstützung ihr Aufgabenfeld skalieren und sich um zusätzliche Branchen kümmern. Und auch bei Portfoliomanagern erweitern sich durch die technologischen Möglichkeiten die Spielräume, etwa bei der Auswahl der Assets, die sie in ihr Portfolio aufnehmen.

Die technologischen Zyklen gehen sehr schnell voran. Kommen die Menschen da noch mit?

Krug: Es kommen immer wieder neue Themen und Hypes nach oben, von denen es heißt, sie veränderten den Markt. Und kaum hat man sich in das Thema eingelesen, kommt schon das nächste, mit dem man sich auch wieder beschäftigen muss.


Über den Interviewten:
Karl Heinz Krug verantwortet beim Beratungshaus Capgemini die Beratung von Finanzministerien des Bundes sowie der Länder in strategischen als auch in technologischen Fragestellungen der Digitalisierung. In seiner Rolle als Bürgermeister und Stadtkämmerer verantwortete er zwischen 2012 bis 2018 die Finanzen der Stadt Bad Homburg vor der Höhe. Vor seiner Position als Leiter der Finanzkommunikation des AXA-Konzerns war er über mehrere Jahre als selbständiger Berater für Finanzen und IT tätig.