Interview mit Dag Rodewald „VW-Skandal treibt Nachfrage nach Nachhaltigkeits-ETFs an“

Dag Rodewald, Leiter Passive & ETF Specialist Sales Deutschland & Österreich bei UBS

Dag Rodewald, Leiter Passive & ETF Specialist Sales Deutschland & Österreich bei UBS

Im aktiven Fondsmanagement ist Nachhaltigkeit schon lange ein Thema. Jetzt gewinnt es auch im ETF-Bereich an Bedeutung. Was hat sich geändert?

Dag Rodewald: Nachhaltigkeit galt immer als Nischenthema, das bei Umweltereignissen oder Unternehmensskandalen in den Vordergrund rückte. Nach einiger Zeit ist das Interesse dann wieder abgeflaut. Ich denke, jetzt ist dies anders. Nachhaltigkeit ist kein vorübergehendes Modethema mehr, sondern hat sich zu einem wesentlichen Investmentthema entwickelt, das uns über lange Zeit begleiten und zu gewissen Qualitätsstandards bei der Bewertung von Unternehmen führen wird.

Auch das Verständnis von Nachhaltigkeit hat sich verändert. Früher wurde Nachhaltigkeit nur auf Umweltthemen bezogen. Jetzt hat es sich zu einem breiteren Themengebiet entwickelt, zum Beispiel spielen Corporate Governance oder das Wirken des Unternehmens auf die Gesellschaft eine Rolle. Dies lässt sich sehr gut über regelbasierte, passive Produkte abbilden.

Lässt sich die Entwicklung auch an Absatzzahlen ablesen?

Rodewald: In den vergangenen Jahren haben sich Nachfrage und Angebot sehr positiv entwickelt. 2013 waren in Europa knapp 360 Millionen Euro in nachhaltigen ETFs investiert, am Ende des erstens Quartal 2017 waren es schon 3,2 Milliarden Euro. Die Anzahl der Produkte hat seitdem deutlich zugenommen. Der ETF-Bereich hat aufgeholt, mittlerweile ist das Angebot von aktiven und passiven Produkten weit ausgewogener als vor wenigen Jahren. Vor allem etwa seit Mitte 2015 hat sich die Nachfrage von Investoren sehr erfreulich entwickelt.

Warum seit 2015?

Rodewald: Im September des Jahres wurde der VW-Abgasskandal bekannt. Das hat bei vielen Investoren das Thema Nachhaltigkeit in den Fokus gerückt. Der Skandal war auch ein entscheidendes Ereignis für viele Nachhaltigkeitsstrategien. Es wurde genauer geschaut, was die einzelnen Ansätze abbilden. Bei einigen Indizes war VW bei Ausbruch des Skandals noch enthalten, bei anderen nicht. Bei MSCI, mit denen wir bei unseren Nachhaltigkeits-ETFs zusammenarbeiten, war VW noch nie Bestandteil der Social-Responsible-Investment-Indizes, kurz SRI-Indizes, enthalten.

Warum haben Sie MSCI als Indexpartner gewählt?

Rodewald: MSCI verfügt über 40 Jahre Erfahrung in der Unternehmensanalyse hinsichtlich ökologischer, sozialer und die Unternehmensführung betreffender Faktoren (ESG-Research). MSCI hat in diesem Bereich mit über 200 Mitarbeitern das größte Analyseteam. Uns gefällt das Auswahlverfahren, das Ausschlusskriterien, einen Best-in-class-Ansatz und ein zusätzliches Negativ-Screening kombiniert. Wir denken, dieser Ansatz war ein Grund dafür, warum wir in unseren SRI-ETFs so starke Zuflüsse gesehen haben. 2015 hatten die UBS SRI ETFs noch ein Volumen von 530 Millionen Euro, mittlerweile sind es 1,5 Milliarden Euro, und der Trend ist ganz klar steigend. UBS ist sowohl bei der Anzahl der Produkte als auch im verwalteten Volumen Marktführer bei nachhaltigen ETFs.