Interview mit Dag Rodewald „Die Kombination der Faktoren bringt den Mehrwert“

Dag Rodewald, Leiter Passive & ETF Specialist Sales Deutschland & Österreich bei UBS: „Factor Investing ist definitiv kein Modethema“

Dag Rodewald, Leiter Passive & ETF Specialist Sales Deutschland & Österreich bei UBS: „Factor Investing ist definitiv kein Modethema“

Factor Investing ist derzeit in aller Munde. Die Nachfrage ist groß. Aber handelt es sich auch wirklich um einen nachhaltigen Trend?

Rodewald: Factor Investing ist definitiv kein Modethema. Der Bereich wird in den nächsten Jahren ein beherrschendes Thema in der ETF-Industrie bleiben. Nicht nur die Anzahl der Produkte, sondern auch die Mittelzuflüsse sind in den vergangenen Jahren deutlich gewachsen. Einer Studie der Fondsanalysten von Lipper Alpha zufolge werden in Europa derzeit rund 1,7 Milliarden Euro in Faktor-ETFs verwaltet. Zum Vergleich: Im Jahr 2011 waren es noch knapp 250 Millionen Euro.

Worauf führen Sie die starke Nachfrage vor allem zurück?

Rodewald: In einem Umfeld anhaltend niedriger Zinsen und erhöhter Unsicherheit suchen Anleger nach alternativen Anlagekonzepten. Und immer mehr Anleger entdecken dabei die Vorteile von Factor Investing. Faktor-basierte Strategien weichen bewusst von den breiten, marktkapitalisierungsgewichteten Standardindizes ab. Faktoren wie Qualität und Low Volatility können dabei helfen, das Risiko-Ertrags-Profil eines Portfolios über lange Zeiträume zu verbessern. Auch historische Performance- und Risikoanalysen zeigen, dass bestimmte Faktor-basierte Portfolios den breiten Markt langfristig übertroffen haben.

Kritiker bemängeln jedoch, das sei nur alter Wein in neuen Schläuchen. Faktoren wie Size oder Value gibt es ja schon seit den 1990er Jahren.

Rodewald: Es ist richtig, dass faktorbasiertes Investieren an sich schon lange praktiziert wird, vor allem im aktiven Fondsmanagement. Relativ neu ist jedoch das zunehmende Angebot von Faktorlösungen in Form von börsengehandelten Indexfonds (ETFs).  Die Vorteile in der Umsetzung der Faktorstrategien mithilfe von ETFs sind allgemein bekannt: transparent, regelbasiert und kostengünstig. Im Allgemeinen werden diese Faktorstrategien auch als Smart oder Strategic Beta bezeichnet, oder wie wir bei UBS sagen: Alternative Beta. Und es sind im Laufe der Jahre weitere Faktoren hinzugekommen, mit denen sich Risikoprämien verdienen lassen.

Welche wesentlichen Faktoren gibt es beziehungsweise sind auch für den Privatanleger nutzbar?

Rodewald: Aus unserer Sicht sind es sechs Faktoren. Value, Size und Momentum gelten als Eckpfeiler des Alternative-Beta-Investierens und der wissenschaftlichen Forschung, genauer gesagt dem Fama-French Model. Hinzu kommen Low Volatility, Yield, also Dividende, und Quality, die jetzt auch allgemein von Anlegern und Wissenschaftlern als Faktoren anerkannt werden. Und Privatanleger können in diese einzelnen Faktoren über passive Anlagevehikel wie ETFs investieren. Solche ETFs bieten den Anlegern die Flexibilität, einen oder mehrere bevorzugte Faktoren auszuwählen. Allerdings sollten Anleger genau auf die zugrunde liegenden Kriterien achten, die bei der Erfassung des Faktor-Exposure angewendet werden. Denn je nach Anbieter und Index-Konstruktion können die Renditeunterschiede beträchtlich sein.