Interview mit Anlageberaterin Nina Kordes „Eine langfristige Basisanlage aus krisenresistenten Unternehmen“

Dr. Hellerich & Co-Anlagebraterin Nina Kordes

Dr. Hellerich & Co-Anlagebraterin Nina Kordes

Sie investieren in Sachwertaktien. Was verstehen Sie darunter?

Nina Kordes: Wir machen unsere Strategie an drei Eckpfeilern fest. Der erste ist die Branchenauswahl. Es kommen nur Unternehmen aus den Bereichen Gesundheit, Nahrungsmittel, Telekommunikation sowie Gas-, Strom- und Wasserversorger ins Portfolio.

Der zweite Eckpfeiler ist der Sachwertcharakter des Unternehmens an sich. Dabei beziehen wir uns auf Sachwerte, die das Unternehmen selbst hält, also letztlich auf die Substanz des Unternehmens. Es sollte beispielsweise nicht zu viel Kasse in der Bilanz haben, und die Verschuldung sollte relativ gering sein. Letztlich muss es alle Kriterien unserer quantitativen Analyse erfüllen.

Und der dritte Eckpfeiler?

Kordes: Das ist die Diversifikation. Sachwerte dienen in der Regel einem möglichst langfristigen Vermögenserhalt. Daran orientiert sich auch unser Sachwertaktienportfolio. Die Risiken müssen dafür über Länder, Sektoren und über Geschäftsmodelle gestreut werden. Mit unserer Branchenauswahl konzentrieren wir uns auf einen Teilbereich des Gesamtmarkts, innerhalb dieses Bereichs wollen wir aber gut diversifizieren.

Worin sehen Sie den Vorteil von Sachwertaktien?

Kordes: Wir versuchen mit der Strategie in möglichst stabile und krisenresistente Unternehmen zu investieren. Unser Anspruch ist nicht die Outperformance einer Benchmark, sondern wir wollen losgelöst von Indizes einen bunten Mix aus guten Unternehmen für eine langfristige Basisanlage anbieten.

Die allgemeine Marktentwicklung ist für uns weniger wichtig, da wir vor allem in konjunkturunabhängigen Branchen unterwegs sind. Die Unternehmen bieten Produkte und Dienstleistungen an, die man immer benötigt, und sollten daher auch in schwierigen wirtschaftlichen Lagen genügend Cashflow haben.

Sie beschränken sich auf vier Bereiche, wie viel Aktien bleiben da zur Auswahl übrig?

Kordes: Das Anlageuniversum hat zurzeit 890 Aktien weltweit. Diese Unternehmen haben alle mindestens eine Marktkapitalisierung von 500 Millionen Euro und einen ausreichenden Börsenumsatz. Das Universum überprüfen wir monatlich, da sich die Börsenwerte der Unternehmen und ihre Liquidität ändern können. Es kommen neue Unternehmen an den Markt, andere fusionieren. Im Portfolio landen letztlich rund 50 Aktien.

Sie gewichten die drei großen Regionen Amerika, Europa/Afrika und Asien/Pazifik zu je einem Drittel. Warum diese eher ungewöhnliche Gleichgewichtung?

Kordes: Wir wollen uns nicht an der typischen Gewichtung orientieren, die von der Marktkapitalisierung des weltweiten Index abhängt. Wir streben stattdessen eine gleichmäßige geografische Streuung über die Welt an, mit einem Schwerpunkt in den entwickelten Märkten USA, Europa und Japan.

Spielen Dividenden eine Rolle bei der Auswahl?

Kordes: Die Dividende ist kein explizites Auswahlkriterium. Allerdings erzeugen die Geschäftsmodelle der Unternehmen in unserem Portfolio in der Regel einen stabilen Cashflow. Und viele Unternehmen schütten diese laufenden Erträge auch an die Aktionäre aus.

Gibt es besonders gute und schlechte Marktphasen für Ihre Strategie?

Kordes: In extrem positiven Phasen hinken wir eher etwas hinterher. Wir investieren weder in Technologiewerte noch in zyklischen Konsum und auch nicht in Finanzwerte, die tendenziell in den Indizes sehr hoch gewichtet sind. Unsere Unternehmen profitieren hingegen in schwachen Wirtschaftsphasen, da sie weitgehend konjunkturunabhängig sind. Und in schwierigen Börsenphasen schneiden wir tendenziell besser ab als der Markt, wie sich in der Vergangenheit schon häufiger gezeigt hat.