private banking magazin: Herr Mayer, Sie sind seit Juli 2025 im Amt und kommunizierten beim Jahrespressegespräch einen Strategiewechsel in der Asset Allocation – mit Schwerpunkt auf Private Debt und Liquiditätsmanagement. Warum setzen Sie so früh so klar eine eigene Richtung?
Alexander Mayer: Die Portfolios sind grundsolide aufgestellt. Wir haben aber die Herausforderung, dass die laufende Durchschnittsverzinsung etwas unter dem Marktdurchschnitt liegt. Für mich war die zentrale Frage: Wie kriegen wir die laufende Durchschnittsverzinsung nach oben – und wie kann ich durch eine er höhte Diversifikation die Portfolios weiter stabilisieren? Nach einem SAA-Prozess gelangte Corporate Private Debt in den Fokus, da diese Anlageklasse nicht im Portfolio vertreten war – wir standen bei null Prozent.
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private banking magazin: Herr Mayer, Sie sind seit Juli 2025 im Amt und kommunizierten beim Jahrespressegespräch einen Strategiewechsel in der Asset Allocation – mit Schwerpunkt auf Private Debt und Liquiditätsmanagement. Warum setzen Sie so früh so klar eine eigene Richtung?
Alexander Mayer: Die Portfolios sind grundsolide aufgestellt. Wir haben aber die Herausforderung, dass die laufende Durchschnittsverzinsung etwas unter dem Marktdurchschnitt liegt. Für mich war die zentrale Frage: Wie kriegen wir die laufende Durchschnittsverzinsung nach oben – und wie kann ich durch eine er höhte Diversifikation die Portfolios weiter stabilisieren? Nach einem SAA-Prozess gelangte Corporate Private Debt in den Fokus, da diese Anlageklasse nicht im Portfolio vertreten war – wir standen bei null Prozent.
Dieser Baustein bringt besagte Verzinsung nach oben und ist von den Solvenzanforderungen her überschaubar, wenn man Reporting und Transparenz mit den Fondsmanagern sauber aufbaut. Gleichzeitig müssen wir darauf achten, die Allokation in illiquide Assetklassen nicht unkontrolliert auszubauen. Und da ist Private Debt ein Baustein, genauso wie ich Investment Grade Corporates in die Portfolios einbauen will.
Wo wollen Sie mit Private Debt hin?
Mayer: Bei der Alten Leipziger wollen wir bis 2030 auf 3 Prozent kommen, bei der Halleschen auf 4,5 Prozent. Wir haben auch in anderen Private-Market-Assetklassen eine relevante Allokation – im Bereich Infrastruktur bei Debt und Equity, und eine moderate Allokation in Private Equity, die wir ausbauen werden.
Die Hallesche bekommt mit 4,5 Prozent eine höhere Private Debt-Quote als die Alte Leipziger mit 3 Prozent. Intuitiv würde man erwarten, dass eine Lebensversicherung mehr Spielraum für Illiquidität hat – nicht weniger. Wie erklären Sie das?
Mayer: Die Liquiditätsanforderungen einer Krankenversicherung unterscheiden sich fundamental von denen einer Lebensversicherung. Die Krankenversicherung hat zwar langfristige Verpflichtungen aus der Altersrückstellung, muss aber gleichzeitig kurzfristig liquide sein, um laufende Krankenhausrechnungen zu zahlen. Das zwingt zu einem zweigleisigen Ansatz: Liquidität für die kurzfristigen Leistungsausgaben einerseits, langfristige Allokation für die Altersrückstellungen andererseits. Und innerhalb dieses Rahmens eröffnet sich bei der Halleschen vom Risikoprofil her sogar etwas mehr Spielraum als bei der Lebensversicherung.
Es gibt Bedenken, dass Private-Debt-Fonds Kredite vergeben, die nicht so gut abgesichert sind wie Bankkredite. Wie stellen Sie sicher, dass nur Qualität ins Buch kommt?
Mayer: Der Treiber für das Wachstum von Private Debt ist die Bankenregulierung. Banken ziehen sich aus Kreditsegmenten zurück, weil sie dort nicht mehr profitabel agieren können – kurze Prozesse, Kreditexpertise und Verlässlichkeit füllen diese Lücke. Entscheidend ist, dass der Fondsmanager die Daten liefert, die man für Markt- und Marktfolgeseite braucht. Auf der Marktfolgeseite bauen wir Personal auf. Die bekannten Probleme betrafen vor allem US-Retail-Vehikel: deren Liquiditätsmanagement war das Problem, nicht die einzelnen Kredite. In solche Strukturen gehen wir nicht. Wir investieren ausschließlich in geschlossene europäische Vehikel von Managern mit nachgewiesenem Track Record. Für dieses Jahr planen wir drei bis fünf Zeichnungen.
Welche Rolle spielt künstliche Intelligenz in Ihrer Kapitalanlage – und verändert sie das Berufsbild des Portfoliomanagers?
Mayer: Die Datenvielfalt nimmt zu – durch steigende regulatorische Anforderungen und die Komplexität der Assetklassen. Hier sehe ich für KI eine gute Einsatzmöglichkeit, Investitionsentscheidungsprozesse schneller vorzubereiten. Aber am Ende müssen Menschen die Entscheidungen treffen.
ESG ist in Ihrer offiziellen Kommunikation als Mittel zur Stabilisierung der Kapitalanlage beschrieben. Die Soka-Bau belegte das in einem Acht-Jahres-Vergleich empirisch – höhere Rendite bei niedrigerer Volatilität. Gibt es bei der ALH-Gruppe eine ähnliche interne Untersuchung?
Mayer: Nein, rein mit Fokus auf ESG gibt es das nicht. Was wir im Rahmen unseres SAA-Prozesses gemacht haben, ist eine umfang reiche Simulation mit Blick auf Liquidität, Volatilität und Rendite. Durch die höhere Diversifikation sehen wir, dass wir die Volatilität nach unten und die Rendite nach oben bringen können.
Sorgte der Regulator bei der ESG-Datenlieferung in den vergangenen Jahren für Erleichterung – oder für mehr Komplexität?
Mayer: Die ESG-Daten bleiben für uns wichtig, um die an uns gestellten Anforderungen erfüllen zu können – die regulatorischen Anforderungen nehmen zu. Mit der Umsetzung der Empco-Richtlinie in nationales Recht werden diese sich voraussichtlich weiter verschärfen. Gleichzeitig steht mit der angekündigten Überarbeitung der Sustainable Finance Disclosure Regulation eine weitere Veränderung bevor. Auch hier erwarten wir eher eine Erhöhung der Komplexität bei der Investitions-Klassifizierung. Für uns bedeutet das höhere Anforderungen an Datengrundlagen, Dokumentation und Governance-Prozesse.