Interview mit Achim Lange von der Zeit Stiftung Bucerius „Konsolidierungen machen uns zu passiveren Investoren“

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2022 sagten Sie bereits, die Governance-Ebene sei einfach umzusetzen, weil die Stiftung sich das große Ziel gesetzt hat, die Demokratie zu stärken. Das hat zur Folge, dass Sie nur in demokratischen Ländern investieren dürfen. Wie gehen sie mit den USA unter Trump 2.0 um?

Lange: Es gibt aus meiner Sicht verschiedene US-Märkte. Den Aktienmarkt, den ich nicht ausblenden kann, weil er zum einem zu groß und bedeutend ist und zum anderen, weil es in diesem Bereich Wachstum gibt – was in Europa derzeit nicht der Fall ist. Da wir keine Fremdwährungsanleihen haben, haben wir auch keine US-Anleihen. US-Anleihen denominiert in Euro zu kaufen, haben wir für uns ausgeklammert.

Aus welchen Gründen?

Lange: Unser Anteil in Anleihen beträgt nur noch rund 20 Prozent. Diesen benötigen wir für die Liquidität. Da wir unsere Ausgaben auch in Euro tätigen, haben wir kein Fremdwährungs-Exposure und klammern US-Anleihen aus. Schon mit Blick auf rechtstaatliche Entwicklungen und die Pressefreiheit sind wir zum Beispiel auch nur sehr ausgewählt in osteuropäischen Anleihen investiert. In staatsnahe Unternehmen investieren wir nicht, wenn dort die Pressefreiheit bedroht ist. Ein weiterer US-Markt sind die Private Markets.

Wie sind Sie hier aufgestellt?

Lange: Infrastruktur und Private Equity haben wir sowohl in Europa als auch in den USA. Insgesamt haben wir aktuell acht Prozent Alternatives in unserem Portfolio. Das Ziel liegt bei 15 Prozent aufgeteilt in zweidrittel Private Equity und eindrittel Infrastruktur.

Wie gehen Sie vor, wenn Sie Spezialmandate in den USA haben und zu wie viel Prozent sind Sie in den USA investiert und wie soll sich Ihre globale Diversifikation entwickeln?

Lange: Wir arbeiten ausschließlich mit europäischen Asset Managern zusammen. Zusätzlich haben wir den Vorteil, dass wir alle unsere liquiden Kapitalanlagen, inklusive Private Equity und Infrastruktur, in einem Masterfonds haben, wir haben also ein einheitliches Berichtswesen. Ich brauche nicht von fünf verschiedenen Asset Managern ESG-Reports. Wir haben 45 bis 50 Prozent Aktien, davon bis zu 20 Prozent außerhalb Europas. 13 Prozent davon sind die USA, fünf Prozent Asien.

Wie gehen Sie mit den US-Mandaten um?

Lange: Unsere Investments in US-Wachstumsaktien setzen wir mit einem passiven Nasdaq Mandat um. Da wir stark auf den CO2-Ausstoß blicken, sind wir derzeit bei Nasdaq 97. Dadurch, dass wir keine ETFs im Portfolio haben, sondern aktiv in passiv umsetzen lassen, haben wir die Möglichkeit einzelne Titel rauszunehmen.

 

Viele unserer Mandate sind passiv, wir können diese mittlerweile gut steuern. Wir wissen zu welchem Zeitpunkt neue Titel in das Portfolio kommen und welche Auswirkungen das haben wird. Auch können wir etwa bei Verstößen oder anderen Entwicklungen selbst agieren und das Handeln von Unternehmen mit unseren Richtlinien abgleichen.

Die Daten beziehen Sie ausschließlich aus dem Reporting des Masterfonds?

Lange: Genau. Darüber können wir die Asset Manager vergleichbar machen, weil alle auf die gleichen Daten zugreifen. Lieferketten, die Einhaltung von Menschenrechten, Vermeidung von Kinderarbeit, alles wird erfasst.

Und das so belastbar, dass Sie das nicht von einem Dritten überprüfen lassen?

Lange:  Wir sind da sehr genau und gewissenhaft, schon im ureigensten Interesse. Unsere Reputation ist bei der Stiftungsarbeit elementar – und die kann schnell leiden. Wir für uns wollen und müssen jederzeit umfassend auskunftsfähig und transparent sein, etwa wenn Studierende der Law School fragen, woher das Geld für Förderungen und Arbeit kommt. Historisch haben wir beim Grundkapital keine dunklen Flecken. Wir haben jederzeit umfassende Antworten darauf, wie wir das Geld investieren und wie wir unsere Investments überwachen.

Welche Rendite müssen Sie generieren, um Stiftungszweck, Verwaltung und weiteres leisten zu können?

Lange: Das ist abhängig vom inflationären Umfeld. Wir benötigen zwei Prozent zur Erfüllung unserer Förderprojekte, 0,4 Prozent für den Verwaltungsaufwand, der Rest ist für den Inflationsschutz. Unterm Strich benötigen wir im Durchschnitt eine Rendite von fünf Prozent.

Sie waren von 1999 bis 2005 bei Berenberg und danach über 15 Jahre bei der Haspa, leiteten davon über elf Jahre das Portfoliomanagement im Private Banking. Durch die Branche schwappt derzeit eine Konsolidierungswelle. Wie bewerten Sie die Vorgänge?

Lange: Der Markt konzentriert sich extrem. Für uns als Investor bringt es weniger Auswahl mit sich. Je weniger Marktteilnehmer teilnehmen, desto mehr Marktmacht haben die verbleibenden. Die Preise können somit steigen. Noch sehen wir das nicht. Eine Konsolidierung im Private Banking in Deutschland ist aber wahrscheinlich zwingend erforderlich.

Warum?

Lange: Die regulatorischen Kosten steigen, ebenso die Kosten für die IT. Um das aufzufangen, ist Wachstum nötig. Organisch ist das schwierig, also muss es durch Übernahmen geschehen. ABN Amro kauft beispielsweise Assets dazu, bucht alles auf eine Plattform und senkt die Kosten.

Warum ist der deutsche Private-Banking-Markt dennoch so umkämpft?

Lange: Eine gute Frage. Es ist interessant zu sehen, wo Niederlassungen von wem eröffnet oder geschlossen wurden und welche neuen Player das Spielfeld betreten, wie beispielsweise die LGT. Die kamen mit einem Lucky Punch nach Hamburg zurück und hatten vom Start weg ein großes Team von Bethmann, durch ein Sonderkündigungsrecht der Mitarbeiter.

Nicht nur bei den Privatbanken, auch bei Asset Managern gilt immer mehr, dass Größe entscheidet, Blackrock und Co. kaufen alternative Manager, Generali und Natixis (BPCE) bündeln ihr Geschäft. Welchen Einfluss hat das auf Ihre Managerselektion?

Lange: Für uns ist das schwierig. Aber auf der positiven Seite: Durch die Konsolidierung haben wir auch die Möglichkeit, andere Asset Manager kennenzulernen. Fusionierte Asset Manager steigern nicht automatisch ihr verwaltetes Vermögen. Wir investieren maximal zehn Prozent pro Manager. Werden Mandate fusioniert und überschreiten diese Grenze, nehmen wir einen neuen Partner mit ins Boot.

Sie haben mehr Arbeit, profitieren aber davon…

Lange: Andere Asset Manager bekommen die Möglichkeit sich zu zeigen. Nachteil für diese ist, dass wir intensiv auf unsere Kostensituation achten. Fusionieren zwei aktive Manager, nutzen wir zum Teil die Chance, und stellen auf passiv um. Dadurch reduzieren wir Kosten. Unterm Strich kann ich bislang sagen, dass die Konsolidierungswelle bei Asset Managern uns zu passiveren Anlegern macht.

 

Sie sind jetzt seit gut vier Jahren bei der Zeit Stiftung Bucerius. Juckt es Sie manchmal in den Fingern, wieder zurück in das Wealth Management zu gehen?

Lange: In der Stiftung sehe ich, wie Geld in echte Wirkung geht. Eine Stiftung ist dazu verpflichtet, ihre Erträge auszuschütten oder in Projekte zu investieren. Das ist per Gesetz festgelegt. Außer auf der Sachkostenebene darf ich gar nicht sparen. Ich muss das Geld mittel- und zeitnah verwenden. Das ist ein wunderbares Luxusproblem. Nichtsdestotrotz juckt es manchmal in den Fingern, in irgendeiner Form beratend tätig zu sein.

Warum?

Lange: Wir sehen aktiv die Arbeit von rund zehn Asset Managern, sehen aber auch die Arbeit von weiteren Anbietern. Dieser Überblick ist viel wert und offenbart in meinen Augen ein enormes Optimierungspotenzial. Das fängt zum Teil bereits bei der Ansprache an und zieht sich mitunter durch alle Bereiche. Ich sehe den ganzen Markt, weiß genau, was gerade gesucht und geboten wird. Diese Möglichkeit hat man als Investor, aber sonst eigentlich nur als Tester. Das reizt. Aber im Grunde gibt es nichts Schöneres als für eine Stiftung tätig zu sein.