private banking magazin: Herr Sievers, Sie verwalten gut 9 Milliarden Euro. Wie entwickelte sich Ihre Kapitalanlage in den vergangenen Jahren mit Niedrigzins, Zinswende, Angriffskrieg, Corona und Co.?
Rainer Sievers: Wir haben eine sehr stetige Entwicklung unserer Kapitalanlage. Das hängt auch damit zusammen, dass wir cash flow rich sind. Das heißt, wir haben noch mehr Einnahmen auf der Beitragsseite, als wie wir Renten auszahlen. Wir haben also einen permanenten Anlagebedarf, der durch Zinseszinseffekt dazu führt, dass die Kapitalanlage exponentiell steigt. Das wird auch noch die nächsten voraussichtlich zehn Jahre so weitergehen.
Haben Sie bereits Rechnung darüber, was sie an Plus haben, weil es durch die Beiträge reinkommt und was Sie haben, einfach weil Sie in der Kapitalanlage gute Arbeit machen?
Sievers: Die Anzahl der Rentner nimmt stetig zu. Uns gibt es seit 1971. Eine Daumenregel besagt: Ein Versorgungswerk wächst so lange, bis es ein gesamtes Mitgliederbeitragsleben plus ein Rentenleben alt ist. So lange ist ein steigendes Volumen zu erwarten. Wir machen ALM-Simulationen weit in die Zukunft und können abschätzen, wie lange der steigende Beitragsüberschuss plus jährliche Renditen anhält. Irgendwann erreicht man einen Steady-State. Solange die Anzahl der Ärzte in Hamburg mit derselben Rate wie die Stadt selbst steigt – 2 Prozent pro Jahr – verlängert sich diese Zeit weiter. Wir haben rund 20.000 Berechtigte und gut 5.000 Rentner.
Da kommt der Standortvorteil der Stadt zum Tragen…
Sievers: Hamburg ist der Magnet im Norden – nicht nur bei Ärzten. Hamburg hat Strahlkraft. Da wir in den kommenden Jahren eher cashflow-reich sind, können wir in illiquide Assets investieren und Illiquiditätsprämien mitnehmen. Das können Lebensversicherer weniger, da dort die Gefahr besteht, dass Beitragszahler ihre Verträge kündigen oder beitragsfrei stellen. Wir sind eine Pflichtversicherung – wer in Hamburg als Arzt tätig ist, muss bei uns versichert sein. Als öffentlich-rechtliche Gesellschaft könnten wir sogar pfänden, wenn jemand nicht bezahlt. Das ermöglicht eine sehr deterministische Cashflow-Struktur über Jahre hinweg - ein Fundament, mit dem ein Versorgungswerk überzeugend auftreten kann.
Auf Ihrer Website heißt es, gute Vorsorge erfordert langfristiges Denken und die Fähigkeit, sich an die Bedürfnisse von morgen anzupassen. Wie füllen Sie dieses Versprechen mit Leben?
Christoph Gerstberger: Wir haben einen langfristigen Blick und auch auf der Passivseite denken wir darüber nach, was könnte in 30, 40, 50 Jahren sein. Deswegen senkten wir beispielsweise 2008 den Rechnungszins von 4 auf 3,5 Prozent. Wir sind vorsichtig mit unseren Prognosen, möchten auf keinen Fall in die Situation kommen, dass wir das, was wir jedes Jahr den Mitgliedern in Aussicht stellen, zurücknehmen müssen. Wir wollen nicht sagen müssen: Tut uns leid, die Rente ist jetzt doch niedriger.
Sie denken langfristig, wissen Sie noch, wann Sie das erste Mal in illiquide Vermögenswerte investiert haben?
Sievers: Wir sind seit über 20 Jahren in Private Equity investiert, fingen auch kurz danach mit Private Debt an. Das letzte große illiquide Investment war Infrastruktur. Da warteten wir erstmal ein bisschen, sind eher konservativ, nie die first mover in einer neuen Assetklasse. Beispielsweise haben wir keine Kryptowährung, das ist noch zu neu.
Wir wollen erst einmal sehen, dass eine Anlageklasse einen Exit ermöglicht. Beispiel Infrastruktur: Eine Brücke können Sie schnell kaufen, aber wie sieht es mit dem Verkauf aus? Da wollen wir von Erfahrungen anderer profitieren. Eine Anlageklasse muss gewachsen sein, Handel muss stattfinden, damit wir einsteigen.
Dieser Artikel richtet sich ausschließlich an professionelle Investoren. Bitte melden Sie sich daher einmal kurz an und machen einige berufliche Angaben. Geht ganz schnell und ist selbstverständlich kostenlos.
private banking magazin: Herr Sievers, Sie verwalten gut 9 Milliarden Euro. Wie entwickelte sich Ihre Kapitalanlage in den vergangenen Jahren mit Niedrigzins, Zinswende, Angriffskrieg, Corona und Co.?
Rainer Sievers: Wir haben eine sehr stetige Entwicklung unserer Kapitalanlage. Das hängt auch damit zusammen, dass wir cash flow rich sind. Das heißt, wir haben noch mehr Einnahmen auf der Beitragsseite, als wie wir Renten auszahlen. Wir haben also einen permanenten Anlagebedarf, der durch Zinseszinseffekt dazu führt, dass die Kapitalanlage exponentiell steigt. Das wird auch noch die nächsten voraussichtlich zehn Jahre so weitergehen.
Haben Sie bereits Rechnung darüber, was sie an Plus haben, weil es durch die Beiträge reinkommt und was Sie haben, einfach weil Sie in der Kapitalanlage gute Arbeit machen?
Sievers: Die Anzahl der Rentner nimmt stetig zu. Uns gibt es seit 1971. Eine Daumenregel besagt: Ein Versorgungswerk wächst so lange, bis es ein gesamtes Mitgliederbeitragsleben plus ein Rentenleben alt ist. So lange ist ein steigendes Volumen zu erwarten. Wir machen ALM-Simulationen weit in die Zukunft und können abschätzen, wie lange der steigende Beitragsüberschuss plus jährliche Renditen anhält. Irgendwann erreicht man einen Steady-State. Solange die Anzahl der Ärzte in Hamburg mit derselben Rate wie die Stadt selbst steigt – 2 Prozent pro Jahr – verlängert sich diese Zeit weiter. Wir haben rund 20.000 Berechtigte und gut 5.000 Rentner.
Da kommt der Standortvorteil der Stadt zum Tragen…
Sievers: Hamburg ist der Magnet im Norden – nicht nur bei Ärzten. Hamburg hat Strahlkraft. Da wir in den kommenden Jahren eher cashflow-reich sind, können wir in illiquide Assets investieren und Illiquiditätsprämien mitnehmen. Das können Lebensversicherer weniger, da dort die Gefahr besteht, dass Beitragszahler ihre Verträge kündigen oder beitragsfrei stellen. Wir sind eine Pflichtversicherung – wer in Hamburg als Arzt tätig ist, muss bei uns versichert sein. Als öffentlich-rechtliche Gesellschaft könnten wir sogar pfänden, wenn jemand nicht bezahlt. Das ermöglicht eine sehr deterministische Cashflow-Struktur über Jahre hinweg - ein Fundament, mit dem ein Versorgungswerk überzeugend auftreten kann.
Auf Ihrer Website heißt es, gute Vorsorge erfordert langfristiges Denken und die Fähigkeit, sich an die Bedürfnisse von morgen anzupassen. Wie füllen Sie dieses Versprechen mit Leben?
Christoph Gerstberger: Wir haben einen langfristigen Blick und auch auf der Passivseite denken wir darüber nach, was könnte in 30, 40, 50 Jahren sein. Deswegen senkten wir beispielsweise 2008 den Rechnungszins von 4 auf 3,5 Prozent. Wir sind vorsichtig mit unseren Prognosen, möchten auf keinen Fall in die Situation kommen, dass wir das, was wir jedes Jahr den Mitgliedern in Aussicht stellen, zurücknehmen müssen. Wir wollen nicht sagen müssen: Tut uns leid, die Rente ist jetzt doch niedriger.
Sie denken langfristig, wissen Sie noch, wann Sie das erste Mal in illiquide Vermögenswerte investiert haben?
Sievers: Wir sind seit über 20 Jahren in Private Equity investiert, fingen auch kurz danach mit Private Debt an. Das letzte große illiquide Investment war Infrastruktur. Da warteten wir erstmal ein bisschen, sind eher konservativ, nie die first mover in einer neuen Assetklasse. Beispielsweise haben wir keine Kryptowährung, das ist noch zu neu.
Wir wollen erst einmal sehen, dass eine Anlageklasse einen Exit ermöglicht. Beispiel Infrastruktur: Eine Brücke können Sie schnell kaufen, aber wie sieht es mit dem Verkauf aus? Da wollen wir von Erfahrungen anderer profitieren. Eine Anlageklasse muss gewachsen sein, Handel muss stattfinden, damit wir einsteigen.
Bei Bitcoin und Co. hat man das Gefühl, dass Multimilliardäre wie Trump und Musk die Kurse beeinflussen, wenn nicht sogar bestimmen können. Was muss geschehen, damit Sie Kryptowährungen mittelfristig als seriöse und damit investierbare Anlageklasse ansehen?
Gerstberger: Wir investieren ungern in Anlageklassen, bei denen die Wertentwicklung nicht von laufenden Erträgen, sondern von Spekulation getragen wird. Insofern tun wir uns mit Kryptowährungen schwer.
Wenn Sie sich eine neue Anleiheklasse angucken, jetzt Infrastruktur, sprechen Sie mit Asset-Managern oder tauschen Sie sich auf Treffen mit anderen Versorgungswerken und weiteren institutionellen Investoren aus?
Sievers: In erster Linie mit unserem Investment Consultant. Das ist die Firma RMC aus Köln. Bei der Infrastruktur kam der Impuls von uns. Nach einem intensiven Austausch kamen wir zu der Erkenntnis, dass die Anlageklasse etabliert und dabei renditeträchtig ist. Wir entschieden uns dann für Macquarie, einen der größten Infrastrukturmanager, sind also auch eher vorsichtig, nehmen kein kleines Startup, das erst kurz existiert. Die Fondsmanager bewiesen bereits, dass sie die Strecke von Start bis Exit gehen können. Wir sammelten nun Erfahrungen und sind im permanenten Aufbau, wollen den Anteil an Infrastruktur im Portfolio auf 7,5 Prozent erhöhen.
Macquarie ist einer der Weltmarktführer. Für eine Zusammenarbeit muss in der Regel eine gewisse Ticketgröße gestemmt werden, gab es Anlaufschwierigkeiten?
Gerstberger: Ein Ticket ist bei uns immer mindestens 50 Millionen Euro schwer. Unter ein Prozent unseres Portfolios zu investieren, macht keinen großen Sinn. Und insofern stiegen wir in mehrere Macquarie-Fonds mit jeweils 50 Millionen ein, die in Europa und den USA investieren. Zusätzlich haben wir kürzlich einen individuellen Dachfondsmanager beauftragt, der Infrastruktur-Fondsinvestments identifiziert und uns als Mitinvestor einbringt. Das wollen wir, um einen diversifizierte Gesamtanlage zu erreichen. Übrigens, unser erstes Private-Equity-Investment war 1998, sogar noch vor meiner Zeit.
Was ist aus dem Investment geworden?
Gerstberger: Der Fonds existiert noch heute und ist unser größter Ertragsbringer. Wir wechselten dann nach zwei Jahren den Manager, sind zur LGT und der Fonds hat Stand heute 270 Zielfonds Investments und ist in über 6.000 Unternehmen investiert.
Seit einigen Jahren läuft es im Private-Equity-Markt nicht mehr so reibungslos…
Gerstberger: Private Equity hat ja den Ruf riskanter zu sein als Aktien. Das können wir nicht bestätigen. Unser Private Equity-Fonds hat eine geringere Volatilität als die Aktienmärkte und erwirtschaftet bessere Ergebnisse. Allerdings sind wir auch seit 20 Jahren aus den anfänglichen J-Curve-Verlusten heraus und die Rückzahlungen alter Fonds finanzieren nun die Abrufe der jüngeren Fonds.