private banking magazin: Die EZB hat den Zinssatz gesenkt, die Fed könnte diesem Beispiel folgen. Welche Auswirkungen könnte dies auf festverzinsliche Wertpapiere haben?
Jack Stephenson: Wir gehen davon aus, dass die Fed folgen wird. Da wir aber die US-Wirtschaft positiver einschätzen, erwarten wir in diesem Jahr weniger Zinssenkungen in den USA als in Europa. Auf festverzinsliche Wertpapiere könnten sich Zinssenkungen im Allgemeinen in dreifacher Hinsicht auswirken. Viele Anleger haben nach den vergangenen Jahren einen hohen Anteil an Barmitteln oder gleichwertigen Anlagen in ihren Portfolios – was bei steigenden Zinsen eine attraktive Strategie war. Da wir nun allerdings mit sinkenden Zinsen rechnen, könnten Bargeldanlagen einem gewissen Wiederanlagerisiko ausgesetzt sein. Denn der Zinssatz, zu dem Schuldverschreibungen (T-Bills) verlängert werden, könnte jedes Mal niedriger sein. Unserer Ansicht nach führt das dazu, dass Anleger nach Möglichkeiten suchen werden, diese Barmittel einzusetzen. Festverzinsliche Anlagen bieten dabei im aktuellen Umfeld ein attraktives Risiko-Ertrags-Verhältnis.
Welche Auswirkungen haben Zinssenkungen auf die Rendite?
Stephenson: Die Zinssenkungen dürften zu einer Verschiebung der Renditekurve führen. Diese ist flach geblieben und hat sich sogar umgekehrt, als die kurzfristigen Zinserwartungen hoch geblieben sind. Wenn die Zinsen gesenkt werden, erwarten wir, dass das vordere Ende der Kurve stärker fällt als das lange Ende, was die Kurve moderat steiler machen könnte. Dies könnte wiederrum einige Anleger dazu veranlassen, auf längere Laufzeiten umzusteigen, wenn das vordere Ende das lange Ende nicht mehr „übertrumpfen“ kann.
Wie ist die Stimmung der Anleger in diesem Spannungsfeld?
Stephenson: Die Zinssenkungen wurden aufgeschoben, weil die Inflation – insbesondere der Kern-Verbraucherpreisindex – nach wie vor hartnäckig ist, was wiederum die Stimmung der Anleger und ihre Risikobereitschaft gedämpft hat. Die Fed hat deutlich gemacht, dass sie mehr Anzeichen für eine Annäherung der Inflation an ihr Zwei-Prozent-Ziel sehen will, bevor sie eine Zinssenkung in Erwägung zieht. Eine Zinssenkung dürfte dem Markt signalisieren, dass sich die Inflation in die richtige Richtung bewegt. Das könnte wiederum bei Anlegern für das nötige Vertrauen sorgen, ihre Risikobereitschaft zu erhöhen und auf Anlageklassen wie High Yield zu setzen, die auf dem heutigen Markt hohe Gesamtrenditen und eine attraktive Risikoentschädigung bieten.
Viele Menschen sprechen über die bevorstehenden Wahlen und damit einhergehende Risiken für die Märkte. Glauben Sie, dass sie Auswirkungen auf festverzinsliche Wertpapiere haben wird?
Stephenson: Die Fed agiert mit ihrer Geldpolitik ausdrücklich unabhängig von der Regierung, doch der Wahlausgang kann sich natürlich auf Bereiche der Binnenwirtschaft wie etwa Steuern, Investitionen und Migration sowie Außenpolitik auswirken. Und das alles kann natürlich auch die Märkte im Allgemeinen beeinflussen, einschließlich der Rentenmärkte.
Dieser Artikel richtet sich ausschließlich an professionelle Investoren. Bitte melden Sie sich daher einmal kurz an und machen einige berufliche Angaben. Geht ganz schnell und ist selbstverständlich kostenlos.
private banking magazin: Die EZB hat den Zinssatz gesenkt, die Fed könnte diesem Beispiel folgen. Welche Auswirkungen könnte dies auf festverzinsliche Wertpapiere haben?
Jack Stephenson: Wir gehen davon aus, dass die Fed folgen wird. Da wir aber die US-Wirtschaft positiver einschätzen, erwarten wir in diesem Jahr weniger Zinssenkungen in den USA als in Europa. Auf festverzinsliche Wertpapiere könnten sich Zinssenkungen im Allgemeinen in dreifacher Hinsicht auswirken. Viele Anleger haben nach den vergangenen Jahren einen hohen Anteil an Barmitteln oder gleichwertigen Anlagen in ihren Portfolios – was bei steigenden Zinsen eine attraktive Strategie war. Da wir nun allerdings mit sinkenden Zinsen rechnen, könnten Bargeldanlagen einem gewissen Wiederanlagerisiko ausgesetzt sein. Denn der Zinssatz, zu dem Schuldverschreibungen (T-Bills) verlängert werden, könnte jedes Mal niedriger sein. Unserer Ansicht nach führt das dazu, dass Anleger nach Möglichkeiten suchen werden, diese Barmittel einzusetzen. Festverzinsliche Anlagen bieten dabei im aktuellen Umfeld ein attraktives Risiko-Ertrags-Verhältnis.
Welche Auswirkungen haben Zinssenkungen auf die Rendite?
Stephenson: Die Zinssenkungen dürften zu einer Verschiebung der Renditekurve führen. Diese ist flach geblieben und hat sich sogar umgekehrt, als die kurzfristigen Zinserwartungen hoch geblieben sind. Wenn die Zinsen gesenkt werden, erwarten wir, dass das vordere Ende der Kurve stärker fällt als das lange Ende, was die Kurve moderat steiler machen könnte. Dies könnte wiederrum einige Anleger dazu veranlassen, auf längere Laufzeiten umzusteigen, wenn das vordere Ende das lange Ende nicht mehr „übertrumpfen“ kann.
Wie ist die Stimmung der Anleger in diesem Spannungsfeld?
Stephenson: Die Zinssenkungen wurden aufgeschoben, weil die Inflation – insbesondere der Kern-Verbraucherpreisindex – nach wie vor hartnäckig ist, was wiederum die Stimmung der Anleger und ihre Risikobereitschaft gedämpft hat. Die Fed hat deutlich gemacht, dass sie mehr Anzeichen für eine Annäherung der Inflation an ihr Zwei-Prozent-Ziel sehen will, bevor sie eine Zinssenkung in Erwägung zieht. Eine Zinssenkung dürfte dem Markt signalisieren, dass sich die Inflation in die richtige Richtung bewegt. Das könnte wiederum bei Anlegern für das nötige Vertrauen sorgen, ihre Risikobereitschaft zu erhöhen und auf Anlageklassen wie High Yield zu setzen, die auf dem heutigen Markt hohe Gesamtrenditen und eine attraktive Risikoentschädigung bieten.
Viele Menschen sprechen über die bevorstehenden Wahlen und damit einhergehende Risiken für die Märkte. Glauben Sie, dass sie Auswirkungen auf festverzinsliche Wertpapiere haben wird?
Stephenson: Die Fed agiert mit ihrer Geldpolitik ausdrücklich unabhängig von der Regierung, doch der Wahlausgang kann sich natürlich auf Bereiche der Binnenwirtschaft wie etwa Steuern, Investitionen und Migration sowie Außenpolitik auswirken. Und das alles kann natürlich auch die Märkte im Allgemeinen beeinflussen, einschließlich der Rentenmärkte.
Den Umfragen messen wir zum jetzigen Zeitpunkt nicht allzu viel Bedeutung bei. Diese zeigen zwar einen leichten Vorsprung für Trump, aber spiegeln eher die Einschätzung der Wähler über den Amtsinhaber wider als die Vor- und Nachteile beider Kandidaten.
Was hätte den einen Einfluss auf die Märkte?
Stephenson: Die Zusammensetzung des Kongresses könnte von großer Bedeutung für den Spielraum sein, den beide Kandidaten bei der Umsetzung ihrer Politik hätten. Es sieht so aus, als ob der Senat eher den Republikanern zugeneigt ist, während das Repräsentantenhaus in der Regel mit den Ansichten des Präsidenten übereinstimmt. Das bedeutet, dass Trump im Falle eines Wahlsiegs einen geeinten Kongress hinter sich hätte, während Biden sich mit einem gemischten Kongress auseinandersetzen müsste. Das wird sich auf die Politikgestaltung auswirken.
Und wenn Trump am Ende doch gewinnt...
Stephenson: Wenn Trump gewinnt, könnten neue Zölle und Handelskriege das größte Wirkungspotenzial für die Wirtschaft entfachen – was sich negativ auf das BIP auswirken würde. Ebenfalls steht die Frage im Raum, ob er die Ende 2024 auslaufenden Steuersenkungen im Rahmen des TCJA (Tax Cuts and Jobs Act) verlängern würde, was mit hohen Kosten verbunden wäre. Der Markt ist bereits sehr wachsam in Bezug auf das US-Haushaltsdefizit und allein diese Verbindlichkeit würde ein Risiko für den Ausverkauf von US-Staatsanleihen darstellen. Darüber hinaus hat die Wahl das Potential, sich auch auf die geopolitischen Spannungen auszuwirken, was wir sorgfältig beobachtet werden müssen.