Alternative Anlageklassen sind in den vergangenen Jahren durchaus wichtiger geworden, allerdings fließen Sie nicht in die GIPS-Umsetzung bei Feri ein. Warum nicht?
Schmidt-von Rhein: Das hat hauptsächlich damit zu tun, dass es trotz unserer Private-Markets-Volumina jeweils sehr individuelle Konzepte sind, die sich schlecht zu einheitlichen Strategien aggregieren lassen. Schließlich müssten wir etwa auch die Vintage-Jahre beachten, weil die Fonds selbst mit gleicher Anlagekonzeption zu unterschiedlichen Marktbedingungen geöffnet und geschlossen werden. Außerdem ist natürlich ein Vergleich zur Benchmark im illiquiden Bereich schwierig. Das ist im liquiden Bereich anders.
Ist das Verständnis für Private Equity trotzdem besser geworden?
Zenz-Spitzweg: Zumindest auf dem deutschen Markt ist dieser Prozess durchaus zu beobachten, die Anlageklasse wird populärer. Vor zehn Jahren hätten sich viele mit einer Beschreibung schwergetan. Inzwischen wurde entmystifiziert, was Private Equity überhaupt ist.
Was braucht es, damit ein Standard wie GIPS flächendeckend genutzt oder anerkannt wird? In Sachen Nachhaltigkeit ist immer noch vieles unklar, beim GIPS-Tag wird das Thema ebenfalls diskutiert werden.
Schmidt-von Rhein: Das ist eine sehr gute Frage. In Wirklichkeit ist Nachhaltigkeit ja nicht nur nicht eindeutig definiert, sondern deckt eine Vielzahl unterschiedlicher Schwerpunkte und Ausrichtungen ab. Es gibt zum einen die Dimensionen Umwelt, Soziales und Unternehmensführung im Sinne von ESG, aber zum anderen auch die Dimensionen unterschiedlicher Anlagestrategien: Ausschlusskriterien, Best-in-class oder Impact beispielsweise. Wenn Sie mich also jetzt fragen, wer in so einem Umfeld einen Standard setzen kann, dann ist in erster Linie der europäische Regulator zu nennen, weil er bestimmte Dinge, wie zum Beispiel das Verständnis für nachhaltige Investitionen über eine EU-Taxonomie, vereinheitlicht. Und: Alle müssen dem folgen. Das diffundiert von den Anbietern über die Mifid-Regelungen in die Investorenschaft hinein. Sogar Unternehmen müssen entsprechende Kennzahlen berichten. Der Dschungel der verschiedensten ESG-Interpretationen lichtet sich so ein wenig.
Bleiben wir beim Bild des Nachhaltigkeits-Dschungels: Reicht die europäische Machete denn Anbietern wie Ihnen schon aus, um den Weg im grünen Dickicht freizukämpfen?
Schmidt-von Rhein: Viele Grundzüge der europäischen Regulatorik sind inzwischen schon relativ klar, viele Details aber noch nicht. Da wird es relativ schnell komplex. Bisher hat der Regulator noch keine richtigen Mindestanforderungen an nachhaltiges Investmentmanagement gesetzt. Das könnte aber durchaus Gegenstand der Überlegungen sein. Und damit könnten in Zukunft auch noch weitere, inhaltliche Vorgaben in Kraft treten.
„Wir wollen ein langfristiges und profitables Geschäft, deshalb kaufen wir uns keine Kunden ein.“
Apropos Zukunft: Wie stellt sich Feri künftig auf?
Zenz-Spitzweg: Feri kommt aus einer guten Position am Markt. Wir wollen daraus intelligent wachsen – und das geht Hand in Hand mit dem Thema Personal. Dabei setzen wir auch auf eine höhere Ertragskraft. Wir wollen ein langfristiges und profitables Geschäft, deshalb kaufen wir uns keine Kunden ein. Obwohl letzteres durchaus ein Trend ist, der am Markt sichtbar wird: Häuser wollen des Wachstums wegen wachsen. Das ist nichts, was uns interessiert. Ein Fokus von uns liegt auf interner Digitalisierung. Zudem prüfen wir auf Investmentseite neue Anlageklassen, die für unsere Kunden interessant sind. Dazu zählen möglicherweise auch Krypto- und Blockchain-Assets.
Welche Rolle spielen in Zukunft die GIPS-Standards für die Branche?
Schmidt-von Rhein: Natürlich bleibt GIPS ein freiwilliger Standard. Aber dazu sollte jeder bereit sein, der von seinen Strategien und Prozessen überzeugt ist. Ein Nicht-Ausweis ist aber eben auch eine Aussage. Als Ausnahme davon sehe ich nur kleinere Vermögensverwalter – denn für sie ist GIPS eine berechtigte Frage des Aufwands. Alleine die Datenbasis und das System für die Ermöglichung solcher Analysen hat aus Kosten-Nutzen-Gründen nicht jeder Vermögensverwalter. Ich würde mir trotzdem wünschen, dass GIPS ein weit verbreiteter Standard wird – wie es im institutionellen Bereich der Fall ist.
Die Anmeldung und weitere Informationen zum 16. GIPS-Tag am 8. Juni in finden Sie hier. Schwerpunktthema ist dieses Jahr Nachhaltigkeit – die auch die GIPS-Standards verändert. Die Veranstaltung findet am 8. Juni ab 9 Uhr beim BVI in Frankfurt am Main statt.
Über die Interviewten:
Andreas Schmidt-von Rhein ist seit 2014 als Geschäftsführer für das operative Geschäft und die Investmentservices verantwortlich. Seine berufliche Laufbahn begann Schmidt-von Rhein 1996 in der Oppenheim Research GmbH. 1998 entstand unter seiner Leitung die Abteilung Portfolioanalyse, die in den Folgejahren für die Oppenheim Vermögensverwaltung in Deutschland und Luxemburg ausgebaut und 2005 um den Bereich Risikomanagement ergänzt wurde.
Patrick Zenz-Spitzweg verantwortet seit 2020 als Geschäftsführer den Bereich private Kunden bei Feri Trust. Zenz-Spitzweg war zuvor über acht Jahre im Wealth Management der Schweizer Privatbank Pictet tätig und zuletzt Leiter Wealth Management am Standort Frankfurt. Davor war der promovierte Betriebswirt von 2007 bis 2012 bei der UBS ebenfalls im Wealth Management tätig.
