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In diesem Jahr feiert Honestas sein 20-jähriges Bestehen und Sie haben mit Cinerius einen neuen Partner an Bord geholt. Ist das für Sie vor allem ein Jubiläumsmoment oder der bewusste Start in eine neue Entwicklungsphase?
Carolin Tsalkas: Es ist ganz klar der bewusste Start in ein neues Kapitel. Das 20-jährige Bestehen von Honestas ist für uns ein besonderer Moment, der uns dankbar und stolz macht. Honestas ist unser Lebenswerk, aufgebaut mit viel Mut und Herzblut.
Unternehmertum bedeutet für uns, nach vorn zu denken und rechtzeitig die richtigen Weichen zu stellen. Wir sind beide 50 Jahre jung, haben große Freude an der Arbeit mit unseren Mandanten und brennen für Honestas wie am ersten Tag. Mit Cinerius schaffen wir zusätzlichen Rückhalt im Hintergrund, damit wir weiter wachsen können. Mit derselben Haltung, derselben Nähe zu den Familien und einem noch tragfähigeren Fundament für die Zukunft.
Stefan Kirchner: Es ist ein klarer Aufbruch. Wir sind Unternehmer durch und durch. Für uns war entscheidend, dass wir Teil einer Gruppe werden, die ebenso denkt und agiert wie wir und die Weiterentwicklung erfolgreicher Häuser unterstützt. Für Cinerius ist Honestas der erste Partner mit Sitz in Norddeutschland und ein etablierter Vermögensverwalter mit langjährig gewachsenen Kundenbeziehungen und Multi-Family-Office-Kompetenz. Das zeigt auch, welchen Stellenwert unser Geschäftsmodell, unser Netzwerk und unsere Beratungskultur in dieser Partnerschaft haben. Mit der zusätzlichen Stärke sind wir bereit für die nächste Wachstumsphase.
Sie beide haben Honestas über zwei Jahrzehnte sehr stark über Persönlichkeit, Haltung und Nähe zu den Mandanten aufgebaut. Wie gelingt es, diese DNA in eine größere Struktur zu übertragen?
Tsalkas: Honestas ist durch Diskretion, Verlässlichkeit und ein sehr persönliches Verständnis für die Familien gewachsen – und nahezu ausschließlich aus Weiterempfehlungen. Die Wahrung dieser Werte ist für uns unerlässlich.
Kirchner: Für mich ist dieser Schritt eine konsequente Weiterentwicklung. Wenn man ein Unternehmen langfristig denkt, schafft man Strukturen, die über die Gründer hinaus tragfähig sind und zugleich die unternehmerische Handschrift sichern. Wir haben verschiedene Optionen geprüft. Das Cinerius-Modell hat uns überzeugt, weil es unternehmerische Freiheit, leistungsfähige Infrastruktur und langfristige Entwicklung miteinander verbindet.
Die größere Struktur unterstützt uns im weiteren Wachstum bei Themen wie Technologie und Regulierung. Die Mandantenbeziehung, die Investmentphilosophie und die Steuerung von Honestas bleiben bei uns. Genau diese Kombination macht den Schritt für uns so wertvoll.
Cinerius spricht von unternehmerischer Freiheit innerhalb der Gruppe. Aber: Kann ein Family Office unabhängig bleiben, wenn es Teil einer Holding-Struktur wird?
Kirchner: Ja, wenn die Struktur richtig gebaut ist. Für uns bedeutet Unabhängigkeit, dass wir unsere Investmentphilosophie fortführen, frei im Interesse unserer Mandanten beraten und Honestas weiter unternehmerisch steuern können. Diese Kombination aus Eigenständigkeit und zusätzlicher Stärke war für uns der entscheidende Punkt.
Tsalkas: Geld ist wie ein scheues Reh. Unsere Kunden spüren sehr genau, ob Haltung, Beratung und Vertrauen zusammenpassen. Deshalb war für uns entscheidend, dass die Nähe zu den Familien und unsere Art der Beratung fortbestehen. Honestas bleibt auch in der neuen Struktur das, was unsere Mandanten seit vielen Jahren kennen: persönlich, absolut verbindlich und unabhängig in der Beratung. Für die von uns begleiteten Familien bedeutet das vor allem mehr Zukunftssicherheit.
Wie haben Ihre Mandanten auf den Einstieg von Cinerius reagiert und welche Fragen standen in den ersten Gesprächen im Vordergrund?
Tsalkas: Viele unserer Mandanten sind selbst Unternehmer. Sie verstehen, dass man eine Organisation nicht nur für den Moment führt, sondern für die nächste Generation mitdenken muss. Wichtig war für sie vor allem: Bleiben die Ansprechpartner? Bleibt das Team? Bleiben Philosophie, Konditionen und Verträge bestehen? Genau das konnten wir klar beantworten: ja.
Kirchner: In den Gesprächen ging es vor allem um Kontinuität und konkrete Auswirkungen. Was sich verbessert, ist die Infrastruktur im Hintergrund – etwa im Bereich Regulierung und Technologie.
Honestas steht wirtschaftlich stark da und ist über viele Jahre gewachsen. Warum war gerade jetzt der richtige Zeitpunkt, die nächste unternehmerische Phase einzuleiten?
Kirchner: Weil man strategische Entscheidungen dann treffen sollte, wenn man aus Stärke heraus gestalten kann. Wir haben diesen Prozess begonnen, weil Honestas wächst und wir das Unternehmen langfristig wetterfest aufstellen wollen.
Die ersten Überlegungen kamen 2023 auf. Honestas ist in diesem Jahr deutlich gewachsen. Für uns stellte sich die unternehmerische Frage: Bleiben wir bewusst kleiner oder schaffen wir die Strukturen, um weiteres Wachstum professionell zu begleiten?
Der Markt bietet uns Chancen. Wir sehen das Interesse von erfahrenen Teams aus dem Private Banking, gleichzeitig verändern KI, Regulierung, Reporting und Infrastruktur die Branche massiv. All das braucht Investitionen, Know-how und zusätzliche Kapazitäten im Hintergrund. Mit Cinerius können wir diese nächste Wachstumsphase strukturiert angehen und gleichzeitig unseren Fokus dort halten, wo er hingehört: bei unseren Mandanten.
Die Anforderungen an Vermögensverwalter und Family Offices steigen deutlich – von Regulierung über Digitalisierung bis hin zu Reporting, IT-Sicherheit und Infrastruktur. Was muss in diesen Bereichen heute geleistet werden, um Mandanten langfristig auf höchstem Niveau zu begleiten?
Tsalkas: Ein moderner Vermögensverwalter sowohl als auch Family Office muss zwei Dinge gleichzeitig können: sehr persönlich beraten und im Hintergrund hochprofessionell funktionieren.
Mandanten sehen Geldwäscheprävention, Datenschutz, DORA, Organisationshandbücher, Revisionsberichte oder interne Richtlinien nicht im Alltag – aber diese Themen müssen absolut sauber laufen. Die von uns begleiteten Familien erwarten exzellente Betreuung, gute Zugänge, Verlässlichkeit und ein wettbewerbsfähiges Pricing. Dafür braucht es heute eine Infrastruktur, die deutlich anspruchsvoller ist als noch vor zehn oder zwanzig Jahren.