Interview mit Aquila Capital und der Berliner Sparkasse „Kein Kunde fragt nach einem Eltif“

Christian Humlach (l.) und Klaus Kramer

Christian Humlach (l.) und Klaus Kramer Bildquelle: Aquils Capital

private banking magazin: Die Kündigungsfristen des AC One Planet Eltif sollen denen offener Immobilienfonds ähneln – die zuletzt saftige Mittelabflüsse und Abwertungen hinnehmen mussten. Sind illiquide Anlagen eine gute Idee für Privatkunden?

Klaus Kramer: Wenn wir jedem Anleger klar kommunizieren, dass es eben illiquide Investments sind. Diese Anlageklassen haben einen Diversifikationswert, stiften einen portfoliotheoretischen Nutzen. Und das schafft der Eltif besser, als es geschlossene Fonds in der Vergangenheit geschafft haben.

Christian Humlach: Anleger investieren mit Eltifs und offenen Immobilienfonds langfristig, müssen daher auch längerfristig auf Liquidität verzichten können. Die Frage ist: Wie lang ist „lang“?

Privatanleger und institutionelle Anleger haben auf diese Frage unterschiedliche Antworten.

Humlach: Das stimmt. Viele offene Immobilienfonds sind zusammengebrochen, weil einige institutionelle Investoren durch ihren gleichzeitigen Rückzug die Fonds konsolidiert haben. Also hatten die Probleme der Vergangenheit weniger mit dem Liquiditätskonzept oder den Strukturen wie dem Eltif oder offenen Immobilienfonds zu tun, sondern mit der falschen Anlegerstruktur.

Welche Anlegerstruktur ist für einen Eltif sinnvoll?

Humlach: Etwa 50 bis 60 Prozent Private-Banking-Kunden, ergänzt durch einige institutionelle Investoren, die das Konzept verstehen und die Chance nutzen, antizyklisch zu investieren. Aber natürlich auch Stiftungen und auch der eine oder andere kleinere Anleger.

Und wenn es dennoch ruckelt?

Humlach: Erst dann ist das Liquiditätsmanagement entscheidend: Zunächst verrechnen wir Mittelzuflüsse und -abflüsse. Dann nutzen wir die Liquidität im Fonds – wir halten circa 5 bis 7 Prozent Liquidität, obwohl wir regulatorisch vollständig investiert sein könnten. Als Nächstes kommen kurzfristige Finanzierungsmittel zum Einsatz. Wenn wir beispielsweise einen Solarpark im Bau finanzieren, läuft diese Finanzierung nach etwa zwei Jahren aus und wird durch Eigenkapital abgelöst – das schafft Liquidität. Theoretisch könnten wir auch auf Fondsebene Leverage aufnehmen, um Auszahlungen an Anleger zu finanzieren, bevor wir tatsächlich Assets verkaufen müssen.

Kramert: Diese Szenarien haben wir bei der Wahl der Produktpartner durchgespielt. Es ist auch die wichtigste Managementaufgabe des Produzenten, sowohl für eine ausgewogene Mischung in der Kundenstruktur zu sorgen, als auch ein effizientes Liquiditätsmanagement sicherzustellen.

Ihre Aufgabe ist dagegen, den Eltif in Private-Banking-Portfolios zu integrieren. Wie viel Eltif verträgt so ein Portfolio?

Kramer: Darauf gibt es keine pauschale Antwort. Aber: Alternative Asset-Klassen wie Infrastruktur haben einen stabilisierenden Effekt auf die Schwankungsbreite eines Portfolios. Sie glätten im Sinne von Markowitz die Portfolioschwankungen und verbessern die Effizienzlinie. Sie helfen Portfolios auch in kleineren Dosen.

Humlach: Schauen wir auf große Endowment-Stiftungen wie Yale oder Harvard: Die haben zwischen 30 und 50 Prozent Private-Markets-Investments. Privatmarkt-Anlagen an sich sollten also grundsätzlich auch für Privatkunden sinnvoll sein.

 

Stiftungen sind auf die Ewigkeit ausgelegt.

Kramer: Deswegen empfehlen wir für Privatanleger eher eine Richtgröße von 10 Prozent. Der Eltif ist dabei Teil unserer Beratungsmandate. Er fungiert also als ergänzender Baustein, zum Beispiel neben einer liquiden Vermögensverwaltung und anderen Asset-Klassen wie Immobilien.

Das heißt auch: Die Berater müssen das Produkt erklären. Wie bereiten Sie sie darauf vor?

Kramer: Die Eigenart verschiedener Asset-Klassen mit unterschiedlichen Fristigkeiten ist nichts Neues. Wie sind die Cashflows? Welche Rendite kann ich erwarten? Schwankt beides? Diese inhaltlichen Themen sind mindestens genauso anspruchsvoll zu vermitteln wie die Details zu Liquidität und Rückgabemöglichkeiten. Neu ist aber der Eltif als Vehikel. Deshalb investieren wir weiterhin viel in die fachliche Qualifizierung unserer Berater.

Humlach: Da die Fonds im Advisory-Geschäft landen, wird die Beratung aufwändiger. Die Skepsis gegenüber der Struktur selbst besteht hauptsächlich bei den Beratern, nicht beim Endkunden. Besonders die ältere Generation der Berater hat Schwierigkeiten mit geschlossenen Fonds erlebt, etwa zwischen 2000 und 2012. Durch die AIFM-Richtlinie und die Mifid-Regulierung wurde aber inzwischen Kostentransparenz geschaffen – die zweistelligen Provisionen von früher sind heute nicht mehr zu sehen. Die Eltif-Verordnung schützt Anleger zusätzlich.

Herr Kramer, Sie haben sich für einen Eltif mit Fokus auf erneuerbare Energien entschieden. Sollen andere Schwerpunkte folgen?

Kramer: Wir werden definitiv weitere Anlageklassen aufnehmen. Wir haben für den Anfang bewusst einen Schwerpunkt im Zusammenhang mit dem Klimaschutz gesetzt. Es geht darum, welche Möglichkeiten Privatkunden – auch sehr vermögende – haben, über die Installation von Photovoltaik auf dem eigenen Dach hinaus aktiv zu werden.

Kommt die Initiative für Eltifs aber nicht eher von der Anbieterseite als von Anlegern?

Kramer: Kein Kunde fragt explizit nach einem Eltif – es geht um den Inhalt. Als Berater ist es deshalb wichtig, Nachhaltigkeit mit Renditeerwartungen zu verknüpfen und zu zeigen, wie klassische Vermögensanlage – Substanzerhaltung, Vermögensaufbau – mit ESG-Werten kombiniert werden kann.

 

Welche Performance erwarten Sie denn bei Ihrem Eltif?

Humlach: Etwa 5 bis 6 Prozent pro Jahr nach Kosten, allerdings mit deutlich stabileren Entwicklungen und Ausschüttungen als am Aktienmarkt. Diese Nettorendite entspricht dem, was die Anlageklasse in einer konservativen Ausrichtung hergibt: Wind, Sonne, Wasserkraft, große Batteriespeicher. Wir diversifizieren dabei regional, aber in entwickelten Ländern und über verschiedene Technologien.

Illiquide Assets kosten naturgemäß mehr. Sind Kunden bereit, für einen Eltif mehr zu zahlen als für den Aktien-ETF?

Humlach: Nutzen und Aufwand sind hier entscheidend. Bei Sachwerten wie Infrastruktur benötige ich aufwändige Kauf- und Verkaufsverträge und intensive Prüfprozesse. Die Transparenz ist inzwischen durch die regulatorischen Vorgaben gesichert. Alle Kosten landen im Prospekt und im Basisinformationsblatt.

Kleiner Ausblick auf die Privatmarkt-Anlagen zum Schluss: Holt der deutsche Markt mit dem Eltif im Vergleich zum angelsächsischen Markt auf?

Kramer: Der Markt wird dynamischer, besonders seit der Eltif-Novelle. Auffällig ist, dass im übrigen Europa bereits eine deutlich höhere Anbieter- und Produktdichte existiert als in Deutschland.

Humlach: In Deutschland haben wir eher ein Oligopol im Bereich Sachwerte und Privatmärkte. Die Anbieter kommen erstmals nach 10 oder 20 Jahren wieder in den Privatkundenmarkt. Bis jetzt fehlte einfach das passende Vehikel. Den Eltif können Anbieter aber in ganz Europa vertreiben, was zu größerem Volumen, mehr Diversifikation und günstigeren Kosten führt. Auch die großen institutionellen Private-Markets-Manager erkennen jetzt, dass eine diversifizierte Kundenbasis inklusive Privatkunden vorteilhaft ist. Die Frage ist, wie das in den einzelnen Ländern angenommen und umgesetzt wird.


Über die Interviewten: 

Klaus Kramer leitet das Private Banking bei der Berliner Sparkasse. Seit 2011 führt er das Geschäft mit vermögenden Kunden bei dem Institut aus der Hauptstadt, das zu den größten Sparkassen Deutschlands gehört und eine Historie als Landesbank hat.

Christian Humlach leitet die Beratung der Wholesale-Kunden von Aquila Capital. In seiner beruflichen Laufbahn arbeitete er unter anderem für die UBS, Principal Global Investors und Legg Mason. Dort war er in unterschiedlichen Führungsfunktionen vornehmlich im Vertrieb tätig.

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