Reaktionen Norwegischer Staatsfonds und weitere Institutionelle wenden sich von Russland ab

Nicolai Tangen, Chef des Staatsfonds von Norwegen, vollzog eine Kehrtwende

Nicolai Tangen, Chef des Staatsfonds von Norwegen, vollzog eine Kehrtwende: „Wenn Sie glauben, dass ein Ausstieg aus Russland den russischen Oligarchen schadet, wird das Gegenteil passieren“, sagte er noch in der vergangenen Woche. Foto: Norges Bank

Infolge des Angriffskriegs, den Russland gegen die Ukraine führt, hat der Norwegische Staatsfonds bekanntgegeben, alle seine russischen Anlagen abzustoßen. Zum Jahresende 2021 hielt er nach Regierungsangaben Wertpapiere mit einem Volumen von 2,33 Milliarden Euro. Dabei handle es sich um die Anteile an 47 Unternehmen und um Staatsanleihen. Nicolai Tangen, Chef des Fonds, änderte damit seine Meinung. Noch in der vergangenen Woche sagte er: „Wenn Sie glauben, dass ein Ausstieg aus Russland den russischen Oligarchen schadet, wird das Gegenteil passieren. Wenn wir uns jetzt aus Russland zurückziehen, wäre das ein verpacktes Geschenk an die Oligarchen, die unsere Aktien kaufen. Wenn wir billige Aktien verkaufen, bekommen sie ein Geschenk." Ob die gravierenden Sanktionen ihn umstimmten, oder doch das aggressive Vorgehen Russlands, ist nicht bekannt.

Neben dem mit 1,14 Billionen Euro zweitgrößte Staatsfonds der Welt – nach dem 1,52 Billionen Euro schweren Government Pension Investment aus Japan  – haben weitere Großanleger beschlossen, ihre Russland-Anlagen zu verkaufen. Pension Danmark (PD) beispielsweise gibt an, sämtliche seiner Anleihen und Unternehmensbeteiligungen verkauft zu haben, bei denen die russische Regierung „entscheidenden Einfluss“ habe. PD gehört mit einem Vermögen von rund 40 Milliarden Euro ) zu den 50 größten Pensionsfonds in Europa. Der Ausverkauf umfasst unter anderem russische Staatsanleihen im Wert von 53 Millionen Euro. Zu anderen abgestoßenen Vermögenswerten soll es, laut einer Sprecherin, bald weitere Informationen geben.

Zudem hat die dänische Kapitalsammelstelle Akademiker Pension ihre Investments in russische Staatsanleihen und Staatsunternehmen gestoppt. Die Beteiligungen repräsentieren 0,3 Prozent der etwa 17 Milliarden Euro schweren Kapitalanlagen von Akademiker Pension. Die schwedische Rentenbehörde (SPA) verhängt ein Kaufverbot für vier Russlandfonds von vier nordischen Fondsmanagern. Sparer können kein Geld mehr in diese Fonds einzahlen, aber sie dürfen alle potenziellen Beteiligungen verkaufen, solange die Fondsmanager kein vorübergehendes Verkaufsverbot verhängt haben, teilte die Behörde in einer offiziellen Erklärung mit.

Und auch der Caisse de Depot et Placement du Quebec (CDPQ), der zweitgrößte kanadische Pensionsfonds verkauft. „Ab heute und für die Zukunft haben wir beschlossen, alle Wertpapiere unter Sanktionen zu verkaufen“, kündigte der Vorstandsvorsitzende Charles Emond, an. Zu den Wertpapieren gehörten Beteiligungen an Öl- und Gasunternehmen sowie Firmen aus dem Finanzdienstleistungssektor.