Studie Institutionelle richten ihren Blick stärker auf das S in ESG

Kinder in Indien bei der Arbeit

Kinder in Indien bei der Arbeit: Die befragten Unternehmen wollen sich aktiv darum kümmern, dass bei ihren Beteiligungen strenge Arbeitsrechte eingehalten werden. Foto: Imago Images / Friedrich Stark

Nachhaltige Kapitalanlagestrategien setzen sich immer stärker durch. Neben Umweltthemen konzentrieren sich institutionelle Investoren dabei nun auch verstärkt auf soziale Aspekte. Das ergab die aktuelle Studie European Asset Allocation Insights 2021 der Unternehmensberatung Mercer mit rund 850 institutionellen Anlegern in 11 Ländern, die ein Gesamtvermögen von rund 1 Billion Euro repräsentieren.

Im nächsten Jahr planen demnach 27 Prozent der befragten Anleger, den Schwerpunkt auf soziale Faktoren wie Humankapital und Arbeitsrechte auszuweiten. 24 Prozent planen zudem, sich noch stärker auf Umweltaspekte zu konzentrieren und beispielsweise den Einfluss auf die biologische Vielfalt im Investmentprozess zu berücksichtigen.

„Obwohl Umweltthemen nach wie vor im Mittelpunkt stehen, ist es ermutigend zu sehen, dass viele Anleger beginnen, auch die sozialen Auswirkungen ihrer Investitionen zu berücksichtigen. Die Anleger sind sich bewusst, welchen Einfluss die ESG (Environmental, Social und Corporate Governance)-Faktoren auf ihre Kapitalanlagestrategie haben. Es können zunächst relativ kleine Schritte unternommen werden, um die Portfolios im Hinblick auf ESG-Kriterien zu optimieren und zu überwachen. Wir raten Investoren, die Faktoren zu identifizieren, die die größte Auswirkung auf die Optimierung der Portfolios haben“, erklärt erklärt Jeffrey Dissmann, Leiter Investment Consulting bei Mercer Deutschland.


Die wachsende Bedeutung der Nachhaltigkeit in den Portfolios spiegelt sich auch in den Umfrageergebnissen wider. Die Zahl der Anleger, die eine kohlenstoffarme oder klimabezogene Indexierung verwenden, ist im Vergleich zum letzten Jahr von 6 auf 26 Prozent gestiegen. Die Studie zeigt zudem, dass eine große Mehrheit der europäischen Investoren die ESG-Kriterien in alle Aspekte ihrer Aktivitäten integriert haben, einschließlich der Auswahl von Investmentmanagern mit 83 Prozent, der Überwachung von Investmentmanagern mit 88 Prozent, der Berichterstattung mit 79 Prozent und der Asset Allocation mit 64 Prozent.

Auch wollen Anleger von zu einer proaktiven Haltung übergehen, denn regulatorische Faktoren als Motivation für die Berücksichtigung von ESG-Risiken haben an Bedeutung verloren und Faktoren wie Risikomanagement und Reputationsrisiken werden wichtiger. Zudem ist die Allokation in alternative Anlageformen inzwischen – laut Studie – fast genauso hoch ist wie die in Aktien, bei regulierten deutschen Investoren wie Versorgungswerken und Pensionskassen ist sie sogar höher.

Die Abkehr von Aktien ist auch bei anderen europäischen Anlegern zu beobachten, da sie versuchen, ihre Renditetreiber zu diversifizieren. Innerhalb der alternativen Anlageklassen wurden vor allem die Allokationen zu renditestarken, festverzinslichen Sub-Assetklassen wie Emerging Market Debt, High Yield und Private Debt weiter ausgebaut. Aber auch die Allokation zu Private Equity, Real Assets und Multi Asset-Strategien hat sich weiter erhöht. 53 Prozent der Anleger plant als Reaktion auf die Auswirkungen der Corona-Pandemie und die damit verbundenen starken Marktverwerfungen im vergangenen Jahr ihre Anlagestrategie, die Mandate der Manager oder die Governance- beziehungsweise Entscheidungsprozesse anzupassen.

Die komplette Studie finden Sie hier.