ESG-Umfrage Institutionelle Investoren wollen Klimarisiken in Portfolios verringern

Alt trifft neu – Windräder vor Kohlekraftwerk Neurath, Nordrhein-Westfalen

Alt trifft neu – Windräder vor Kohlekraftwerk Neurath, Nordrhein-Westfalen: Der Klimawandel ist das wichtigste ESG-Thema für institutionelle Investoren. Foto: imago images / Rupert Oberhäuser

ESG ist deutlich mehr als Klimawandel. Allerdings ist der Klimawandel derzeit das wichtigste Thema im Nachhaltigkeitsspektrum. Das zeigt eine Umfrage des Research-Unternehmens Cerulli unter institutionellen Investoren (Versicherungen und Pensionsfonds) aus Westeuropa. Demnach berücksichtigen 77 Prozent der befragten Versicherungsunternehmen und 53 Prozent der Pensionsfonds den Klimawandel und seine Auswirkungen explizit in ihren Anlagestrategien. Französische, niederländische und britische Investoren zeigen hier besonders hohes Interesse.

„Allerdings setzen nur wenige Investoren konkrete Ziele, um klimabezogene Risiken zu reduzieren“, sagt Justina Deveikyte, Associate Director in Cerullis europäischem institutionellem Research-Team. 70 Prozent der Investoren machen bei extern gemanagten Portfolios keine Vorgaben für eine Reduzierung des CO2-Fußabdrucks. In den nordischen Ländern sind die Investoren etwas anspruchsvoller. Hier setzt nur rund jeder zweite seinen externen Asset Manager keine entsprechenden Ziele.

Bei der Managerauswahl ist ESG-Kompetenz mittlerweile ein entscheidender Faktor. Investoren messen diese Kompetenz vornehmlich an der personellen Ausstattung des Nachhaltigkeitsbereichs. „Dieser Faktor spiegelt wider, wie stark ESG in der Firmenkultur des Asset Mmanagers verwurzelt ist. Dies ist von wachsender Bedeutung für europäische institutionelle Investoren“, sagt Connor Bigland, Co-Autor der Studie.

Klassische Indextracker unter Druck

Ein weiteres interessantes Ergebnis der Umfrage ist der geplante Wechsel von passiven zu mehr aktiven Investmentansätzen, um die ESG-Integration in die Anlagestrategie in den kommenden drei bis fünf Jahren zu verbessern. 68 Prozent der Versicherer und 63 Prozent der Pensionsfonds geben an, sich in diese Richtung bewegen zu wollen. Cerulli erwartet daher künftig eine höhere Nachfrage nach erweiterten Indexansätzen, die klassische Indextracker um eine ESG-Komponente ergänzen. Wer künftig als passiver Anbieter in den europäischen Markt eintreten wolle, müsse flexible, anpassbare ESG-Indizes in der Produktpalette haben, um wettbewerbsfähig zu sein.