Stefan Hentschel im Gespräch „Wir werden aus der Risikokurve rausgetrieben“

Stefan Hentschel verwaltet als Leiter Pension Asset Management beim Essener Spezialchemieunternehmen Evonik Industries rund 10 Milliarden Euro. | © Frank Preuss

Stefan Hentschel verwaltet als Leiter Pension Asset Management beim Essener Spezialchemieunternehmen Evonik Industries rund 10 Milliarden Euro. Foto: Frank Preuss

private banking magazin: Sie verwalten rund 10 Milliarden Euro. 4,8 Milliarden Euro in der Degussa-Pensionskasse, einen CTA mit 3,2 Milliarden Euro und ausländische Töpfe in Großbritannien und den USA. Vor welchen Herausforderungen stehen Sie im aktuellen Marktumfeld?

Stefan Hentschel: Regulierung treibt derzeit alle um. Aber nichtsdestotrotz finden wir eigentlich doch noch die einen oder anderen Investments, gerade im Bereich Infrastruktur und Immobilien, wo wir trotz Regulierung investieren können.

Was hat sich in den vergangenen Jahren für Sie verändert. Die Märkte liefen ja ganz hervorragend.

Hentschel: Die meisten Asset-Klassen liefen in den vergangenen Jahren gut. Das ist richtig. Ein Problem für einen eher rentenlastigen Anleger ist aber, dass der aktuelle Kupon deutlich unter dem zu erzielenden Garantiezins liegt. Das macht Neuanlagen schwierig. Der Garantiezins liegt bei Pensionskassen zumeist zwischen 3,0 und 3,5 Prozent. Jede konservative Euro-Rentenneuanlage, die Sie aus dem Direktbestand tätigen, liegt darunter, und so haben Sie eigentlich schon bei der Investition ein Problem produziert. Wir müssen mit diesem Niedrigzinsumfeld mehr oder weniger umgehen und hier das Beste für die Versicherten oder für den Konzern rausholen. Versicherte haben den Anspruch, dass wir eine möglichst stabile, gute Rendite erzielen, und der Konzern natürlich, dass wir keine Schäden oder Nachschüsse produzieren.

Wie lösen Sie das Problem?

Hentschel: Es läuft viel über die Umschichtung in Richtung Immobilien und Infrastruktur. Das sind Anlagen, die wir auch zum Teil vor Jahren schon gezeichnet haben, jetzt aber die Quote moderat ausbauen.

Die haben sicherlich nicht die gleichen Risikoparameter wie der klassische Triple-A-Rentenfonds von damals?

Hentschel: Das ist ein ganz anderes Risikoprofil. Wir werden aus der Risikokurve ein bisschen rausgetrieben. Aber letztendlich haben wir langfristige Verpflichtungen und können auch ein wenig Bewertungsvolatilität vertragen. Wichtig ist, dass bei diesen Anlagekategorien aber noch eine Illiquiditätsprämie vorhanden ist.

Was halten Sie vom Begriff Anleiheersatz?

Hentschel: Der ist mir zu salopp. Der Bond ist ein Bond und die Triple-A-Anleihe die Triple-A-Anleihe. Da gibt es keine wirklichen Alternativen, die auch verlässlich zu 100 Prozent am Laufzeitende zurückkommen.

Und Aktien von Nestlé oder den Telekoms sind nicht auf einmal Bond-artig.

Hentschel: Nein, eine Aktie ist immer ein Eigenkapitalrisiko, auch wenn sie noch so stabile Cashflows hat. Für Anleger mit dem nötigen Risikobudget kann sie dennoch interessant sein. Anleihen von großen Unternehmen sind natürlich ein wichtiger Bereich für uns und nach wie vor interessant. Wir halten einen großen Anteil langlaufender Anleihen zum Abdecken unserer Cashflows auf der Verpflichtungsseite. Diese Komponente ist für uns Teil des Risikomanagements auf der Bilanz.