Der Investitionsbedarf ist immens: Allein bei deutschen Stadtwerken und Energieversorgern klafft laut einer PWC-Studie im Auftrag der KFW bis 2045 eine Lücke von 346 Milliarden Euro – bei einem Gesamtbedarf von 535 Milliarden Euro für Strom-, Gas- und Wärmenetze. Hinzu kommt ein Investitionsrückstand der Kommunen von rund 215 Milliarden Euro, vor allem bei Schulen, ÖPNV und Verwaltungsgebäuden. Florian Bucher, Marktanalyst beim BAI, untersucht mit seinem Team, warum institutionelle Anleger nur zögerlich in Infrastruktur investieren.
Die Analysten verwenden fünf Datenquellen:
- Die BAI Investor Survey 2025 mit107 institutionelle Investoren aus dem DACH-Raum mit zusammen rund 2,2 Billionen Euro Anlagevolumen
- Die BAI Member Survey 2025 mit 95 international tätigen Asset Managern sowie 52 Dienstleistern
- Macquarie-Studie auf Basis der Preqin-Daten
- Kreditausfalldaten der Wirtschaftsauskunftei Creditreform
- 16 Experteninterviews
Nur 21 der 81 befragten Asset Manager investieren in kommunale Infrastruktur in Deutschland. 8 Vermögensverwalter planen eine Infrastruktur-Anlage. Für 52 Asset Manager ist eine Investition in Infrastruktur keine Option. Sie geben vielfältige Gründe für die Abstinenz an, die drei häufigsten:
- Es gibt keine inhouse Strategien für Infrastrukturanlagen (45 Prozent)
- Die Renditen sind nicht zufriedenstellend (29 Prozent)
- Es fehlen investierbare Projekte (27 Prozent)
„Es braucht standardisierte Prozesse und kapitalmarktähnliche Instrumente wie Hybridkapital, um kleinteilige Projektstrukturen und heterogene Anforderungen überhaupt handhabbar zu machen“, fasst Andre Pfleger, Leiter Transformationsfinanzierung bei LBBW Asset Management, das Kernproblem zusammen. Er sagt: „Im Kern setzen wir auf eine Plattform, die verschiedene Teilstrategien und Teilfonds der kommunalen Infrastruktur bündelt und unterschiedliche Finanzierungsbedarfe flexibel und modular abbildet.“
„Im Kern setzen wir auf eine Plattform, die verschiedene Teilstrategien und Teilfonds der kommunalen Infrastruktur bündelt und unterschiedliche Finanzierungsbedarfe flexibel und modular abbildet.“ Leiter Transformationsfinanzierung bei LBBW Asset Management
Institutionelle Anleger könnten mit ihrem Kapital auch auf das Wohlergehen der Gesellschaft einzahlen. Bisher tun sie das kaum: Am wenigsten Investitionen fließen in Sport/Kultur (5 Prozent), Bildung (15 Prozent) und Soziales (25 Prozent). Der klare Spitzenreiter unter den Anlageprojekten ist Wärme oder Energie mit 85 Prozent.
Im internationalen Vergleich hält Deutschland mit einem Anteil von 5,6 Prozent des Portfolios institutioneller Anleger deutlich weniger Infrastruktur als der Spitzenreiter Kanada, wo Investoren mit 10,1 Prozent doppelt so stark in die Anlageklasse investieren. Gegenüber dem europäischen Durchschnitt von 4,2 Prozent liegt Deutschland zwar leicht darüber – den Rückstand zu den international führenden Märkten holt das aber nicht auf.
„Wir haben unser Infrastruktur-Portfolio 2009 nach der Finanzkrise aufgebaut, mit Eigenkapital-Anlagen vor allem in erneuerbare Energien.“ Vorstandsvorsitzender Philips Pensionskasse
Die drei häufigsten Gründe für eine Allokation in Infrastruktur sind Diversifikation (86 Prozent), Risikoprämien gegenüber liquiden Bonds (63 Prozent) und Durationsmanagement (60 Prozent). Institutionelle Anleger bevorzugen durch die Bank Infrastruktur Equity vor Debt. Die Allokationsquote rankt von 3,9 Prozent bei Family Offices bis zu 5,7 Prozent bei Versorgungswerken.
Infrastruktur Debt macht nur einen Bruchteil im Portfolio aus, im Durchschnitt 0,9 Prozent. Versicherungsunternehmen, die Solvency II unterliegen, stechen hier mit 2,6 Prozent aus der Masse heraus.
Core/Senior-Strategien sind mit Abstand am beliebtesten. 88,2 Prozent der befragten institutionellen Anleger investieren mit ihnen oder sind bereits investiert. Whole Loan oder Junior Debt erzielen 38,2 Prozent, Mezzanine 26,5 Prozent und Opportunistic oder High-Yield 14,7 Prozent.
Annähernd 2 Prozent der Unternehmen beglichen im Jahr 2025 ihre Kreditschulden nicht. Die Kreditausfallrate von Infrastrukturunternehmen lag mit rund 1,25 Prozent darunter. Am wenigsten liquide waren Unternehmen der sozialen Infrastruktur (1,25 Prozent). Rund 1 Prozent der kommunalen Infrastrukturentwickler konnten Kredite nicht begleichen.
Seit 2022 klettern die Ausfallraten in der gesamten Wirtschaft deutlich nach oben. Kommunale Infrastruktur stieg halb so stark im Vergleich zur Gesamtwirtschaft. Entsorgung, Elektrizitäts- und Gasverteilung verschlingen enorme Kapitalmengen, treffen auf eine kaum elastische Nachfrage und operieren quasi monopolistisch. Teils staatliche Eigentümer federn Ausfälle ab.
„Der Renditeaufschlag regulierter Infrastruktur-Assets gegenüber liquiden Anleihen schmilzt unter dem hohen Zinsniveau, weshalb First-Loss-Strukturen präzise kalibrieren müssen.“ Geschäftsführender Direktor bei der DWS