SAP-Aufsichtsratswahl Institutionelle Anleger wollen gegen Plattner stimmen

Hasso Plattner bei SAP-Hauptversammlung

Hasso Plattner bei SAP-Hauptversammlung: Der Mitgründer des Softwarekonzerns ist seit 2003 Vorsitzender des Aufsichtsrats. Foto: Imago Images / STAR-MEDIA

Am Mittwoch steht bei SAP die virtuelle Hauptversammlung an. Mitgründer Hasso Plattner stellt sich im Jubiläumsjahr des Konzerns zur Wiederwahl als Aufsichtsratschef – ein letztes Mal, wie er betont und nur bis 2024. Aktionäre und Fondsmanager fordern allerdings schon jetzt einen Wechsel, darunter Union Investment. „Eine Nachfolgeregelung für den Aufsichtsratsvorsitz ist überfällig, auch wenn Ihre großen Verdienste um SAP unbestritten sind“, zitiert die „FAZ“ (Paywall) aus einer Mitteilung des Fondsmanagers Markus Golinski an Plattner. Die Regeln sehen vor, dass Aufseher nicht älter als 75 Jahre sein dürfen sowie nicht länger als zwölf Jahre im Amt – Plattner sitzt mit 78 Jahren bereits seit 19 Jahren im Aufsichtsrat.

Kritik äußert auch Ingo Speich vom Sparkassen-Fondsanbieter Deka in der Rhein-Neckar-Zeitung: „Er hat als Gründer und Großaktionär ohnehin eine dominante Position und noch immer gibt es keine vernünftige Nachfolgeregelung“, zitiert die Zeitung Speich. Einen strukturierten Prozess der Suche nach einem Nachfolger gebe es nicht. Das sei aber nötig. Ob Plattner tatsächlich mit einer Abwahl rechnen muss, sei schwer vorherzusehen, urteilt die Rhein-Neckar-Zeitung. Die meisten Aktien liegen im anonymen Streubesitz.

Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), die Privatanleger vertritt, empfiehlt Investoren ebenfalls, gegen Plattner zu stimmen. „Seit über acht Jahren wird hier eine Regelung angestrebt und jetzt wird sie – wieder einmal – für 2024 in Aussicht gestellt“, kritisiert Jella Benner-Heinacher, stellvertretende Hauptgeschäftsführerin der DSW. Es sei die Aufgabe des Nominierungsausschusses, die Nachfolge im Aufsichtsrat und im Vorsitz zu regeln. „Offensichtlich ist der Ausschuss dieser Aufgabe bis heute nicht richtig nachgekommen“, so Benner-Heinacher.

SdK spricht sich für Wiederwahl Plattners aus

Für eine Wiederwahl spricht sich hingegen die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) aus. Grundsätzlich sei für die Anlegervereinigung die Kompetenz eines der entscheidenden Kriterien, heißt es in einem Statement auf der Website der Organisation. „Diese ist bei Herrn Plattner nach unserer Meinung nicht zu bezweifeln.“ Das Alter sei nicht generell ein Entscheidungskriterium. Problematisch sei höchstens die lange Amtszeit als Aufsichtsrat. In der Vergangenheit habe es aber keine Anzeichen dafür gegeben, dass Plattner nicht die Interessen aller Aktionäre vertreten habe. Bei den vielen personellen Vorstandswechseln sei er vielmehr „ein stabilisierendes Element.“