Innovationen im Wealth Management „Das sind die wahren Konkurrenten im Private Banking“

Innovationen im Wealth Management: „Das sind die wahren Konkurrenten im Private Banking“ | © dupress.com

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Neu gegründete Vermögensverwalter wie Nutmeg Saving and Investment in London oder Wealthfront aus Palo Alto, Kalifornien, drohen Privatbanken, die sich Innovationen verschließen, das Wasser abzugraben.

Laut einer Studie von Deloitte von 2013 gewinnen digitale Finanzunternehmen zunehmend Kunden, die für einfache Investmententscheidungen keine persönliche Beratung mehr benötigen.

Für die Studie wurden 20 Startups im Bereich Wealth Management untersucht. “Das sind die wahren Konkurrenten”, sagte van der Loo in dieser Woche auf der Private-Banking-Konferenz von Euroforum in Zürich. “Sie sind aktiv und sie stehlen Kunden von uns.”

Laut einer Studie von Capgemini und der Royal Bank of Canada vom Juni gehen fast zwei Drittel der über ein hohes Vermögen verfügenden so genannten High-Net-Worth-Personen davon aus, innerhalb von fünf Jahren einen Großteil oder ihr gesamtes Vermögen digital zu verwalten, und sie ziehen in Betracht, zu Anbietern solcher Dienstleistungen zu wechseln.

Die neuen Akteure auf dem Markt haben alten Banken wie ABN Amro, deren Wurzeln in das 18. Jahrhundert zurückreichen, die Bedürfnisse ihrer Kunden in puncto digitaler Technologie stärker bewusst gemacht.

Von ABN Amro bis Citigroup setzen Banken im Private Banking mobile Anwendungen ein, um die Interaktion mit den Kunden zu stärken. Angeboten werden Zugang zu Wertpapieranalysen, Investment Management und die Kommunikation mit Beratern über einen Tablet-Computer.

Nach 20 Monaten der Vorbereitung hat Citigroup im Februar den Privatkunden ihre View-Applikation angeboten, wie Dena Brumpton, Operative Chefin der Private-Banking-Sparte, per E-Mail erklärte.

Die Möglichkeit, dass Kunden ihre Berater über mobile Desktop-Geräte von jedem Ort aus kontaktieren können, werde “die Interaktioin zwischen Banker und Kunden fundamental verändern”, so Brumpton.

Die Bankenbranche habe in der Vergangenheit Innovationen “gröblich vernachlässigt”, sagte Urs Rohner, Verwaltungsratspräsident der Credit Suisse Group, am Montag vor der Swiss-American Chamber of Commerce in Zürich.

“Innovation allgemein war von den Banken lange Zeit als nicht relevant erachtet worden - für zu lange Zeit, wie wir nun sehen”, sagte Rohner laut Redemanuskript.

“Diese Branche hat die Tendenz, zu einem Dinosaurier zu werden”

Credit Suisse führt das Angebot Digital Private Bank ein, das zuerst im Raum Asien-Pazifik verfügbar sein wird. Wie Rohner ausführte, umfasst das Angebot Instrumente für das Portfolio-Management, maßgeschneiderte Marktinformationen sowie Soziale-Netzwerk-Dienste für die Kunden.

Einen Zeitpunkt für die Verfügbarkeit nannte die Bank nicht. Wealthfront, mit einem Anlagevolumen von 1,4 Milliarden Dollar, wirbt um Investoren, die noch keinen Finanzberater haben und eine kostengünstige, automatisierte Lösung wollen, wie gegenüber Bloomberg News mitgeteilt wurde.

Die Firma berechnet laut ihrer Webseite eine Beratungsgebühr von 0,25 Prozent auf verwaltetete Gelder, die 10.000 Dollar übersteigen. Eine zusätzliche Gebühr wird für den Kauf von börsennotierten Fonds (ETF) verlangt.

Nutmeg, vor drei Jahren von Nick Hungerford gegründet, bietet den Kunden einen live Online-Chat sowie telefonische Unterstützung statt persönlicher Gespräche an.

Die Kosten liegen laut Webseite bei 0,3 Prozent bis 1,0 Prozent der verwalteten Gelder. Hungerford war zuvor für Barclays und Brewin Dolphin tätig.

Van der Loo zufolge hat eine Studie von ABN Amro aus diesem Jahr ergeben, dass jüngere Kunden die Bank innerhalb von drei Jahren verlassen würden, wenn diese nicht mehr in mobile Technologie investieren würde.

“Diese Branche hat die Tendenz, zu einem Dinosaurier zu werden”, sagte van der Loo. Idealerweise sollte das Management von Privatbanken seiner Ansicht nach zur weiteren Verbesserung einen Innovationsvorstand umfassen, der die Technologie und die Kundenbedürfnisse kennt.

Nach Erfahrung von Sebastian Dovey, Gründer der Londoner Beratungsgesellschaft Scorpio Partnership, neigen Privatbanken nicht dazu leitende Manager mit einem Technologie-Hintergrund einzustellen.

Einige Manager hätten “gekichert”, als Scorpio vorschlug, die Strukturen von Unternehmen zu übernehmen, die Online-Kommunikation entwickeln, wie etwa Facebook, sagte Dovey auf der Konferenz.

“Das Organigramm von Facebook ist die Zukunft für die meisten globalen Unternehmen und die Banken müssen aufholen”, so Dovey.