Der Bundesverband Alternative Investments (BAI) untersuchte erstmals, wie deutsche Stiftungen und kirchliche Investoren in alternative Anlageklassen investieren. Die Analyse basiert auf dem BAI Investor Survey 2025 mit 107 institutionellen Investoren, die zusammen 2,23 Billionen Euro verwalten. 12 davon sind Stiftungen oder kirchlich-karitative Investoren. Ergänzt wird die quantitative Analyse durch Interviews mit sechs Vertretern großer Stiftungen und Kirchen.
Zwei Hauptziele prägen Anlagestrategie
Stiftungen verfolgen zwei zentrale Investitionsziele: Einerseits benötigen sie regelmäßige, planbare Erträge zur Finanzierung ihrer laufenden Projekte. Andererseits müssen sie das Stiftungsvermögen langfristig real erhalten und vor Inflation schützen.
Die Joachim Herz Stiftung etwa gab 2024 insgesamt 51,5 Millionen Euro für gemeinnützige Zwecke aus. Andreas Meier, Bereichsleiter Kapitalanlage, erläutert: Die Stiftung ist mit rund 70 Mitarbeitenden operativ tätig und auf regelmäßige Kapitalerträge angewiesen. Angestrebt wird eine jährliche Zielrendite von etwa drei Prozent ordentlichem Ertrag plus Inflationsausgleich.
Kirchliche Investoren haben ähnliche Ziele beim Kapitalerhalt, verfügen aber im Gegensatz zu Stiftungen über zusätzliche Einnahmen durch die Kirchensteuer. Dies verschafft ihnen mehr Flexibilität in der Kapitalanlage. Zudem spielen bei kirchlichen Investoren oft Altersvorsorgeverpflichtungen für Angestellte eine Rolle – vergleichbar mit Versorgungswerken.
30 Prozent Alternatives – wie andere Investoren auch
Die durchschnittliche Alternative-Investments-Quote von Stiftungen und kirchlich-karitativen Investoren liegt bei 29,3 Prozent – nahezu identisch mit anderen Investorentypen (30,5 Prozent). Dies ist bemerkenswert, da karitative Investoren im Gegensatz zu Versicherern oder Versorgungswerken größere regulatorische Freiheit genießen und keinen Quoten- oder Eigenkapitalanforderungen unterliegen.
Rainer Maucher, Geschäftsführer der Hertie-Stiftung, erklärt dieses Phänomen: Stiftungen sind im Kern denselben Herausforderungen ausgesetzt wie andere Investoren – nur eben ohne regulatorischen Rahmen. Die Fokussierung auf langfristigen Kapitalerhalt und stabile Erträge führe zu vergleichbaren Risiko-Rendite-Abwägungen und damit ähnlichen Allokationsentscheidungen.
Heterogenität beim Aufbau der Portfolios
Die durchschnittliche Quote täuscht über Unterschiede hinweg. Die Stiftung Polytechnische Gesellschaft Frankfurt am Main zählt zu den Vorreitern mit rund 40 Prozent Alternative-Investments-Quote. Den größten Anteil machen Immobilien mit gut 27 Prozent aus, ergänzt durch jeweils etwa 4 Prozent in Private Equity und Infrastruktur Equity sowie Private Debt mit 2 Prozent. Infrastruktur werde dabei ausschließlich auf der Equity-Seite verfolgt.
Thomas Meissner, Bereichsleiter Vermögensmanagement, beschreibt den schrittweisen Aufbau: Immobilien waren von Beginn an vorgesehen, Private Debt kam ab 2009 hinzu, Private Equity ab 2013 und Infrastruktur vor rund fünf Jahren. Möglich wurde dies, weil der Vorstand schon bei Gründung entschied, das Asset Management an ein externes Family Office zu delegieren. Seit 2015 hat die Stiftung ein eigenes Vermögensmanagement.
Anders beim Erzbistum Freiburg: Holger Sahner, Referent Vermögensverwaltung, erläutert, dass die strategische Zielquote – ohne Immobilien – bei 15 Prozent liegt, während die tatsächliche Allokation aktuell erst bei etwa fünf Prozent steht. 2022 wurde mit der systematischen Umsetzung begonnen. Immobilien machen mit 14 bis 18 Prozent einen großen Anteil aus, sollen aber perspektivisch zugunsten von Private Markets reduziert werden.
