Fokus auf die Kerninfrastruktur „Infrastruktur bietet vertraglichen Inflationsschutz“

Markus Pimpl

Markus Pimpl

private banking magazin: Herr Pimpl, warum sollte ich jetzt in Infrastruktur investieren?

Markus Pimpl: Vor vier Jahren hat man noch argumentiert, dass die Staaten jetzt alle Konjunkturprogramme auflegen und Infrastruktur darum so attraktiv sei. Doch für die Privatwirtschaft war das damals nicht besonders interessant, weil nur der Staat investierte. Heute haben die Staaten kein Geld mehr für Stimulus und sind auf den privaten Sektor angewiesen. Private Investoren erwarten attraktive Renditen und Rahmenbedingungen. Darum ist das aktuelle Umfeld viel spannender.

private banking magazin: Rund 80 Infrastruktur-Fonds sind auf dem Markt. Was ist anders am Partners Group Listed Infrastructure? 

Pimpl: Wir investieren nur in Aktien aus dem Bereich Kerninfrastruktur. Eine Deutsche Telekom oder eine Lufthansa haben wir nicht im Portfolio. Diese Firmen sind viel zu konjunktursensibel. Zudem sind viele Anleger meist schon über andere Produkte investiert. Mit unserem Fonds sollen sie diversifizieren können. Deswegen investieren wir in die Mautstraße und nicht in das Bauunternehmen, in den Flughafen, das Gebäude und den Betreiber, aber nicht in die Fluglinie. Dadurch hat das Portfolio einen starken Sachwert-Charakter.

private banking magazin: Was genau heißt Kerninfrastruktur?

Pimpl: Das sind vor allem vier Bereiche. Transport, darunter fallen beispielsweise Mautstraßen, Seehäfen, Flughäfen, aber auch Eisenbahnen. Letztere sind spannend, weil sie diese selbst in großen Infrastrukturindizes nicht finden. Es ist nicht nachvollziehbar, warum Eisenbahnen nicht zu Infrastruktur gezählt werden sollen. Wir berücksichtigen in diesem Bereich allerdings nur die Eigentümer der Gleise, nicht jene, die die Gleise mieten und einen Zug daraufstellen.

private banking magazin: Und weiter?

Pimpl: Kommunikation, da investieren wir etwa in Satelliten- und Funkturm-Betreiber. Außerdem in öffentliche Einrichtungen, dazu zählen Schulen, Krankenhäuser, Polizeistationen. Diese Investitionen sind sehr langfristig, weil die Einrichtungen in der Regel über mehrere Jahrzehnte an den Staat vermietet sind. Ein weiterer Bestandteil unseres Portfolios sind Versorger. Dazu zählen unter anderem Öl- und Gaspipeline-Betreiber, Wasserversorgungsnetze und Stromnetzbetreiber. Wir kaufen keine Aktien von Energieerzeugern, weil das unserer Meinung nach keine Monopolisten sind und sie zu stark von den Rohstoffpreisen abhängen. Am Ende unseres Auswahlprozesses stehen rund 290 Unternehmen, die als Investment infrage kommen.

private banking magazin: Wann kommt ein Unternehmen ins Portfolio?

Pimpl: Die Firma sollte in einem monopolähnlichen Umfeld agieren, also ein Quasi-Monopolist sein. Dadurch sind stabile Cashflows und ein niedriges Nachfrage-Risiko gewährleistet. Häufig verfügt das Unternehmen sogar über Preismacht. Dadurch haben die meisten auch in der Krise 2008 und 2009 ihre Erträge noch gesteigert, auch wenn sie sich nicht komplett von der Krisenstimmung an den Börsen abkoppeln konnten.

private banking magazin: Und in guten Phasen?

Pimpl: Da ist der Unterschied auch nicht so dramatisch. Läuft der Markt gut, haben die Unternehmen attraktive Renditen. Der Fonds hat grundsätzlich eine geringe Konjunktursensitivität, ist also ein defensives Investment, mit stabilen, planbaren Dividenden. Doch neben dieser Stabilität brauche ich für Outperformance vor allem Wachstum.

private banking magazin: Wo kommt das her?

Pimpl: Einerseits aus den Emerging Markets wie Asien und Lateinamerika mit ihrem hohem Bedarf an neuer Infrastruktur. Wir haben beispielsweise einen brasilianischen Wasserversorger im Portfolio, der im vergangenen Jahr 452.000 Neukunden im Frischwasserbereich gewonnen und diese Haushalte an das Wassernetzwerk angeschlossen hat. Grund dafür ist die wachsende Mittelschicht mit Familien, die fließend Wasser haben wollen und sich das jetzt auch leisten können.

Andererseits die entwickelten Länder, allen voran Europa und die USA, die ihre Infrastruktur erhalten müssen. Aufgrund ihrer hohen Staatsverschuldung haben sie selbst kein Geld mehr, um zu investieren, und laden jetzt den privaten Sektor ein. Am deutlichsten wird es in den USA. Bis 2020 brauchen die Amerikaner rund 125 Milliarden US-Dollar, nur um das Wassernetzwerk auf dem aktuellen Niveau zu halten. Und das aktuelle Niveau ist eine Katastrophe.

private banking magazin: Was passiert bei Inflation?

Pimpl: Die Mehrheit der Erträge der Unternehmen im Portfolio ist entweder komplett oder teilweise an die Inflationsrate gekoppelt. Infrastruktur ist letztlich einer der seltenen Bereiche mit vertraglichem Inflationsschutz. Trotzdem funktioniert das natürlich nur begrenzt, weil der Fonds den Schwankungen am Aktienmarkt unterliegt. Fliegt Zypern morgen aus dem Euro und fällt der Markt um 10 Prozent, werden das unsere Investoren auch spüren. Aber außer in der Lehman- Krise 2008 waren wir immer deutlich stabiler.

private banking magazin: Warum nicht in der Lehman-Krise?

Pimpl: Damals hatten wir plötzlich eine Korrelation von eins zu Finanzwerten. Das war fundamental nicht zu begründen, aber es war so. Als sich die Diskussion weg von Lehman hin zur Rezession verlagerte, hatten wir einen schönen Turnaround und haben schnell wieder aufgeholt.

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