Flexibler Schutz gesucht Inflation? Deflation? Beides!

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Wäre dies nicht ein Argument für eine weitere Lockerung der Geldpolitik? Was bedeutet dies für die Aussichten zur Preisentwicklung? Hinweise für ein Ausufern der Inflationserwartungen kann die Entwicklung längerfristiger Zinsen geben, die weniger durch Zentralbankmaßnahmen beeinflusst sind: Eine Überschreitung des kritischen Niveaus von 3,00 Prozent bei den 30-jährigen US-Zinsen wäre für uns ein deutliches Warnsignal.

Inflationsschutz in der schönen neuen Finanzwelt: Was funktioniert?

Beim Thema Inflationsschutz denkt man grundsätzlich an:

  • Wachstumsorientierte Anlagen, wie Aktien,
  • Sachwerte, wie Immobilien oder Infrastruktur
  • Variabel verzinsliche Anleihen, insbesondere inflationsgeschützte Anleihen,
  • Rohstoff-Anlagen.

Viele Anleger haben im Niedrigzins-Umfeld bereits verstärkt in den Aktien-, Immobilien- oder Infrastrukturbereich umgeschichtet. Ihre Anlageportfolios scheinen daher für ein inflationäres Umfeld gerüstet zu sein. Die Schutzwirkung dieser Anlagen liegt darin, dass steigende Zinsen aufgrund höherer Inflationserwartungen ihnen weniger anhaben können als einer klassischen Rentenanlage. Dies bedeutet, dass die Zinsänderungssensitivität, also die Duration dieser Anlagen möglichst niedrig sein sollte, und dass sie idealerweise eine negative Korrelation zu klassischen Rentenanlagen aufweisen. Ist dies der Fall in der schönen neuen Finanzwelt?

  1. Aktien & Sachwerte: Hohe Bewertungen, positive Korrelation, höhere Duration
    Heutzutage werden Renten für Kapitalgewinne und Aktien für regelmäßige Erträge ins Portfolio genommen. Die Suche nach einem „Rentenersatz“ ist ein Faktor, der Bewertungen in der Welt der Aktien, aber auch in der Immobilien- und Infrastrukturwelt, auf neue Höchststände treibt. Man kann nun zunehmend eine positive Korrelation zwischen diesen Anlageklassen und der Rentenwelt beobachten. Bedeutet dies nicht auch, dass die Duration dieser Anlagen angestiegen ist? Denn niedrigere Abzinsungssätze für die erwarteten regelmäßigen Erträge und/oder ein höherer Anteil von Ertragszahlungen, die weiter in der Zukunft liegen, steigern generell die Duration einer Anlage. Schuldenfinanzierte Käufe, wie es z.B. bei Aktienrückkäufen oder im Immobilienmarkt häufig der Fall ist, sind ebenfalls ein Faktor, der die Zinssensitivität dieser Märkte erhöht.

  2. Inflationsgeschützte Anleihen: Mit Versicherungsprämie
    Anleihen, deren Kuponverzinsung beziehungsweise Tilgungsleistung an die Inflationsentwicklung geknüpft sind, klingen nach einem perfekten Inflationsschutz. Allerdings liegt die Verzinsung dieser Anleihen unterhalb der heutzutage schon äußerst niedrigen, oder sogar negativen, Niveaus von festverzinslichen Anleihen des gleichen Emittenten. Je höher die Inflationserwartungen werden, umso größer wird der Verzinsungsunterschied. Inflationsgeschützte Anleihen haben sich von einer defensiven Anlageklasse zu einem Versicherungsschutz gewandelt, für den eine Schutzprämie einkalkuliert werden muss.

  3. Rohstoffe: Oft nur als kleine Beimischung möglich
    Rohstoff-Anlagen sind durchaus als Inflationsschutz interessant, da ein großer Treiber hinter steigendem Preisdruck die Entwicklung von Rohstoffpreisen ist. Regulatorische Beschränkungen für Rohstoff-Anlagen sowie eine hohe historische Volatilität lassen jedoch oft nur eine kleine Beimischung zum Portfolio zu.

Kein Inflationsschutz ist perfekt, eine Diversifikation der Schutzmöglichkeiten scheint daher angebracht. Aufgrund der von uns erwarteten starken Schwankungen in den Inflationserwartungen sollte auch ein besonderes Augenmerk auf die Flexibilität des Inflationsschutz gelegt werden.

Währungen: Vernachlässigter Treiber und möglicher flexibler Schutz

Viele Anlageportfolios haben aufgrund des globalen Niedrigzinsumfelds mehr Durations-, Bonitäts- und/oder Liquiditätsrisiken in Kauf genommen als historisch gewünscht, während Währungen ein stark vernachlässigter Renditetreiber bleiben. Dabei bieten Währungen, insbesondere von Schwellenländern, sogenannten Emerging Markets (EM), Eigenschaften, die gerade im Kontext der Inflationsschutz-Thematik interessant sein dürften:

  1. Ein positiver Zusammenhang zwischen steigenden Zinsen und EM-Währungen:
    Generell befolgen EM-Zentralbanken eine orthodoxe Geldpolitik und erhöhen ihre Leitzinsen, um Inflation einzudämmen und um ihre Währung zu stärken, damit nicht über einen schwachen Wechselkurs Preisdruck importiert wird. Die höhere Verzinsung untermauert die Attraktivität von Anlagen in dieser Währung und ein Zustrom ausländischen Kapitals kann die Währung weiter stärken.

  2. EM-Währungen als Wachstums- oder Rohstoff-Anlage: EM besteht generell aus stärker wachsenden Ländern, sprich: wachstumsorientierten Anlagen. Darüber hinaus gibt es in EM äußerst viele Rohstoffexporteure, und deren Währungen folgen tendenziell (wo möglich) dem Rohstoffzyklus.

  3. EM-Währungen und globale Inflationserwartungen weisen Parallelen auf: Historisch bewegten sich die zugänglichsten EM-Währungen gegenüber dem US-Dollar ähnlich wie die im Markt eingepreisten Inflationserwartungen für die USA und auch für Deutschland (siehe Grafik).

Allerdings wird Währungsvolatilität von vielen Anlegern als unbezahltes Risiko gesehen, welches im Rentenbereich weggesichert werden sollte oder im Aktienbereich ignoriert werden kann. Diese Einstellung beruht wahrscheinlich darauf, dass überzeugende Währungsmanagementkonzepte rar sind, besonders solche, die aus der Sicht eines in Euro-bilanzierenden Anlegers agieren. Denn viele Währungen verhalten sich oftmals anders gegenüber dem Euro als gegenüber dem US-Dollar.

Die schöne neue Finanzwelt hat viele Anlagegrundsätze auf den Kopf gestellt, aber auch den Blick geöffnet für Lösungen an ungewohnter Stelle. Ein Engagement in EM-Währungen mittels eines intelligenten Konzepts könnte zumindest eine weitere Diversifikationsmöglichkeit in puncto Inflationsschutz bieten. Klingt es so abwegig zu sagen, dass in einem Marktumfeld, in dem sich Inflations- und Deflationssorgen im schnellen Tempo abwechseln, die Flexibilität von Währungen genau das richtige Mittel sind, um einer höheren Zinsvolatilität Paroli zu bieten?

Grafik:
Parallelen zwischen Emerging Markets-Währungen und globalen Inflationserwartungen


Über die Autoren:
Tamara Trinh ist seit zwei Jahrzehnten beruflich im Bereich Emerging Markets tätig. Zunächst in der Forschung der Deutschen Bank, dann 13 Jahre lang als Portfoliomanagerin für Emerging Markets Lokalwährungsanleihen bei Vontobel und Nomura Asset Management.

Thomas Kemmsies Karrierestationen der letzten 30 Jahre umfassen die Bayerische Vereinsbank, Commerzbank, Sal. Oppenheim und zuletzt Nomura Asset Management, wo er das Portfoliomanagement in Frankfurt leitete. 

Francesco Pozzi beschäftigt sich seit über 5 Jahren  mit Globalen festverzinslichen Portfolios. Vor seiner Zeit bei Makrowerk war er in verantwortungsvollen Tätigkeiten unter anderem bei KPMG und Nomura Asset Management.