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Märkte im Überblick Südostasien hängt China und den Westen ab

Jakarta, Hauptstadt von Indonesien

Jakarta, Hauptstadt von Indonesien: Während Europa, China und die USA schwächeln, erlebt Südostasien einen wirtschaftlichen Aufschwung. Foto: Imago Images / Cavan Images

Europäische Aktien: Rezessionsrisiken bleiben hoch

Die Schritte der Zentralbanken, um die Inflation trotz der Risiken für die Wachstumsaussichten unter Kontrolle zu bringen, erschütterten im August sowohl die Aktien- als auch die Rentenmärkte. Während der Sommer in vielen Teilen der Welt historische Dürreperioden und Hitzewellen mit sich brachte, kühlte sich die Weltwirtschaft weiter ab. Alles in allem ist die Unsicherheit über die Aussichten für die Weltwirtschaft nach wie vor groß. Besonders groß ist diese Unsicherheit in Europa: Nach sechs Monaten Krieg in der Ukraine gibt es keine Anzeichen für einen Waffenstillstand. Zugleich erscheint eine Rezession in Europa im Winter immer wahrscheinlicher, da sich die Energiekrise in der Region weiter verschärft.

Die zweite Jahreshälfte dürfte schwierig werden. Zwar entsprachen die im August gemeldeten Erdgasvorräte der EU dank erhöhter Flüssiggaseinfuhren und der Reaktivierung von Kohlekraftwerken dem 10-Jahres-Durchschnitt, doch hat die erhebliche Verringerung der Gasströme durch die Nord-Stream-1-Pipeline die europäischen Energiepreise auf neue Höchststände getrieben.

So bleiben die Rezessionsrisiken nach wie vor hoch. Darauf deuten die Schwäche des Euro und der Eurozone-Einkaufsmanagerindex hin, der im August weiter unter die Kontraktionsschwelle fiel.

In Europa haben sich Value-Titel in den vergangenen vier Wochen besser entwickelt als Growth-Titel. Gemessen an der Marktkapitalisierung litten Small Caps am meisten, da die Konjunkturerwartungen und der Euro gegenüber dem US-Dollar etwas nachgaben. Am schlechtesten schnitten Small Caps mit Growth-Stil ab.

 

Was die Sektoren betrifft, so war der Energiesektor der Spitzenreiter, während zyklische Konsumgüter, IT und Industriewerte am meisten litten. Aktien mit hohem Beta waren die schlechtesten Performer. Trotz allem scheint die Eurozone nach wie vor attraktiv bewertet zu sein, da sich die Bewertungen am unteren Ende ihrer historischen Spanne befinden.

Im Durchschnitt waren die Gewinnrevisionen in den vergangenen Wochen recht positiv, aber der Markt scheint für die Zukunft mehrere Gewinnrevisionen zu erwarten, die vor allem auf die Erwartung einer Abwärtsrevision des Wirtschaftswachstums im Allgemeinen zurückzuführen sind.

Wir haben den Energiesektor für Europa herabgestuft (von 0 auf -1).

Den Energiesektor haben wir aus den folgenden Gründen von neutral auf -1 herabgestuft:

  • Innerhalb der zyklischen Werte ist der Energiesektor relativ gesehen zu teuer geworden.
  • Wir erwarten, dass die Ölpreise in den nächsten Quartalen weiter sinken werden. Wir gehen von einem Rückgang der Nachfrage und einem daraus resultierenden Produktionsüberschuss aus.
  • Der Energiesektor hat sich seit Jahresbeginn um rund 45 Prozent besser entwickelt als der europäische Markt (MSCI Europe Energy Sector Index vs. MSCI Europe Index, Stand: 06.09.2022).

US-Aktien: Gewinne und sich stabilisierende Renditen

Nach der kräftigen Erholung im Juli verloren die US-Aktienmärkte im August wieder etwas an Boden. Die Anleger waren schockiert über die Entschlossenheit der Zentralbanken, die Inflation um jeden Preis zu senken, auch wenn dies eine deutliche Verlangsamung des Wirtschaftswachstums bewirken dürfte. Während sich die Weltwirtschaft weiter abkühlt, gab es in den USA angesichts eines leicht verbesserten Verbrauchervertrauens und anziehender Einkaufsmanagerindizes erste Hoffnungsschimmer. Überraschenderweise entwickelte sich in diesem Umfeld das Gesundheitswesen unterdurchschnittlich – was wohl mit dem Inflation Reduction Act zusammenhängt, der eine Senkung einer Reihe von Medikamentenpreisen in den kommenden Jahren vorsieht –, während Basiskonsumgüter weiterhin gut abschnitten. Einmal mehr war der Energiesektor der größte Gewinner.

Trotz einer guten Gewinnsaison im zweiten Quartal, in der der Markt Unternehmen belohnte, die positiv überraschten, wurden die Gewinne für den weiteren Jahresverlauf nach unten korrigiert. Die Gewinnkorrekturen waren insbesondere bei zyklischen Konsumgütern, IT- und Kommunikationsdienstleistungen zu beobachten, während die erwarteten Gewinne für den Energiesektor weiterhin nach oben korrigiert wurden.

Die Konsenserwartungen für das Gewinnwachstum in den USA für die kommenden zwölf Monate pendeln sich bei etwa 7,5 Prozent ein. Die Erwartungen für das Jahr 2023 wurden leicht nach unten korrigiert, wobei das erwartete Gewinnwachstum bei rund 8 Prozent liegt. Vor dem Hintergrund dieser Schätzungen entspricht die Bewertung des US-Marktes auf der Grundlage des Kurs-Gewinn-Verhältnisses auf Sicht von zwölf Monaten weitgehend dem langfristigen Durchschnitt.

Zum jetzigen Zeitpunkt sind wir davon überzeugt, dass die Beibehaltung eines ausgewogenen Ansatzes weiterhin wichtig ist. Wir haben keine strategischen Änderungen vorgenommen:

  • Wir halten an unserer leichten Übergewichtung von +1 im Gesundheitswesen fest, auch wenn der Sektor im vergangenen Monat aufgrund des Inflation Reduction Act und der damit verbundenen Bestimmungen für das Gesundheitswesen eine unterdurchschnittliche Performance gezeigt hat. Die unmittelbaren Auswirkungen des Gesetzes scheinen eher begrenzt zu sein, und es wird nicht vor 2026 vollständig umgesetzt werden. Der Sektor bleibt aufgrund seiner defensiven Eigenschaften eine rationale Wahl: Hier zeigen sich keine negativen Auswirkungen des Krieges, es besteht nur eine geringe wirtschaftliche Abhängigkeit, der Sektor wird unterstützt durch demografische Trends und fortlaufende Innovationen. Hinzu kommen die attraktiven Bewertungen.
  • Die Informationstechnologie hatte aufgrund der steigenden Zinsen einen schwierigen Monat. Wir behalten +1 für diesen Sektor bei, bevorzugen Software und Hardware. Bei Halbleitern sind wir vorsichtig, da sie innerhalb der IT-Branche am zyklischsten sind.

Schwellenländer: Regionale Unterschiede sind offensichtlich

Die Schwellenländermärkte stabilisierten sich im August, nachdem der Inflationsdruck etwas nachließ und die Rohstoff- und Energiepreise im Laufe des Monats korrigierten. Nachdem die US-Notenbank auf ihrer Tagung in Jackson Hole ihre restriktive Haltung bekräftigt hatte, stiegen die Renditen der US-Staatsanleihen sprunghaft an, und der US-Dollar wertete gegenüber den wichtigsten Schwellenländerwährungen auf, was die Renditen der Schwellenländer unter Druck setzte.

Auf regionaler Ebene schnitten die ASEAN-Märkte am besten ab: Das Wachstum von Indonesien und Thailand legte um 5,3 beziehungsweise 5,0 Prozent zu, gefolgt von Indien, dessen BIP um 3,9 Prozent wuchs, weil hier die Inflationssorgen zurückgingen. Das Indexschwergewicht China beendete den Monat unverändert, da die Covid-Fälle gegen Ende des Monats zunahmen und die Besorgnis über eine Verlangsamung des Immobilienmarktes die Stimmung der Verbraucher belastete. Während die chinesischen A-Aktien im Laufe des Monats eine gewisse Korrektur erfuhren, erholten sich die Tech-Schwergewichte im MSCI China etwas, mit besseren Ergebnissen dank Kostensenkungsmaßnahmen und einer überraschenden vorläufigen Einigung zu in den USA börsennotierten chinesischen Unternehmen. Taiwan beendete den Monat mit einem Minus von 1,5 Prozent (in US-Dollar gerechnet) inmitten erhöhter geopolitischer Risiken nach dem Besuch der Sprecherin des US-Repräsentantenhauses. Südkorea blieb unter Druck, da die Inflation hoch blieb und die Besorgnis über eine geringere Nachfrage bestimmter Produkte der Halbleiterbranche die koreanischen Schwergewichte belastete.

In den lateinamerikanischen Ländern gab es deutliche Performanceunterschiede. Während Brasilien (+2,2%) – die makroökonomische Erholung fiel besser aus als erwartet – und Chile (+2,5%) im August wuchsen, blieben Regionen wie Mexiko (-5,5%) und Kolumbien (-6,5%) unter Druck. Rohstoffe und die meisten Industriemetalle korrigierten aufgrund der Erwartung einer nachlassenden globalen Nachfrage leicht.

Anpassungen bei den regionalen Einschätzungen

Indien: Hochstufung aufgrund nachlassender Inflation (+1)

Mit der Korrektur der Rohstoff- und Energiepreise schwächt sich der inflationäre Gegenwind leicht ab. Die Region dürfte ein reales BIP-Wachstum von mehr als 7 Prozent im Gesamtjahr 2022 aufweisen – und das in einem Umfeld, in dem sich das globale Wachstum verlangsamt. Insgesamt bleibt Indiens Inlandsnachfrage robust und die Unternehmensgewinne entwickeln sich weiterhin gut, was uns veranlasst, das Land heraufzustufen.

Mexiko: Herabstufung auf neutral (0)

Nach einer Periode relativ stabiler Performance im Jahr 2021 stufen wir Mexiko auf neutral herab, da die Region Spillover-Effekte aufgrund der Verlangsamung der US-Nachfrage spüren könnte.

Taiwan: Neutral (0)

Wir beobachten die Region im Hinblick auf Risiken durch geopolitische Spannungen und behalten unsere neutrale Haltung bei.