In Zeiten der Corona-Krise Resilienz des Stiftungsvermögens

Stefan R. Haake (l.) und Ferenc von Kacsóh sind zwei von vier Gründern des Multi Family Office Pariter Fortis.  | © Lisa Miletic Photography

Stefan R. Haake (l.) und Ferenc von Kacsóh sind zwei von vier Gründern des Multi Family Office Pariter Fortis. Foto: Lisa Miletic Photography

Haben Sie das in den vergangenen Tagen und Wochen von Ihren Kollegen auch schon gehört? „Die Kurse an den Märkten sind ja Einstiegskurse, jetzt muss man nachkaufen!“ Oder: „Dieser Kursverfall, alles raus, weg mit dem Aktienplunder!“ Des Weiteren: „Das sitzen wir aus, das haben wir schon einmal gemacht, nämlich seit Beginn der Niedrigzinsphase. Wir haben einen langen Atem, wir schaffen das!“.

Sie sagen: „Das sind doch nur Befindlichkeiten – vielmehr als fundierte Aussagen zur Marktlage“? Fakt ist, dass wir seit dem 13. März 2020 im Dow Jones IA Index je zwei Top-15-Platzierungen der historisch höchsten Tagesverluste und -Gewinne gesehen haben: plus 11,4 Prozent am 24. März, plus 9,4 Prozent am 13. März, minus 12,9 Prozent am 16. März und minus 10,0 Prozent am 12. März. Natürlich kann sich dieser Marktdynamik ein Gefühl des Ausgeliefert-Seins einstellen, das ist nachvollziehbar.

Der Fragenkanon der Stiftungsverantwortliche

So stellen sich in der aktuellen Marktsituation den für die Kapitalanlage verantwortlichen Stiftungsmitarbeitern noch drängendere Fragen als bisher: War die Entscheidung, nach Jahren des Zinstiefs und der Minuszinsen in den Aktienmarkt zu investieren, wirklich richtig? Und muss ich, ganz nach Warren Buffets Motto „sei gierig, wenn andere ängstlich sind“, gerade jetzt weitere Aktien kaufen – oder doch meinen Bestand liquidieren? Habe ich mit meiner Entscheidung, nicht in Aktien zu investieren, wirklich alles richtig gemacht? Habe ich mit meiner Entscheidung die Existenz der Stiftung, gar ihre Gemeinnützigkeit, vielleicht sogar gefährdet? Welche Risiken strahlen dadurch auf mich ab?

Es geht hier keineswegs um schwarz oder weiß, richtig oder falsch – das verbietet sich bei der Heterogenität der Stiftungswelt ohnehin. Es geht vielmehr um eine Haltung, um ein Bewusstsein für das Thema und ein Rückgrat, mit dem die Position in den Gremien und gegenüber den Aufsichtsorgangen vertreten werden kann, ohne sofort in eine Rechtfertigungsschleife zu geraten.

Bei allen möglichen Treffen der Stiftungswelt ist von dessen Professionalisierung die Rede. Dieser Begriff ist aber mittlerweile so abgedroschen, dass es schmerzt. Gleichwohl ist der damit beschriebene Prozess inhaltlich nicht nur notwendig, sondern auch existenz-notwendig – und längst überfällig. Wir wählen daher ein anderes Bild, und treten ein für die Befähigung der Stiftungsverantwortlichen für ein verantwortliches, langfristorientiertes, bewusstes Agieren.

Resilienz – was ist das?

Was jedoch überwiegt, ist die Erkenntnis, dass sich in solch besonderen Situationen rächt, was sich im Tagesgeschäft an Fehlern und Versäumnissen eingeschlichen hat. Die Krise sozusagen als Kristallisationspunkt zu sehen, die die Frage der eigenen Resilienz sehr plastisch zu Tage treten lässt.

In der Medizin bezeichnet Resilienz auch die Aufrechterhaltung beziehungsweise rasche Wiederherstellung der psychischen Gesundheit, während oder nach stressvollen Lebensumständen, und ist als Ergebnis der Anpassung an Stressoren definiert. Natürlich ist dieser Begriff nicht ganz ohne kritische Bemerkungen zu sehen, denn um Ulrich Schnabel zu zitieren: „Das Gerede von der psychischen Widerstandskraft schaffe eine Kultur des Vorbereitet-Seins auf die Katastrophe“.