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Wiederanziehen des Wirtschaftslebens In Südostasien beginnt der globale Konjunkturaufschwung

Seoul

Seoul: Südkoreas Exporte sind seit drei Jahrzehnten ein wichtiger Frühindikator für den globalen Gewinnzyklus. Foto: imago images / Mint Images

Nadège Dufossé, Candriam

In der Pandemie folgte China dem Prinzip „first in – first out“: Weil Chinas Bruttoinlandsprodukt im vergangenen Jahr um 2,3 Prozent stieg, war China weltweit die einzige große Volkswirtschaft, die einen Zuwachs verzeichnen konnte. Der Aktienmarkt des Landes reagierte entsprechend, verbuchte in den ersten Monaten 2021 jedoch eine unterdurchschnittliche Performance. Im laufenden Jahr erholten sich die Aktien, die vom Wiederanziehen der Wirtschaft profitieren, zuerst in den USA. In Europa begannen die Impfkampagnen und die darauffolgende Lockerung der Maßnahmen später; deshalb besteht hier noch Aufholpotenzial.

Nicht zu vergessen ist, dass die Wiedereröffnung im Westen auch die chinesische Wirtschaft günstig beeinflusst. Der jüngste Anstieg des chinesischen Einkaufsmanagerindex (Caixin PMI) auf ein neues Jahreshoch spiegelt die weltweite Konjunkturerholung und die anhaltende Binnennachfrage wider. Der Zuwachs der Aufträge aus dem In- und Ausland deutet darauf hin, dass der Trend sich wohl fortsetzt. Getragen wird die Erholung von einer weiterhin sehr lockeren Geld- und Haushaltspolitik in der westlichen Welt und natürlich auch vom Erfolg der Impfprogramme. Die chinesischen Exporteure, die in vielen Bereichen der Industrie immer noch die wichtigsten weltweiten Lieferanten sind, beeilen sich, um die vielen neuen Aufträge abzuarbeiten.

Wir messen die Wirtschaftsleistung in China mit dem sogenannten Li-Keqiang-Index (benannt nach dem amtierenden Ministerpräsidenten). Der Indikator, der sich auf das Frachtaufkommen, den Stromverbrauch und die Gesamtkreditvergabe stützt, erreichte jüngst ein 11-Jahreshoch. Zugleich bringt die Stärke der chinesischen Wirtschaft auch den Aktienmarkt des Landes voran. Wir beobachten insbesondere den Wiederaufbau der Lieferkette sowie den weiteren Ausbau der (verstärkt von Nachhaltigkeitsgedanken geprägten) industriellen Infrastruktur.

Grafik 1: In China stützt die kräftige Konjunkturerholung die inländischen Aktien

Abgesehen von China stehen zwei weitere Faktoren in unserem Fokus: Rohstoffe und Exporte. So sind die chinesischen Exporteure entgegen der gängigen Meinung in der Lage, die zusätzlichen Rohstoffkosten auf ihre in- und ausländischen Kunden umzulegen. In den Blick fällt auch der sprunghafte Anstieg der koreanischen Exporte. Im Mai verzeichneten 14 von 15 wichtigen Produktkategorien Zuwächse. Während wir gerade in Südkorea die Kombination von qualitativer Substanz (Finanztitel) und Wachstum (zum Beispiel Technologie und Gesundheitswesen) schätzen, deuten die jüngsten Daten auf eine besonders positive Bilanz: Die südkoreanischen Exporte sind seit drei Jahrzehnten ein wichtiger Frühindikator für den globalen Gewinnzyklus. Daher dürfte die Erholungsphase nach Corona voraussichtlich Aufwärtskorrekturen der Gewinne auch in den westlichen entwickelten Ländern mit sich bringen.

Grafik 2: Die südkoreanischen Exporte sind ein guter Frühindikator für den globalen Gewinnzyklus