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Investitionen in Brustkrebstherapien „In einigen Ländern gibt es mehr Kapital als große Ideen“

Rudi Van den Eynde, Portfoliomanager bei Candriam

Rudi Van den Eynde, Portfoliomanager bei Candriam: „Das Risikokapital im Gesundheitsbereich ist in den meisten europäischen Ländern auf dem Vormarsch und seine Verfügbarkeit verbessert sich.“ Foto: Candriam

Herr Van den Eynde, was tut sich derzeit in der Krebsforschung?

Rudi Van den Eynde: Die Forschung bietet heute ein besseres Verständnis des genetischen Fingerabdrucks von Krebserkrankungen. Dies öffnet die Tür zur personalisierten Medizin und zur Entwicklung hochspezialisierter Medikamente. Das von Roche entwickelte Herceptin war der erste Marker dieser Revolution und veränderte die Prognose von HER2-positivem Brustkrebs, der zu den aggressivsten gehört. Es ist jedoch nur bei 20 Prozent der Patientinnen wirksam, die Mutationen im HER2-Gen aufweisen. Aber auch für die anderen gibt es nach und nach neue Alternativen, die die Chemotherapie ersetzen oder ergänzen. Im vergangenen Jahr haben die US-Behörden ein neues Medikament zur Behandlung von „dreifach negativem“ Brustkrebs zugelassen, der zu den am schwierigsten zu behandelnden zählt. Auch erbliche Tumorerkrankungen mit Veränderungen in den BRCA-Genen werden besser behandelt, ebenso wie solche, die in ein metastasiertes Stadium fortgeschritten sind oder auf die Standardbehandlung nicht mehr ansprechen. Es gibt auch vielversprechende Forschungen im Bereich der Immuntherapie, die darauf abzielt, das Immunsystem so zu stimulieren, dass es Krebszellen erkennt und angreift.

Die Preise für diese innovativen Behandlungen steigen jedoch sehr schnell, für einige sogar explosionsartig. Inwieweit wird der Zugang zu diesen Therapien durch exorbitant hohe Kosten erschwert oder sogar verhindert?

Van den Eynde: Das ist der Preis für zielgerichtete Therapien. Bis Anfang der 1990er-Jahre zielten neue Therapien in erster Linie auf große Patientenpopulationen ab. Die Krebserkrankungen wurden so gut es ging mit Chemotherapie behandelt. Aber seitdem hat uns die Forschung gezeigt, dass es nicht nur eine einzige Art von Brustkrebs gibt, sondern verschiedene Arten, die mit verschiedenen Medikamenten behandelt werden können und sollten.

Könnten Sie das näher erläutern?

Van den Eynde: In der Onkologie im Allgemeinen betreffen einige sehr seltene Krebsarten weltweit nur einige Zehntausende, manchmal nur einige Hunderte von Patienten. Die Biotechnologie gibt uns die Waffen, um sie zu bekämpfen, aber das bedeutet auch, dass jedes entwickelte Medikament nur einer begrenzten Zahl von Patienten verschrieben werden kann. Auf der anderen Seite erhöhen sich die Forschungs- und Entwicklungskosten weiterhin, so dass die Preise in einem stärker fragmentierten Markt zwangsläufig steigen werden. Natürlich sollten wir nicht naiv sein. Die Verhandlungen zwischen Gesundheitsbehörden und Pharmafirmen sind für die Preisregulierung unerlässlich, ebenso wie der intensive Wettbewerb zwischen den Unternehmen.

Letztlich ermöglichen gute Gewinne den Unternehmen aber ihre weiteren Forschungsleistungen, oder?

Van den Eynde: Ganz genau. Wir dürfen nicht vergessen, dass die Medikamente, die auf dem Markt sind, die Finanzierung der Innovation von morgen ermöglichen. Und wenn die Patente 10 bis 12 Jahre nach der Marktzulassung auslaufen, wird die Konkurrenz durch Generika und Biosimilars sehr stark und die Preise sinken. Alles in allem halte ich dieses System für recht effizient und denke, dass es die notwendigen Investitionen aufbringen kann, um künftige Herausforderungen zu meistern.

Auch private Investoren spielen in diesem System eine Rolle, indem sie die vielversprechendsten Projekte finanzieren. Gibt es sie immer noch in ausreichender Zahl?

Van den Eynde: Betrachtet man den vorgelagerten Bereich, das Risikokapital, so gab es in der Vergangenheit einen gewissen Mangel, und die Unternehmen mussten einen intensiven Wettbewerb um Investoren führen, vor allem in Europa. Angesichts des Corona-Virus hätten wir daher eine Art Verdrängung von Risikokapital in andere therapeutische Bereiche befürchten können. Aber das ist nicht der Fall, und dies spiegelt auch die Professionalität und die Entwicklungsfähigkeit der heutigen Forschung und zukünftiger Innovationen wider.

Die Unternehmen haben also das Vertrauen der Investoren?

Van den Eynde: Das Risikokapital im Gesundheitsbereich ist in den meisten europäischen Ländern auf dem Vormarsch, und ich sehe auch, dass sich seine Verfügbarkeit verbessert. Im Allgemeinen haben die Unternehmen Zugang zu den notwendigen Mitteln für ihre Arbeit. Wer die richtige Innovation voranbringt, hat keinerlei Schwierigkeiten, sie zu finanzieren. Ich wage fast zu behaupten, dass es in einigen Ländern mehr Kapital gibt als große Ideen. Darum ist es auch so wichtig, dass die Investoren unabhängig von der Art des Unternehmens – börsennotiert oder privat – mit Hilfe anerkannter Experten eine gründliche Bewertung der Projekte vornehmen, die sie finanzieren möchten. Dies bieten wir bei Candriam mit unserem Team von wissenschaftlichen Beratern für Investoren und unseren exklusiven Bewertungsmodellen, die sich seit fast 20 Jahren auch in einem so komplexen Kontext wie dem des Corona-Virus bewährt haben.

Grafik: Brustkrebs in Zahlen