Hifi-Manufaktur Bang & Olufsen „In China haben wir selbstgefällig Chancen verpasst.“

Tue Mantoni

Tue Mantoni

Wie der klassische Vorstandsvorsitzende eines internationalen Unternehmens sieht Tue Mantoni nicht aus. Eher wie ein großer Junge. Mantoni ist schlank mit wachen Augen, unprätentiös und mit einem ansteckenden Lächeln. 38 Jahre jung ist der Däne, seit zwei Jahren CEO von Bang & Olufsen (B&O), und nun steht er in der Frankfurter Kaiserstraße zur Eröffnung des Flagship-Stores der edlen Hifi-Manufaktur.

Mantoni gilt als Wunderkind. Mit nur 26 Jahren kommt er von McKinsey zum britischen Motorradhersteller Triumph, wird dort CEO und stellt den kriselnden Nischenplayer neu auf. Bei B&O soll er Gleiches wiederholen. B&O ist eine Design-Ikone, und doch läuft das Unternehmen mit den formvollendeten Klangkörpern im Krisenmodus.

Die Aktie hat die vergangenen fünf Jahre 59 Prozent an Wert verloren. Seit 2009 befindet sich der Titel in einer Seitwärtsbewegung. Im Luxussegment ist das eine Ausnahme: LVMH oder Richemont profitieren vom Kaufrausch in Asien. Luxus geht immer, heißt es.

Für B&O stimmt das derzeit noch nicht. Zu abhängig ist das Unternehmen noch von europäischen Konsumenten. „Wir hatten alle Eier in den gleichen Korb gelegt“, sagte Mantoni. Lediglich 5 Prozent des weltweiten Umsatzes kommt aus China. „In China waren wir nicht präsent genug. Da haben wir selbstgefällig Chancen verpasst. “

Für die Zukunft stehen für ihn fünf wesentliche Ziele in Bezug auf China im Fokus: den Bekanntheitsgrad zu steigern, den Vertrieb durch die Eröffnung neuer Verkaufsläden zu stärken, die Einzelhandelskompetenz der Shops zu verbessern, B&O-Play-Produkte – die junge Zweitmarke – einzuführen und eine lokale Organisationsstrukturaufzubauen.

Einer der größten Anteilseigner von B&O ist die niederländische Versicherungs- und FondsgesellschaftDelta Lloyd. Angus Steel ist verantwortlich für den Delta Lloyd L European Participation Fund. Über 1,7 Millionen B&O-Aktien hält er. Mit 7,6 Prozent zählt B&O zu den größten Positionen im Portfolio. Steel („Wenn ein kauziger Schotte und eine niederländische Versicherung zusammenfinden, kann ja nur etwas Außergewöhnliches entstehen“), ist auch in Frankfurt.

Mit Mantoni teilt er die Begeisterungsfähigkeit für die dänische Marke, den Spaß an der Arbeit – und am Feiern. „Es gibt nur ein herrlicheres Geräusch, dass nicht von Bang & Olufsen kommt“, erklärt Steel, als eine Flasche Wein entkorkt wird. Seit 2007 ist er Aktionär von B&O. „Tue und das Management konzentrieren sich auf das Kerngeschäft und stärken den Vertrieb in den wichtigen Regionen“, so Steel.

„Derzeit ist B&O extrem günstig bewertet. Für den Kurs bekommen Sie die Unternehmenswerte und das Guthaben – den Markennamen nicht eingerechnet, und wir kaufen uns gern in Unternehmen ein, wenn es eine kostenlose Zugabe gibt“, erklärt Steel.

Er glaubt an B&O, an einen steigenden Absatz in den USA und in Asien. Ihm gefällt die Kooperation mit Automarken im Luxussegment: „In Schanghai gibt es Aston-Martin-Showrooms, die haben einen VIP-Bereich. Im Aston-Martin-Laden“. Steel ist treu: Bis zu zehn Jahre ist er in Unternehmen investiert.

Mitunter länger als die Unternehmensführung. „Wir suchen keine Revolution, nur die Evolution“, erklärt er. Und er ist aktiv und ganz nah am Management. Manchmal auch zu nah. Jüngst bekam B&O in Asien einen Designpreis verliehen, Steel war auch dabei, und Mantoni stellte ihm Vertreter der dänischen Delegation vor. „Sie stand dann einfach vor mir, bildhübsch und freundlich, und ich kleiner Schotte war komplett verwirrt“, so Steel über seine erste Begegnung mit Kronprinzessin Mary.

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