Impact Investing, Teil 2 Wie der Finanz-Mainstream einen Nischenmarkt entdeckt

Stefan Fritz arbeitet als Spezialist für Investmentfonds bei der GLS Bank. In seinem Beitrag beleuchtet er die Entwicklungen am Markt für nachhaltige Kapitalanlagen. | © GLS Bank

Stefan Fritz arbeitet als Spezialist für Investmentfonds bei der GLS Bank. In seinem Beitrag beleuchtet er die Entwicklungen am Markt für nachhaltige Kapitalanlagen. Foto: GLS Bank

Haben Sie sich schon einmal die jeweils zehn größten Positionen von sogenannten SDG-Publikumsfonds näher angeschaut? Sie werden erstaunt sein. In den Top 10 darin finden Sie häufig Aktien und Anleihen der weltweit größten Konzerne. Vertreter der Finanzindustrie tummeln sich dort ebenso wie Pharmakonzerne, Konsumgüterhersteller oder Big-Data-IT-Unternehmen.

Unternehmen in den Top-10-Positionen von Impact- / SDG-Indizes und -Fonds (Auswahl)

Unternehmen  Branche 
ABBvie  Pharma 
Air Liquide Industrie 
Apple  IT 
Microsoft  IT 
Procter & Gamble Konsumgüter
Unilever Konsumgüter 
United Health Group Pharma
Visa  Finanzen 

Quelle: eigene Recherche

In den Fonds befinden sich also häufig Unternehmen, die in konventionellen Investmentfonds bereits prominent vertreten sind. Dabei ist die Kernidee des wirkungsorientierten Investierens (Impact Investing) doch, absichtlich eine messbare sozial-ökologischen Wirkung zu erzielen. Sollte dafür nicht Kapital direkt in Firmen mit innovativen Geschäftsmodellen fließen, die andernfalls womöglich keine Gelder erhielten? Wie kommt es, dass die sehr rege gehandelten Anteile von Großkonzernen als impact-würdig gelten und in die Fonds aufgenommen werden? Um dies zu verstehen, hilft ein kritischer Blick auf den Nachhaltigkeitsansatz von Impact-Fondsanbietern.

Auf große börsennotierte Konzerne ausgerichtet: die Rechtsstruktur offener Publikumsfonds (OGAW)

Am Markt für nachhaltige Investmentfonds dominiert ein Fondstyp, der Organismus für die gemeinschaftliche Anlage in Wertpapiere, der sogenannte OGAW-Fonds. Wie der Name schon sagt, legen die Portfoliomanager den größten Teil der Gelder in Wertpapiere an. Das Gesetz verlangt, dass Wertpapiere zu einem regulierten Börsenhandel zugelassen sind. Dies sind vorrangig Aktien und Anleihen großer Unternehmen, Banken oder öffentlicher Institutionen. Denn die Notierung an einer Börse kostet Geld. Ein Wertpapierprospekt muss erstellt und Börsenregeln müssen eingehalten werden. Kleine Unternehmen können dies kaum leisten. Um für einen OGAW-Fonds investierbar zu sein, müssen klare wirtschaftliche Voraussetzungen erfüllt sein, die vor allem große Unternehmen begünstigen. Somit sind kleinere Unternehmen, die zum Beispiel in innovativen Feldern agieren, für diese Fonds nicht oder nur im begrenzten Maße investierbar.