Impact Investing, Teil 1 Wie der Finanz-Mainstream einen Nischenmarkt entdeckt

Stefan Fritz arbeitet als Spezialist für Investmentfonds bei der GLS Bank. In seinem Beitrag beleuchtet er die Entwicklungen am Markt für nachhaltige Kapitalanlagen.  | © GLS Bank

Stefan Fritz arbeitet als Spezialist für Investmentfonds bei der GLS Bank. In seinem Beitrag beleuchtet er die Entwicklungen am Markt für nachhaltige Kapitalanlagen. Foto: GLS Bank

Impact Investing ist in Mode. Viele Fondsanbieter beschwören diese Art des Investierens als einen Königsweg, um eine nachhaltige Welt im Sinne der 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen (Sustainable Development Goals (SDGs)) zu erreichen. Internationale Investoreninitiativen wie die PRI oder UNEP-FI weisen den Weg. Sie schaffen Impact Investing Market Maps oder formulieren Principles for Positive Impact Finance, an denen sich Fondsanbieter orientieren sollen. In kurzer Zeit ist eine Vielzahl an neuen Produkten, Anlagestrategien und Reportings entwickelt und am Markt platziert worden, mit denen Fondsanbieter in aller Deutlichkeit ihren positiven Impact demonstrieren wollen.

Impact Investing kann eine sehr wichtige Rolle auf dem Weg in eine nachhaltigere Wirtschaft spielen. Aber wie es so häufig ist, sollten Anleger kritisch sein, wenn ein Thema am Kapitalmarkt hochgejubelt wird. Denn Impact Investing heißt übersetzt erst einmal nur wirkungsorientiertes Investieren. Ob dieses positiv oder negativ ist, verrät das Wort selbst nicht. Wie ist es aber dann dazu gekommen, dass sich Impact Investing diesen positiven Ruf erworben hat? Ist es tatsächlich zu einem starken Anstieg an wirkungsvollen Investments gekommen, wie der Markt vermuten lässt oder werden alte Nachhaltigkeitskonzepte lediglich unter einem neuen Namen verkauft?

Die ursprüngliche Idee des Impact Investing

Wer den Grundgedanken von Impact Investing verstehen will, wird beim Global Impact Investing Network (GIIN) fündig. Die Referenz am Markt hat eine allgemein akzeptierte Definition veröffentlicht. So sei für diese Art von Investments die Absicht entscheidend, eine messbare, positive soziale und ökologische Wirkung neben der finanziellen Rendite zu erzielen. Die Investitionen sollen dazu beitragen, die drängendsten Probleme auf der Welt zu lösen. Angefangen bei nachhaltiger Landwirtschaft über erneuerbaren Energien und Mikrofinanz bis hin zu erschwinglichen und zugänglichen Basisdienstleistungen wie Wohnen, Gesundheit oder Bildung.

Um die Absicht und die Messbarkeit der sozial-ökologischen Wirkung geht es also. Dafür haben Impact-Investoren als geeignete Investmentobjekte viele Jahre lang vor allem Alternative Investment Fonds (AIF) angesehen. Denn hier wird das Anlagegeld dem Unternehmen oder Projekt in Form von privatem Eigenkapital, Darlehen oder Mezzanine-Kapital direkt zur Verfügung gestellt. Bei Publikumsfonds (OGAW) tauschen dagegen in der Regel nur zwei Investoren ihre Anteile. In den Portfolios der AIFs befinden sich häufig kleinere Unternehmen und Projekte. Denn mit ihnen kann eine individuelle Messung bestimmter Kennzahlen vereinbart werden. Aufgrund des hohen Risikos und der häufig geringen Handelbarkeit richten sich diese Anlagen an professionelle Anleger. Privatanleger bleiben – mit Ausnahme von Mikrofinanzfonds – von diesem Markt weitgehend ausgeschlossen. 

Das traditionelle Impact Investing stellte damit jahrelang nur eine kleine Unterkategorie im dynamisch wachsenden Markt an nachhaltigen Anlageprodukten dar, der von OGAW-Publikumsfonds dominiert wird und gemeinhin unter dem Begriff Socially Responsible Investment (SRI) bekannt wurde. Eine 2015 entwickelte Grafik der Investmentfirma Bridge Venture macht diesen Gegensatz deutlich. Bridge Venture vergleicht darin unterschiedliche Investmentstrategien miteinander. Je weiter rechts man auf die Grafik schaut, umso höher die positive sozial-ökologische Wirkung.

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