Immobilien-Studie Institutionelle Anleger bevorzugen Deutschland

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Um Immobilienprojekte zu finanzieren, gehen die Beteiligten die verschiedensten Wege. Privatmittel werden direkt und indirekt eingebracht. Und selbst Zusammenschlüsse verschiedener Investorengruppen, die auf unterschiedliche Weise Eigenmittel einbringen, sind keine Seltenheit. Konkret wird Private Equity in diesem Jahr aus Sicht der Experten das gefragteste Finanzierungskonzept für Immobilienprojekte sein (96 Prozent), dicht gefolgt von Real Estate Joint Ventures (90,7 Prozent) und Debt Funds (89,2 Prozent).

Aus Sicht der Mehrheit von 54,7 Prozent der Befragten wird das Eigenkapital von privaten oder institutionellen Anlegern 2016 sogar eine wichtigere Rolle spielen als im Vorjahr. 44 Prozent der Umfrageteilnehmer glauben zudem, dass auch die Wichtigkeit von Mezzanine-Kapital (Dabei handelt es sich um eine Mischung aus Eigen- und Fremdkapital, aus dem keine Stimm- oder Einflussnahme-Rechte erwachsen) für die Finanzierung von Immobilienprojekten in den kommenden zwölf Monaten zunehmen wird. 36 Prozent sehen in diesem Zusammenhang Real Estate Joint Ventures im Kommen.

Was Debt Funds betrifft, so geht eine Mehrheit (59,5 Prozent) der Befragten davon aus, dass diese Form der Fremdfinanzierung 2016 eine gleichbleibend wichtige Rolle einnehmen wird wie bisher. Jeder dritte Befragten (29,7 Prozent) rechnet damit, dass deren Bedeutung für die Projektfinanzierung in diesem Jahr zunehmen wird.

Crowdfinancing: Spannung und Skepsis

Ein ähnliches Bild zeigt sich beim vergleichsweise neuen Thema Crowdfinancing, das nun auch in der Immobilienbranche vermehrt Einzug hält: Rund 30 Prozent (29,7 Prozent) sagen Crowdfinancing für 2016 eine wachsende Bedeutung am Markt für Immobilieninvestments voraus. 52,7 Prozent der Befragten sind bei dieser Finanzierungsform der Meinung, dass ihre Bedeutung am Markt im laufenden Jahr gleich bleiben wird.

Die Umfrage zeigt jedoch auch, wie sehr die Schwarmfinanzierung auf dem Immobilienmarkt vergleichsweise noch in den Kinderschuhen steckt. Demnach wird keine andere Finanzierungsform so skeptisch betrachtet. Denn immerhin rund 18 Prozent (17,6 Prozent) der Befragten sagen voraus, Crowdfinancing werde in der Projektfinanzierung 2016 an Gewicht verlieren – so viele wie bei keiner anderen Finanzierungsart. Auch hier decken sich die Umfrageergebnisse mit der aktuell vorherrschenden Meinung, dass sich der Markt für Schwarmfinanzierungen in den nächsten Jahren noch konsolidieren wird.

Unabhängig davon, welche Finanzprodukte im Einzelnen in der Gunst der Anleger stehen, zeigt die Untersuchung, dass die Investoren insgesamt möglichst viel eigenes Geld in die Projektfinanzierung einbringen möchten. Ob Immobilien im Bereich Einzelhandel, Büro, Hotel, Logistik oder Wohnen: Die von Soravia Capital befragten Befragten sehen über alle Assetklassen hinweg im Durchschnitt ein ausgeglichenes Verhältnis von Eigen- zu Fremdkapital.

So rechnen die Anleger je nach Immobilienklasse mit durchschnittlich zwischen 46 und 48 Prozent Eigenkapitaleinsatz. Im Mittel wird zur Realisierung der Investmentprojekte also nur geringfügig mehr Fremdkapitaleinsatz erwartet. Insgesamt lässt sich jedoch konstatieren, dass die Profi-Investoren einen ausgeglichenen Anteil bei der Bereitstellung der Gelder für die Projektfinanzierung prognostizieren.

Rund 22 Prozent (21,8 Prozent) der Befragten rechnen zudem damit, dass bei der Asset-Klasse Büroimmobilien mit einem vergleichsweise hohen Fremdkapitalanteil von rund 70 Prozent finanziert werden wird.

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Finanzierungsformen bei Immobilienprojekten 2016 in Prozent

Quelle: Soravia Capital 2016

Die Studie hat es sich zudem zum Ziel gemacht, die Gründe der Anleger genauer zu hinterfragen. Wie die Antworten der befragten Investoren zeigen, steht trotz der Hochpreisphase auf den Immobilienmärkten vor allem die Aussicht auf attraktive Renditen bei fast allen Investitionsentscheidungen im Mittelpunkt: Knapp 80 Prozent (79,5 Prozent) der Studienteilnehmer bestätigen, dass der zu erwartende finanzielle Ertrag aus ihren Investments das ausschlaggebende Kaufkriterium für sie ist.

In Zeiten schwacher Konjunktur, niedriger bis negativer Zinsen und besonders volatiler Aktien- und Rohstoffmärkte, wundert es nicht, dass die Anleger bei ihren Investitionen zudem einen starken Fokus auf Sicherheit und Werterhalt legen. So ist die Sicherheit von Investitionen das zweitwichtigste Entscheidungskriterium für die Befragten; bei knapp der Hälfte (49,3 Prozent) ist diese maßgebend. Fast ebenso viele Studienteilnehmer, nämlich 47,9 Prozent, geben dementsprechend an, mit ihren Geldanlagen besonders auf den Erhalt ihres beziehungsweise des von ihnen verwalteten Vermögens abzuzielen.

37 Prozent der Befragten legen bei ihren Investitionen den Fokus darauf, dass sie vielseitig aufgestellt sind. Für sie stellt die Diversifikation ihrer Portfolios ein ausschlaggebendes Kriterium dar. Lediglich 8,2 Prozent tätigen ihre Investitionen um die Inflation auszugleichen, die es trotz der anhaltenden Bemühungen der Europäischen Zentralbank im Augenblick ohnehin nicht gibt. Weitere 8,2 Prozent investieren, um ihre Liquidität abzubauen.

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Anlageziele der Investoren in Prozent

 Quelle: Soravia Capital 2016


Über die Studie

Für die Studie wurden 80 Fach- und Führungskräfte befragt. Mit rund 85 Prozent arbeitet die deutliche Mehrheit für deutsche Unternehmen. 6,3 Prozent der Befragten sind hingegen für österreichische, weitere 4,7 Prozent für britische Unternehmen tätig. Die Unternehmen der übrigen Entscheider (4,7 Prozent) haben ihren Geschäftssitz in anderen Ländern.

Mehr als die Hälfte (58,4 Prozent) der befragten Entscheider arbeitet in den obersten Führungsebenen ihrer Unternehmen, davon sind 21,5 Prozent Inhaber und 36,9 Prozent Geschäftsführer, CEOs (Chief Executive Officer) oder Vorstandsmitglieder. Die zweitgrößte Gruppe stellen Anlageberater: 12,3 Prozent der Teilnehmer sind in dieser Position tätig.

Mit 15,4 Prozent ist die größte Gruppe der Teilnehmer für Bankhäuser tätig. Anlageberatungen stellen mit 13,8 Prozent den zweithöchsten Anteil unter den befragten Entscheidern. Ihnen folgen diejenigen Entscheider, die im Bereich Private Equity tätig sind, mit 12,3 Prozent. Jeweils 10,8 Prozent der Umfrageteilnehmer sind für Family Offices oder Projektentwickler tätig.

Weitere 9,2 Prozent arbeiten bei Bauträgern. Schließlich sind jeweils 1,5 Prozent der Befragten Pensionsfonds oder Versicherungen zuzuordnen. Die übrigen 24,6 Prozent der Teilnehmer setzt sich aus Vertretern von Unternehmen verschiedener anderer Branchen zusammen, darunter Hotels, Makler, Crowdfunding-Unternehmen, Rechtsberatungen, Transaktionsberatungen oder Debt Advisory.


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