Immobilien, Infrastruktur und Private Equity Norwegischer Staatsfonds will Sachinvestments

Norwegens rund 890 Milliarden Dollar schwerer Staatsfonds trifft alle notwendigen Vorbereitungen, um mit Investitionen in Infrastruktur und Private Equity zu beginnen. Das erklärte Vorstandschef Yngve Slyngstad in einem Interview mit Bloomberg News.

In einem Strategie-Dokument des weltgrößten Staatsfonds aus dieser Woche geht hervor, dass er die Anzahl der Mitarbeiter über die nächsten drei Jahre um rund 60 Prozent erhöhen wird. Auf diese Weise will er den Weg für mehr Immobilien-Investments ebnen. Zudem könne der Fonds dem Papier zufolge mehr Geld in Anlagen stecken, die “einen Einnahmen-Fluss haben, der entsprechend der Weltwirtschaft wächst”.

Das bedeute Sachanlagen wie Immobilien, Infrastruktur und Private Equity, erklärte Slyngstad in dem Gespräch. “Wir bereiten die Organisation immer für mögliche Änderungen beim Mandat vor.” Die finale Entscheidung in dieser Frage liege jedoch bei der Regierung.

Das derzeitige Mandat erlaubt dem Fonds neben Investments in Aktien und Bonds auch Anlagen in Immobilien. Das Okay für Immobilien-Investments hatte der Fonds im Jahr 2011 von der damaligen Regierung erhalten.

Die neue Regierung unter Führung der Konservativen hatte vor den Wahlen in Aussicht gestellt, dass der Staatsfonds das Spektrum seiner Investments noch weiter ausweiten darf. Doch inzwischen ist die Regierung davon abgerückt. Zwar sei die Ausweitung des Investment-Universums “nicht vom Tisch”, doch erstmal müsse die Regierung den Erfolg im neuen Bereich Immobilien abwarten, hieß es aus dem Finanzministerium.

Derzeit hält der Fonds rund 1,3 Prozent aller Aktien weltweit. Er hat allerdings Schwierigkeiten, sein Ziel einer Real-Rendite von 4 Prozent zu erreichen. Zentralbank-Chef Oeystein Olsen hatte argumentiert, der Fonds müsse für bessere Erträge in neue Anlageklassen investieren und den Anteil der Aktien am Fonds auf 70 Prozent ausweiten. Die Zentralbank übt die Aufsicht über den Staatsfonds aus.

Der Fonds darf laut aktueller Richtlinie 60 Prozent seines Vermögens in Aktien, 35 Prozent in Anleihen und fünf Prozent in Immobilien halten.

“Falls wir Änderungen für notwendig halten, werden wir sie durchführen, sobald wir dazu bereit sind”, sagte Siv Jensen, die norwegische Finanzministerin, in dieser Woche. Eigenen Worten zufolge ist sich dessen bewusst, dass sich der Fonds auf neue Anlage-Klassen vorbereitet.

Dem Strategiepapier des Fonds zufolge will der Fonds die Bandweite seiner Investments ausweiten, um mehr “Grenzmärkte” ins Visier zu nehmen.

“Wir sollten in der Weltwirtschaft so breit aufgestellt sein wie nur möglich”, erklärte Slyngstad in dem Interview mit Bloomberg News. Weitere Märkte würden hinzugefügt, sobald sie Minimum-Anforderungen für Marktstandards erfüllen würden. In Afrika und dem Nahen Osten gebe “es eine ganze Reihe von Ländern, in denen wir nicht investiert sind. Besonders in Afrika, wo die Mehrheit unserer Investments in Südafrika sind - auch wenn es ein paar in Ägypten, Kenia und Marokko gibt.”

Ein Vertreter das Finanzministerium erklärte, sein Haus unterstütze diese Pläne. Gleichzeitig sei sein Haus der Auffassung, dass die Zentralbank weiterhin die Verantwortung dafür haben sollte, Investments in derartigen Märkten freizugeben.

Seit 1998 kommt der Fonds auf einen realen jährlichen Ertrag von 3,6 Prozent und einen nominalen Ertrag von 5,7 Prozent. In Dollar gemessen bringt es der Staatsfonds Norwegens auf rund 6,7 Prozent.