Immobilienspezialist Michael Schneider ESG-Kriterien werden zum Investment-Parameter

Ganz besondere Ausbaustufe von Nachhaltigkeit bei Immobilien: Ein Dachgarten auf einem Wohnhaus im Berliner Stadtteil Charlottenburg.  | © imago images / Joko

Ganz besondere Ausbaustufe von Nachhaltigkeit bei Immobilien: Ein Dachgarten auf einem Wohnhaus im Berliner Stadtteil Charlottenburg. Foto: imago images / Joko

Die Immobilienbranche steht vor einem Sinneswandel: In der Vergangenheit waren Rendite und Risiko die beiden zentralen Kenngrößen bei einer Immobilieninvestition. Künftig wird daneben eine Bewertung der Nachhaltigkeit treten, die mindestens genauso viel Gewicht hat, wie die beiden anderen Parameter. Dieser Wandel ist umfassend und für viele Akteure sehr aufwendig. Und er wird in der Branche noch immer erheblich unterschätzt.

Diese Entwicklung wird von zwei Seiten getrieben: In den kommenden zwölf Monaten treten verschiedene europäische Gesetze und Vorgaben in Kraft, die das Thema verpflichtend für alle Investitionen vorschreiben. Die EU strebt nichts Geringeres an als den Umbau der gesamten Finanzbranche. Europa soll bis 2050 der erste klimaneutrale Kontinent werden.

Während Nachhaltigkeit lange Zeit für viele Marktteilnehmer etwas Fakultatives war, das beim Vertrieb geholfen hat, wird es künftig Pflicht sein. Das heißt: Nachhaltigkeit wird ein zentrales Kriterium werden, das in allen Investitionskriterien von Fonds, bei allen Due Diligences, beim Risikomanagement, beim Property Management oder bei der Kommunikation mit den Anlegern fest verankert wird. 

Neben der Finanzbranche und den Kapitalverwaltungsgesellschaften sind die Investoren selbst die treibende Kraft für diesen Wandel. Institutionelle stehen viel mehr als noch vor Jahren unter dem Druck ihrer eigenen Stakeholder und auch der Öffentlichkeit, ihre Gelder konform zu den ESG-Kriterien Soziales, Umwelt und gute Unternehmensführung zu investieren. Dies zeigen beispielsweise immer wieder Fälle aus dem Wohnungsbereich, wenn nicht Mieterhöhungen oder Kündigungen von den Medien aufgegriffen werden und so auf die Investoren zurückfallen.