Knapp fünf Monate nach seinem Amtsantritt setzt Greg Abel sein erstes Ausrufezeichen. Berkshire Hathaway übernimmt den US-Hausbauer Taylor Morrison Home Corporation. Berkshire zahlt 72,50 US-Dollar je Aktie und damit 24 Prozent mehr als der Schlusskurs vom 29. Mai von 58,50 Dollar. Der Eigenkapitalwert von Taylor Morrison liegt damit bei rund 6,8 Milliarden Dollar. Inklusive der übernommenen Verbindlichkeiten beläuft sich der Unternehmenswert auf 8,5 Milliarden Dollar. Bezahlt wird vollständig in bar.
Der Taylor-Morrison-Kauf gilt als erster großer von Greg Abel verantworteter Zukauf seit seinem Amtsantritt als Berkshire-Chef. Zwar hatte das Konglomerat bereits im Januar das Petrochemie-Geschäft von Occidental Petroleum für 9,7 Milliarden Dollar übernommen, was die größte Transaktion seit 2022 war. Doch dieser Kauf gilt als noch unter Warren Buffett vorbereitete Transaktion. Taylor Morrison hingegen gilt als Abels eigene Wahl.
380 Milliarden Dollar Barreserven
An den Kapitalmärkten war zuletzt mit Spannung beobachtet worden, wie Abel mit dem Barvermögen des Konzerns umgehen würde. Berkshire schloss das erste Quartal 2026 mit Barreserven und kurzfristigen Staatsanleihen im Rekordwert von rund 380 Milliarden Dollar ab. Auf der Hauptversammlung Anfang Mai hatte Abel den Aktionären Geduld und Disziplin versprochen und dabei durchblicken lassen, dass er eine Liste von Kaufkandidaten führt. „Es wird Verwerfungen an den Märkten geben, die uns zum Handeln bringen“, sagte er damals. Auf Taylor Morrison hat er offenkundig nicht lange gewartet.
Abel begründete den Kauf mit dem strukturellen Fundament des US-Wohnungsmarkts. „Dieser Deal bekräftigt unser langjähriges Engagement für den US-Wohnungsbau. Wohneigentum bleibt ein zentrales Element des amerikanischen Traums“, erklärte er. Die B-Aktie von Berkshire hat in den vergangenen zwölf Monaten 5,6 Prozent verloren. Anleger warteten auf einen Beweis, dass Abel das Erbe Buffetts nicht nur zu verwalten, sondern auch zu mehren versteht.
Berkshires Haus- und Bau-Imperium
Berkshire ist im US-Immobiliensektor kein Neuling. Seit 2003 gehört Clayton Homes zum Konzern, eines der größten Unternehmen für Fertighäuser in den Vereinigten Staaten. Dazu kommen der Farbenhersteller Benjamin Moore und der Dämmmaterial-Produzent Johns Manville, beide mit direktem Bezug zur Bauwirtschaft. In der Vergangenheit hielt Berkshire zudem Aktien der Hausbau-Konzerne D.R. Horton, Lennar und NVR.
Taylor Morrison soll nun unter diesem Dach weitergeführt und langfristig mit Clayton Homes auf einer gemeinsamen Plattform zusammengeführt werden. Abel nannte als Ziel ausdrücklich Einkaufs- und Vertriebsvorteile durch die größere Marktmacht des Gesamtkonzerns.
Was Taylor Morrison in die Übernahme mitbringt
Taylor Morrison ist einer der führenden Hausbauer der USA. Das Unternehmen aus Scottsdale im US-Bundesstaat Arizona ist in zwölf Bundesstaaten und 21 Märkten mit über 350 Wohnanlagen präsent. Das Unternehmen erzielte 2025 einen Umsatz von rund 8,1 Milliarden Dollar.
Analysehäuser wie Wolfe Research und Truist Securities hatten das Unternehmen zuletzt mit „Kaufen“-Empfehlungen eingestuft. Analysten des Datendienstleisters Gurufocus hingegen hatten den Kurs von 58,50 Dollar bereits als fair oder leicht überbewertet bezeichnet. Mit dem Aufschlag von 24 Prozent sichern sich die Taylor-Morrison-Aktionäre einen erheblichen Gewinn.
Taylor-Morrison-Chefin Sheryl Palmer, die das Unternehmen auch nach der Übernahme führen soll, sprach von einer strategischen Passung. „Dieser Zusammenschluss wird es uns ermöglichen, unsere Plattform in einer Weise weiterzuentwickeln, die als eigenständiges Unternehmen nicht möglich wäre.“ Nach dem Abschluss der Transaktion wird Taylor Morrison von der New Yorker Börse genommen.
Eine Wette auf den Wendepunkt
Der US-Immobilienmarkt kämpft noch immer mit hohen Hypothekenzinsen. Die Nachfrage nach Neubauten ist gedämpft, der Sektor wartet auf Entlastung. Genau in diesem Moment schlägt Berkshire zu.
Der US-Hausbau-Verband National Association of Home Builders rechnet im kommenden Jahr mit einem Zuwachs beim Bau von Einfamilienhäusern von rund fünf Prozent. Abel setzt offenkundig darauf, dass Berkshire Taylor Morrison nahe am Tiefpunkt des Zyklus kauft – günstig genug jetzt, um zu profitieren, sobald die Zinsen fallen und die Nachfrage anzieht.
Die Transaktion soll in der zweiten Jahreshälfte 2026 abgeschlossen werden, vorbehaltlich der Zustimmung der Taylor-Morrison-Aktionäre und der US-Kartellbehörden. Finanziert wird der Deal ohne Finanzierungsvorbehalt, was zum Berkshire-Selbstverständnis gehört: verbindlich, prompt, aus eigener Kraft.
Berkshire kaufte in den vergangenen Jahren kaum zu, weil die Bewertungen an den Aktienmärkten neue Rekorde erklommen und kaum Spielraum für günstige Käufe ließen. Dass Abel im Hausbau zugreift, hat also auch taktische Logik: Der Sektor liegt noch nicht auf dem Kursniveau, auf dem die Technologie- oder Konsumgüterwerte gehandelt werden. Wer Geduld mit sich bringen kann, kauft hier zu vernünftigen Preisen.
