private banking magazin: Rechenzentren sind gefragt, bringen aber einen enormen Ressourcenverbrauch mit sich. Nun stehen neue Regeln an?
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private banking magazin: Rechenzentren sind gefragt, bringen aber einen enormen Ressourcenverbrauch mit sich. Nun stehen neue Regeln an?
Fenja Olk-Puder: Ja, aus einzelnen Reporting-Anforderungen soll ein einheitlicher europäischer Bewertungsmaßstab entstehen. Die regulatorische Architektur besteht dabei im Wesentlichen aus drei Ebenen. Die Energieeffizienzrichtlinie verpflichtet bestimmte Rechenzentren zur jährlichen Meldung von Kennzahlen.
Die delegierte Verordnung konkretisiert die zu meldenden Daten, auf deren Grundlage unter anderem die sogenannten Power Usage Effectiveness, Water Usage Effectiveness, Energy Reuse Factor und Renewable Energy Factor berechnet werden. Der nächste Schritt ist nun das geplante EU-Bewertungssystem. Ab August 2027 soll daraus jährlich ein öffentliches Label entstehen. Damit wird Nachhaltigkeitsperformance deutlich transparenter und vor allem vergleichbarer.
Was folgt daraus für Fondsmanager?
Philipp Endres: Bislang gab es für Rechenzentren zwar verschiedene Nachhaltigkeitsrahmen, wie beispielsweise den EU Code of Conduct, den Climate Neutral Data Centre Pact oder nationale Vorgaben. Was fehlte, war jedoch ein marktweit vergleichbarer Bezugspunkt. Diese Funktion könnte nun das EU-Label übernehmen. Für Fondsmanager bedeutet die Einführung des Labels, dass die verschiedenen Aspekte der Nachhaltigkeitsperformance eines Assets künftig nicht mehr nur intern analysiert werden, sondern diese auch anhand eines öffentlichen Standards eingeordnet werden können.
In dem Zusammenhang ergeben sich Chancen für die Bewertung, die Asset-Selektion und Finanzierung, sowie letztlich die Positionierung eines Fonds mit Schwerpunkt Rechenzentren. Investoren und Asset Manager müssen sich aus unserer Sicht also schon jetzt die Frage stellen, inwieweit und ab wann sie diesen Bewertungsrahmen in ihren Investmentprozess integrieren sollten.
Welche Faktoren entscheiden darüber, ob ein Rechenzentrum beim künftigen Rating gut oder schlecht abschneidet?
Endres: Die Größe des Rechenzentrums beziehungsweise der technische Entwicklungsstand spielen eine entscheidende Rolle. Bei der Energieeffizienz sehen wir bereits deutliche Unterschiede. 2025 wurde für Rechenzentren weltweit im Durchschnitt bei der Power Usage Effectiveness (PUE) ein Wert von 1,54 erfasst, was im vorgeschlagenen EU-System einem E-Rating entsprechen würde.
Große Hyperscaler liegen dagegen mit Werten zwischen 1,09 und 1,17 im Bereich A bis B. Dahinter stehen nicht nur Skaleneffekte, sondern auch die Korrelation zwischen Größe einer Anlage und ihrem Alter: größere Anlagen sind häufig jüngeren Baujahrs und profitieren entsprechend von moderner, effizienzoptimierter Technik.
Olk-Puder: Daneben sind aber auch die Standortbedingungen nicht zu vernachlässigen. Nationale Gesetzgebung und klimatische Voraussetzungen können die Ausgangslage erheblich verändern. In Deutschland schreibt das Energieeffizienzgesetz beispielsweise seit Juli 2026 für Neubauten einen maximalen PUE-Wert von 1,2 vor, was nach dem vorgeschlagenen EU-System einem B-Rating entsprechen würde.
In den nordischen Ländern begünstigen wiederum die niedrigen Durchschnittstemperaturen die Kühlung von Rechenzentren. Hinzu kommt die Verfügbarkeit erneuerbarer Energien. Für eine belastbare Due Diligence reicht es deshalb nicht, einzelne Effizienzkennzahlen isoliert zu vergleichen. Sie müssen im Kontext des jeweiligen Assets und seines Standorts betrachtet werden.
Was folgt damit aus Ihrer Sicht konkret für die Anlagestrategie eines Infrastruktur-Fonds?
Olk-Puder: Fondsmanager sollten zunächst festlegen, welche Rolle das Rating im Anlageuniversum spielen soll. Eine Strategie könnte sich beispielsweise auf Assets mit einem erwarteten A- oder B-Rating konzentrieren. Eine andere Möglichkeit sind gezielte Transformationsstrategien für Rechenzentren im Bereich C bis E, sofern glaubwürdige Capex-Pläne zur Verbesserung der Effizienz vorhanden sind.
Kritischer sind aus unserer Sicht Assets mit einem G-Rating sowie Rechenzentren im E- bis F-Bereich, bei denen kein realistischer Aufwertungspfad erkennbar ist. Gerade mit Blick auf mögliche künftige Mindeststandards sollten Risiken bereits jetzt bei der Asset-Selektion berücksichtigt werden.
Sehen Sie auch Chancen?
Endres: Ja, es wäre zu kurz gegriffen, das Label lediglich als Compliance-Anforderung zu betrachten. Wenn Nachhaltigkeitsperformance transparent und öffentlich vergleichbar wird, können sich daraus auch Möglichkeiten zur Differenzierung ergeben. Ein Beispiel ist die Beschaffung erneuerbarer Energien. Hier sieht der Entwurf bei Herkunftsnachweisen eine stärkere zeitliche und regionale Zuordnung vor. Dies stellt zwar Eigentümer und Betreiber vor Herausforderungen, kann aber zugleich Bestandteil einer klar differenzierten Investmentstrategie werden.
Olk-Puder: Für Fondsmanager liegt die Chance also darin, nicht bis 2027 zu warten. Wer den geplanten Bewertungsrahmen frühzeitig in Due Diligence, Asset-Auswahl, Engagement und Offenlegung einbindet, kann mögliche Schwachstellen im Portfolio identifizieren, bevor das Label zum öffentlichen Referenzpunkt wird. Wie wir das Thema aktuell einschätzen, treffen bei Rechenzentren eine strukturelle Nachfrage und eine klarere regulatorische Richtung aufeinander. Für Fondsmanager kommt es daher darauf an, beide Entwicklungen gemeinsam in der Fonds- und Investmentstrategie abzubilden.
Über die Interviewten:
Fenja Olk-Puder arbeitet als Head of ESG Advisory & Tax Services bei Hauck & Aufhäuser Fund Services.
Philipp Endres ist Senior Specialist ESG Advisory bei Hauck & Aufhäuser Fund Services.