Im vierten Anlauf Chinesische A-Aktien erstmals in MSCI-Indizes enthalten

Bisher zeichneten ausländische Anleger chinesische Aktien hauptsächlich über den Finanzplatz Hong Kong.  | © iStock

Bisher zeichneten ausländische Anleger chinesische Aktien hauptsächlich über den Finanzplatz Hong Kong. Foto: iStock

Der Indexanbieter MSCI hat entschieden, erstmals chinesische Festlandaktien in seine Indizes aufzunehmen. Ab Mai 2018 werden den Angaben zufolge 222 der sogenannten A-Aktien in die Indizes MSCI Emerging Marktes (EM) und MSCI All Countries World (ACW) Einzug erhalten.

Die Aufnahme soll in zwei Schritten im Mai und August 2018 erfolgen, um die Handelsgrenzen einzuhalten. Dabei entspricht die Anzahl der Wertpapiere den Angaben zufolge zunächst einer Gewichtung von nur rund 0,7 Prozent des MSCI EM Index und 0,1 Prozent des MSCI ACW Index.

Bei den Werten handele es sich um große Finanz- und Industrieunternehmen. Die meisten davon befänden sich in Staatsbesitz. Durch den Schritt dürften nach MSCI-Berechnungen zunächst etwa 17 bis 18 Milliarden US-Dollar an Kapital in chinesische Aktien fließen.

Das werde wenig Auswirkungen auf die verschiedenen Indizes haben, sagt Kim Catechis, globale Leiterin Emerging Markets bei der Legg Mason-Tochtergesellschaft Martin Currie. Würde der chinesische Markt vollständig aufgenommen, könnten es mehr als 340 Milliarden US-Dollar sein.

Das könne nach Einschätzung der Expertin schon ein paar Jahre dauern, wie die Beispiele Korea (erste Teilaufnahme 1992, abgeschlossen 1998)  und Taiwan (erste Teilaufnahme 1996, abgeschlossen 2005) zeigen.

Es war bereits der vierte Versuch der Volksrepublik, auf diese Weise zusätzliche Milliarden an Anlegergeld einzutreiben. In den Vorjahren verweigerte MSCI das Vorhaben aufgrund des eingeschränkten Zugangs von Anlegern zum chinesischen Kapitalmarkt sowie den häufigen Unterbrechungen beim Aktienhandel. Nun hat der Indexanbieter seinen Standpunkt erneuert: Er ließ lediglich die Aktien zu, die die erforderlichen Bedingungen erfüllten.

Jedoch gäbe es unter internationalen Anlegern Bedenken bezüglich der Probleme bei Kapitalkontrollen. Zudem würden A-Shares noch immer als teurere Alternative gesehen, da es höhere Renditen braucht, um die gestiegene Volatilität der Festlandaktien auszugleichen. „Das Niveau der Offenlegungen von Unternehmen auf dem chinesischen Festland liegt deutlich unter dem, was ausländische Investoren erwarten“, so Catechis.