Im Krisenmodus So reagieren Pensionskassen auf Corona und die Börsenturbulenzen

Während ein Mann zu Hause arbeitet, erledigt seine Tochter Hausaufgaben: Auch Pensionskassen haben ihre Mitarbeiter in der Corona-Krise ins Homeoffice geschickt.  | © imago images / Westend61

Während ein Mann zu Hause arbeitet, erledigt seine Tochter Hausaufgaben: Auch Pensionskassen haben ihre Mitarbeiter in der Corona-Krise ins Homeoffice geschickt. Foto: imago images / Westend61

Die Corona-Pandemie erhöht den Druck auf institutionelle Anleger weiter. Die seit Jahren unter Niedrigzinsen leidenden Kapitalsammelstellen haben ihre Mitarbeiter reihenweise ins Homeoffice geschickt. Von dort aus müssen sie nun Anlageentscheidungen treffen und dafür sorgen, dass die Renten pünktlich an die Versicherten überwiesen werden, während Teile der Wirtschaft stillstehen und ihre Kinder, die nicht zur Schule oder in die Kita gehen dürfen, um sie herumtoben.

Im Zuge der Pandemie hat etwa die Pensionskasse HT Troplast nach Angaben von Thomas Schmitz im Bereich des Risikomanagements einen „dynamischen Veränderungsprozess in medizinischer als auch in organisatorischer Hinsicht“ umgesetzt. „Dazu gehören unter anderem die Einrichtung von Homeoffice-Arbeitsplätzen und die Entzerrung der Mitarbeiterstruktur vor Ort“, erläutert der Leiter der Abteilung Kapitalanlagen. Mit diesen Maßnahmen will die 1930 gegründete Versorgungseinrichtung der Beschäftigten in der Chemischen und der Kunststoff-Industrie ihre Arbeits- und Geschäftsfähigkeit gewährleisten.

Ähnliche Pläne wie HT Troplast treiben auch die Hamburger Pensionsverwaltung (HPV) um, die als eine der Branchengrößen über eine Million Versorgungszusagen betreut. Sie hat ihre geschäftskritischen Geschäftsprozesse so gestaltet, dass diese auch dann sichergestellt sind, wenn die Mitarbeiter mobil arbeiten. Insbesondere die Rentenauszahlung, die Kapitalanlage und das Kapitalanlage-Risikomanagement seien sichergestellt, betont die Pensionseinrichtung. Zweifel an pünktlichen Rentenzahlungen lässt die Versorgungseinrichtung gar nicht erst aufkommen.

Während vermutlich alle Kassen die Arbeitsabläufe ihrer Mitarbeiter kurzerhand an die neue Normalität angepasst haben, schlugen die Märkte Purzelbäume. Der Deutsche Aktienindex büßte zwischen Februar und März knapp 38 Prozent ein und stürzte auf 8.400 Zähler ab. Inzwischen haben sich die Gemüter beruhigt. Das belegt eine repräsentative Umfrage der Rating-Agentur Telos unter 40 Großanlegern, darunter Versorgungswerke und Pensionskassen. Zusammen verwalten sie ein Kapitalvermögen von rund 175 Milliarden Euro. Wie das Diagramm zeigt, planen die Umfrageteilnehmer ihre Rückkehr an die Aktienmärkte sowie in Hochzins- und Schwellenländeranleihen.

Auch die Babcock Pensionskasse will ihre Anlagen umgestalten. „Wir haben die Grenzen der illiquiden Investments inklusive Immobilien ausgereizt“, sagt Vorstandsmitglied Ralf Langhoff. Nun stehen die Oberhausener vor dem Einstieg in Fonds für Schwellenländeranleihen, die in Zinspapiere in Lokalwährungen investieren. „Zudem verfolgen wir das Ziel, durch Nischenprodukte den Anteil des Direktbestandes zu erhalten“, ergänzt Langhoff und nennt als Beispiel Schuldscheindarlehen an Unternehmen und erstrangig besicherte Hypothekendarlehen.